Freitag, 17. März 2006

Mega-Deal in Kosmetik-Branche: L'Oreal kauft Body Shop für 944 Millionen Euro!

  • Aktien von Körperpflege-Kette steigt um über 10%
  • Eigenständigkeit soll aber gewahrt bleiben

Der weltgrößte Kosmetikkonzern L'Oreal will sich den britischen Anbieter alternativer Schönheits- und Pflegeprodukte, Body Shop, einverleiben. Dabei scheint der französische Konzern gute Karten zu haben: Wie er am Freitag mitteilte, hat er sich bereits die Zustimmung der Besitzer von 43 Prozent der Aktien gesichert. Eine Genehmigung durch die Regulierungsbehörden steht zwar noch aus, gilt aber als reine Formsache.

L'Oreal bietet den Aktionären der Kosmetik-Kette 652 Mio. Pfund (944 Mio. Euro). Je Aktie beläuft sich das Offert auf 300 Pence in bar. Das ist ein Aufschlag von 34 Prozent auf den Kurs vom 21. Februar, als erstmals über eine Fusion beider Unternehmen spekuliert worden war. Body Shop ist in 54 Ländern mit rund 2.000 Filialen vertreten. In Österreich hat Body Shop 5 Filialen. Das Unternehmen hat sich mit Kosmetik-Produkten aus natürlichen Inhaltsstoffen wie Bananen-Shampoo und dem Kampf gegen Tierversuche in der Branche einen Namen gemacht.

Nach den Plänen von L'Oreal mit seinen Marken wie Garnier und Lancome soll Body Shop weiterhin als eigenständiges Unternehmen geführt werden. Gründerin Anita Roddick soll Body Shop in ihrer bisherigen Funktion als Beraterin erhalten bleiben. Die Gründer-Familie Roddick hält rund 19 Prozent der Anteile und hat ihre Verkaufsbereitschaft bereits mit einer Reduzierung ihrer Anteile in den vergangenen Monaten signalisiert.

"Sie verstehen, wie einzigartig der Body Shop in der Geschäftswelt war", sagte die Firmengründerin mit Blick auf die L'Oreal-Offerte. Bedenken wegen Tierversuchen, gegen die Roddick lange gekämpft hat, dürften dabei keine Rolle Spielen: L'Oreal hat sich 1989 von dieser Art, seine Produkte zu testen, verabschiedet.

Die zwei Unternehmen wirken auf den ersten Blick sehr unterschiedlich. Nach Einschätzung von L'Oreal bietet ein Zusammenschluss aber dennoch beiden Vorteile. 2006 werde die Übernahme sich noch nicht auf die Gewinne niederschlagen, aber in den Jahren darauf, erläuterte der französische Konzern. "Body Shop ist nicht mehr die schrullige, alternative Firma, die sie einmal war", sagte Analyst Nick Bubb vom Brokerhaus Evolution.

In den vergangenen Jahren habe die Kette auch teurere Produkte ins Sortiment aufgenommen. Das Interesse von L'Oreal sei keine Überraschung. Der neue L'Oreal-Chef Jean-Paul Agon hatte schon Anfang des Monats gesagt, dass der Konzern nach Akquisitionen Ausschau halte, um sein Wachstum zu beschleunigen. Dies habe Priorität für den Konzern.

Die Roddicks hatten ihre Geschäft 1976 mit einem kleinen Geschäft im südenglischen Brighton gestartet, wo sie selbst gemachte Produkte in wiederverwertbaren Verpackungen verkauften. Der Konzern, der in den 80er Jahren sehr erfolgreich war, hatte an Gunst verloren, als andere Händler sein Konzept nachahmten und die Expansion in den USA sich eher holprig gestaltete. Im Januar hatte Body Shop nach schwächer als erwarteten Umsätzen einen Gewinnrückgang in Aussicht gestellt.

Nach Bekanntgabe der Übernahmepläne stiegen die Aktien von Body Shop in London um mehr als zehn Prozent auf 295,5 Pence. Die L'Oreal-Aktie gewann in Paris ein halbes Prozent auf 75 Euro. (apa/red)

17.3.2006 10:02