Samstag, 18. März 2006

Slobodan Milosevic beigesetzt: Kärntner Schriftsteller Peter Handke hielt Ansprache

  • Ex-Präsident wurde im Garten seines Hauses beerdigt
    Zuvor 80.000 Menschen bei Trauerfeier in Belgrad
  • BILDER von der Beisetzung des Ex-Präsidenten

Im Beisein tausender Anhänger ist der jugoslawische Ex-Präsident Slobodan Milosevic in seiner Heimatstadt Pozarevac bestattet worden. Mehr als 80.000 Serben hatten zuvor in Belgrad von dem vor einer Woche verstorbenen früheren Staatschef Abschied genommen. Als der Sarg des 64-Jährigen auf einer mit rotem Teppich ausgelegten Bühne vor dem Belgrader Parlament aufgebahrt wurde, stimmte die Menge Sprechchöre an, viele brachen in Tränen aus. An der Trauerkundgebung nahm überraschend auch der österreichische Schriftsteller Peter Handke teil.

Die von der oppositionellen Sozialistischen Partei Milosevics organisierte Trauerfeier ähnelte einem Staatsbegräbnis, das die Regierung abgelehnt hatte, und wurde mit den Reden der sozialistischen Politiker live im Fernsehen übertragen. "Wir sagen Lebewohl zum Besten unter uns, ganz im Bewusstsein seiner Größe", erklärte der stellvertretende Parteichef Milorad Vucelic.

Zahlreiche der durchwegs älteren Trauergäste trugen Bilder von Milosevic und weinten. Ein Mann erlag einem Herzinfarkt. Vielen Serben gilt der ehemalige Präsident trotz seiner Verantwortung für die blutigen Jugoslawienkriege, die Tausende das Leben kosteten und die den Zerfall des Vielvölkerstaats dennoch nicht verhinderten, als Held.

"Slobo ist ein Held und Helden sterben nie", hieß es auf einem Transparent. Auf einem anderen stand "Das Tribunal mordet" - eine Reaktion auf Gerüchte, wonach das UNO-Tribunal in Den Haag schuld am Tod von Milosevic gewesen sein soll. Eine Obduktion der Leiche ergab nach UNO-Angaben jedoch keine Hinweise auf eine Vergiftung. Milosevic war am vergangenen Samstag tot in seiner Zelle gefunden worden, Todesursache war ein Herzinfarkt.

Bestattet wurde der 64-Jährige in einem Doppelgrab in seinem Geburtsort Pozarevac, 50 Kilometer südlich von Belgrad. Etwa 15.000 Menschen säumten die Straße, als der Sarg vorbeifuhr und warfen rote Rosen. Von den engsten Familienangehörigen, die in Russland im Exil leben, nahm niemand an dem Begräbnis teil. Weder seine Frau Mirjana Markovic noch sein Sohn Marko und Bruder Borislav reisten nach Angaben der Sozialistischen Partei nach Serbien, wo ihnen eine Festnahme wegen Vorwürfen des Machtmissbrauchs droht.

An der Trauerkundgebung nahm überraschend auch der österreichische Schriftsteller Peter Handke teil. "Ich weiß, dass ich die Wahrheit nicht kenne, doch ich blicke herum, höre zu, empfinde, erinnere mich. Ich bin glücklich, heute anwesend zu sein, in der Nähe Jugoslawiens, in der Nähe Serbiens, in der Nähe von Slobodan Milosevic", sagte Handke auf Serbisch. "Die so genannte Welt ist heute abwesend, nicht nur heute, nicht nur hier. Die so genannte Welt ist keine Welt", sagte Handke in Anspielung auf das Fernbleiben prominenter internationaler Gäste.

Handke hatte in der Vergangenheit in mehreren Texten und öffentlichen Äußerungen Sympathien für die Haltung Serbiens beim Zerfall des Vielvölkerstaates Jugoslawien erkennen lassen. Besonders kontrovers war sein im Jahr 1996 erschienener Essay "Eine winterliche Reise zu den Flüssen Donau, Save, Morawa und Drina oder Gerechtigkeit für Serbien."

Der stellvertretende serbische Ministerpräsident Miroljub Labus rief seine Landsleute auf, mit Milosevic auch die blutige Vergangenheit zu begraben. "Ich hoffe sehr, dass Milosevics Vorstellungen von Serbien mit ihm beerdigt werden", sagte Labus in einem Interview der Zeitung "Politika" und rief die Serben auf, "an die Generation von morgen" zu denken. Die noch gesuchten Kriegsverbrecher wie der Führer der bosnischen Serben, Radovan Karadzic, und sein General Ratko Mladic müssten an das UNO-Kriegsverbrechertribunal ausgeliefert werden.

(apa)

18.3.2006 16:02