AMIS-Betrugsaffäre: Gericht in Venezuela stimmt Auslieferung von Managern zu
- Loidl und Böhmer sollen Hauptverantwortliche sein
Der Oberste Gerichtshof Venezuelas hat am Donnerstag der Auslieferung der zwei Hauptverantwortlichen in der Betrugsaffäre um den Wiener Finanzdienstleister AMIS an Österreich zugestimmt. Harald Loidl und Dietmar Böhmer sollen als Verantwortliche der Firmengruppe im Zeitraum von 1992 bis 2005 rund 15.000 Kunden um Beträge im Gesamtausmaß von rund 70 Mio. Euro geschädigt haben.
"Der Oberste Gerichtshof hat festgestellt, dass die Verbrechen, für die die Auslieferung von Dietmar Böhmer und Harald Loidl begehrt wird, nicht politischer Natur sind", heißt es in einer Stellungnahme der Richter. Das Gericht ordnete außerdem die Übergabe der Güter und Vermögen der Manager in Österreich an, berichteten venezolanische Medien. Wann die beiden nach Österreich verbracht werden sollen, stehe allerdings noch nicht fest.
Das Gericht habe seine Entscheidung getroffen, nachdem sich erwiesen habe, dass die Strafe, zu der die beiden Männer verurteilt werden können, 30 Jahre nicht übersteigen kann, hieß es. Das venezolanische Gesetz sehe zudem vor, dass bei Tatbeständen im Zusammenhang mit Kapital, Drogen sowie organisiertem internationalem Verbrechen die Auslieferung der verantwortlichen Ausländer nicht verweigert werden könne, heißt es in der Gerichtsentscheidung. Da mit Österreich kein Auslieferungsabkommen bestehe, habe man allgemeine Bestimmungen des Völkerrechts sowie die mit anderen Ländern bestehenden Auslieferungsabkommen angewandt.
Böhmer und Loidl waren Ende Oktober aus Österreich geflüchtet und haben sich in der Folge über die USA in die venezolanische Hauptstadt Caracas und nachher auf die zum südamerikanischen Land gehörende Insel Margarita abgesetzt haben. Dort wurden sie im Dezember in der Stadt Porlamar festgenommen und von der venezolanischen Polizei in Auslieferungshaft genommen. (apa)

