'Frauen bauen': In Wien planen sie Wohn- projekte, öffentliche Gebäude, Museen etc.
- 4.500 Wohnungen von Architektinnen entworfen
- Viele Themenbauten ausschließlich aus Frauenhand
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"Was heute eine Selbstverständlichkeit ist, musste erst erkämpft werden. In einem traditionell von Männern dominierten Berufsfeld brauchten die Frauen lange, bis sie anerkannt wurden. Erst 1919 konnte die erste Frau ein Diplom für Architektur erwerben. Margarethe Schütte-Lihotzky war eine Pionierin der damaligen Zeit und Wegbereiterin für die heutigen Architektinnen. Aus ihren sozialen Grundsätzen heraus entwickelte sie für die damalige Zeit völlig neue Konzepte zur Lösung der Wohnprobleme von einkommensschwachen Bevölkerungsschichten und der berufstätigen Frauen, Grundsätze, die den sozialen Wohnbau bis heute nachhaltig beeinflussen.
Ella Briggs-Baumfeld war die einzige Frau, die in den 1920er Jahren einen kommunalen Wohnbau (Pestalozzihof, 19., Philippovichgasse 2-4) realisieren konnte. Heutzutage sind Frauen aus dem Wohnbau nicht mehr wegzudenken", erklärten Frauenstadträtin Sonja Wehsely und Wohnbaustadtrat Werner Faymann. "Sie planen neben Wohnbauprojekten natürlich auch öffentliche Gebäude, Lokale, Museen und vieles mehr. Sie bekleiden wesentliche Führungspositionen, sei es bei Wiener Wohnen, im Wohnfonds Wien, als Mitglieder des Grundstücksbeirats und als Jurymitglieder bei den Bauträgerwettbewerben. Frauen beweisen in der Sparte Wohnbau nicht nur ausgezeichnete technische Kompetenz, sondern zeichnen sich durch besonders großes soziales Engagement bei ihrer Arbeit aus. Rund 1.000 der jährlich 5.500 neu errichteten Wohnungen werden von Architektinnen geplant.
4500 Wohnungen von Frauen
Wien wendet auch heuer für den Neubau wieder rund 260 Millionen Euro auf. Bei der Umsetzung dieses hohen Investitionsvolumens gezielt Architektinnen mit ihren Projekten einzubinden, hat zu deutlichen Erfolgen geführt. In den letzten Jahren sind so 45 Projekte mit insgesamt 4.500 Wohnungen von Frauen geplant worden", so der Wohnbaustadtrat weiter.
Frauenfreundliches Bauen ist menschenfreundliches Bauen
"Im Gegensatz zu Amerika oder einzelnen europäischen Staaten galt es im Österreich der späten Habsburger-Monarchie als undenkbar, dass eine Frau einen technischen Beruf ausüben könnte. Zwischen 1920 und 1940 schlossen 43 Frauen ein technisches Studium ab, neun Frauen schlossen ein Architekturstudium an der Akademie mit Diplom ab. Es waren insbesondere Frauen, die der ArbeiterInnenbewegung nahe standen, die in der Architektur maßgebend waren. In den 1990er Jahren waren Projekte wie die 'Frauen Werkstatt' bahnbrechend, heute sind ihre Leistungen 'state of the art'. In Wien geht es Frauen besser als anderswo in Österreich, die Zahlen machen aber auch deutlich, dass es für den gleichberechtigten Durchbruch von Architektinnen immer noch ein deutliches Potenzial gibt. Frauenfreundliches Bauen und Planen ist menschenfreundliches Bauen und Planen", so Frauenstadträtin Wehsely. "Zweifellos braucht eine Stadt die Visionen und das Potenzial der Frauen, um den vielfältigen Bedürfnissen ihrer BewohnerInnen gerecht zu werden. Mittlerweile haben Bauten zahlreicher Architektinnen im Stadtbild Niederschlag gefunden. Ziel muss es jedoch sein, nicht die Frage nach der Verfasserin oder dem Verfasser in den Vordergrund zu stellen, sondern auf der Basis der gebauten Qualität miteinander zu diskutieren. Erst wenn sich eine neutrale Betrachtung der von Architektinnen und Architekten geleisteten Arbeit etabliert hat - und daran sollte nach wie vor gemeinsam gearbeitet werden - ist ein unzeitgemäßes Rollenverständnis in der Architektur, ebenso wie die strikte Zuweisung "männer- und frauenrelevanter Bauaufgaben" tatsächlich obsolet geworden", merkt Arch. DI Elke Delugan- Meissl an.
Themenbauten aus Frauenhand
Die Vielfalt der im Wiener Wohnbau realisierten Baukonzepte wurde mit Beginn der 90iger Jahre um die Konzeption "Themenbauten" erweitert. Einige dieser wurden ausschließlich von Frauen geplant. Dazu zählen etwa die "Frauen Werk Stadt I (E. Prohazka, G. Podreka, L. Peretti, F. Ullmann), bei der etwa spezielles Augenmerk auf die Alltagstauglichkeit des Wohnbaus gerichtet wurde. Aufgrund der positiven Resonanz kam es Ende der 90iger Jahre zur Realisierung der Frauen Werk Stadt II (Büro Ifsits, Ganahl, Larch/C. Zwingl), deren Grundlage um den Aspekt des altersgerechten Wohnen angereichert wurde. Auch die Projekte "Autofreie Stadt"(C.Schindler) und die "Compact City" (BUS architektur L. Spinadel ) sowie die Thermensiedlung Oberlaa (E. Delugan-Meissl) wurden maßgeblich von Frauen gestaltet.
