Montag, 13. März 2006

Fast der Androgynität entwachsen: Placebo melden sich mit dem Album "Meds" zurück

  • Londoner Jungs mit 5. Studioalbum hörbar gereift
  • Auf der neuen Scheibe "menschelt's" jetzt gewaltig

Die Jungs von Placebo lassen mit ihrem neuen Album "Meds" aufhorchen. Jahrelang galten die drei Briten als die Verkörperung des Begriffs "androgyn" schlechthin. Doch Brian Molko, Stefan Olsdal und Steve Hewitt haben sich weiterentwickelt. Eigentlich wollten Placebo auf ihrem fünften Studioalbum noch mehr in Richtung Elektronik gehen - doch das Gegenteil kam am Ende heraus.

Placebo machte nie großes Aufsehen um den eigenen Erfolg, und so war es möglich, dass man die Band neben Medienstars wie Franz Ferdinand oder den Kaiser Chiefs beinahe vergessen hätte. Doch Placebo haben seit mehr als zehn Jahren eine stetig wachsende Anhängerschaft, die sich jenseits des engen Zeitgeist-Spektrums entwickelt. Und so ist auch der Erfolg von "Meds" beinahe vorprogrammiert.

Der Aufstieg von Placebo ist geprägt von einem seltenen Hunger nach musikalischer Erneuerung, persönlichen Entdeckungen und nach Geschichten. Stück für Stück haben sie den androgynen Schock-Chic ihrer Anfänge hinter sich gelassen und sich der krassen, reifen, direkteren Analyse menschlicher Abgründe gewidmet: den Perversionen, die wir voreinander verstecken, den Schmerzen und Erniedrigungen, die wir einander zufügen, den Abhängigkeiten, in die wir selbst uns begeben und – hin und wieder – den Hoffnungen, die wir uns allzu oft selbst verweigern.

Nach den letzten Megasellern "Sleeping With Ghosts" und der Singles-Compilation "Once More With Feeling" verspricht das fünfte Studioalbum "Meds" das überraschendste Werk Placebos zu werden.

In der Überzeugung, dass sie ihre bislang stärksten Songs überhaupt geschrieben haben, "waren wir plötzlich in der Situation, dass wir zu viele Songs für dieses Album hatten", sagt Brian. "Sonst hat uns immer ein Song gefehlt, also ist die Messlatte für Qualität hier viel höher. Es gibt auf diesem Album mindestens fünf bis sechs potentielle Singles."

Bei Placebo "menschelts"
Das Ergebnis ist nicht nur eine außergewöhnlich empfindsame Platte, sondern Placebos bislang menschlichster Wurf. Hier finden wir Geschichten von zerbrechlichen Seelen, die durchdrehen, weil sie vergessen haben, ihre Medikamente zu nehmen ("Meds"), Scham und Schrecken, die sich nach einer Drogennacht morgens im Badezimmer spiegeln ("Cold Light Of Morning") oder Freunde, die sich für einen extrem schlechten Lebensweg entscheiden ("Song To Say Goodbye"). Dies sind feinfühlig gesponnene Geschichten von Verlust, Verwirrung, Rache, Liebe und Abhängigkeit.

Es gibt auch das etwas geheimnisvolle Stück "Space Monkey", das keiner in der Band erklären kann, aber das Stefan mit emotionaler Hochachtung erfüllt: "Ich höre mir das Lied an und kann mich nicht erinnern, es jemals gespielt oder aufgenommen zu haben. Es ist, als würde ich eine andere Band hören, und das Stück weckt in mir sehr starke Gefühle. Es ist das erste Mal, dass mir so etwas mit einem unserer Stücke passiert." (red)

13.3.2006 13:32
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