Donnerstag, 16. März 2006

Asthma & Heuschnupfen: Experten warnen nach langem Winter vor einem Super-GAU

  • Allergieattacke im heurigen Frühling umso stärker
  • Pollenflug schiebt sich auf Kurz-Zeitraum zusammen

"Die Allergie- und die Pollenattacke kommt in diesem Frühjahr umso stärker. Das wird heuer ein allergischer Super-GAU werden." Diese Warnung äußerte Lungenspezialist Univ.-Doz. Dr. Wolfgang Pohl, Vorstand jenes Gremiums der Österreichischen Gesellschaft für Pneumologie, welche die Diagnose- und Therapieleitlinien für "Asthma & Co." erstellt. Asthma und allergische Rhinitis werden immer mehr als eine Erkrankung angesehen und behandelt.

Der Grund für die Warnung: Wegen des langen Winters dürfte sich in diesem Jahr der Pollenflug der verschiedensten Pflanzenarten auf einen kürzeren Zeitraum zusammenschieben. In Österreich gibt es rund zwei Millionen Menschen, die bei Exposition gegenüber bestimmten Allergenen wie Tierhaare, Staubmilben oder Pollen an Heuschnupfen-Symptomen leiden. Freilich, genetisch festgelegt ist damit auch ein wesentlich erhöhtes Risiko für Asthma. Pohl: "Bei 80 Prozent der Asthmatiker steht am Anfang eine allergische Rhinitis. Die Allergie ist eine Systemerkrankung. 20 bis 50 Prozent der Rhinitis-Patienten leiden auch an Asthma."

Heuschnupfen & Asthma eng verwandt
Deshalb sollten Ärzte im Verdachtsfall auf Heuschnupfen oder Asthma auch immer auf weitere mögliche Symptome achten. Der Spezialist: "Asthmapatienten mit zusätzlicher allergischer Rhinitis haben viel mehr Anfälle. Es kommt zu einer Verdopplung der Notfallaufnahmen." Während die Fachleute früher bei einem zur allergischen Rhinitis zusätzlich auftretenden Asthma von einem "Etagenwechsel" sprachen, sehen sie heute die beiden Komplexe Krankheiten als Symptome einer allergischen Grunderkrankung. Daran sollte sich auch die Behandlung orientieren.

Neues Medikament
Seit 1999 gibt es auch in Österreich dafür neben Cortison und Antihistaminika gegen den Heuschnupfen und Cortison und Bronchien-Erweiterer (Beta-Sympatho-Mimetika) auch noch Tabletten mit einem Leukotrien-Rezeptor-Blocker (Montelukast) zum Schlucken. Leukotriene werden vom Immunsystem des Allergikers als starke Entzündungs-Botenstoffe vermehrt gebildet. Die Blockade der Rezeptoren für die Leukotriene dämpft die Entzündung in den Bronchien beziehungsweise in der Nase. Jetzt wurde das Medikament auch für die Behandlung von Patienten mit allergischem Asthma und zusätzlicher allergischer Rhinitis in Österreich zugelassen. In den USA darf es auch bereits bei Erkrankten angewendet werden, die ausschließlich an Heuschnupfen leiden. (APA/red)

16.3.2006 15:08