Freitag, 17. März 2006

Bayern über Medienberichte empört: Hoeneß nimmt Schweinsteiger in Schutz

  • Verwicklung in Wettskandal scharf zurückgewiesen
  • Tz-Chefredakteur entschuldigt sich für Fehler

Die Münchner Tageszeitung "tz" hat sich nach Angaben des FC Bayern München und des Hamburger Anwalts Michael Nesselhauf zum Widerruf ihrer Behauptungen über die angebliche Rolle des Fußball-Profis Bastian Schweinsteiger im jüngsten Wettskandal verpflichtet. Die "tz" und die beiden Autoren des Schweinsteiger-Artikels hätten weiter eine "strafbewehrte Unterlassungserklärung" abgegeben, teilten der Anwalt Schweinsteigers und der FC Bayern in gleichlautenden Erklärungen mit.

Die Münchner "tz" entschuldigte sich unterdessen offiziell für Fehler in ihrer Berichterstattung. Chefredakteur Karl Schermann erklärte am Freitagabend in München, in der Ausgabe vom Donnerstagabend hätten sich zwei Fehler eingeschlichen: "Für diese Fehler möchten wir uns in aller Form entschuldigen und noch einmal klar stellen: Die drei Spieler waren nicht bei der Polizei." Auch würden Bastian Schweinsteiger, Paul Agostino und Quido Lanzaat nicht als Beschuldigte bei der Staatsanwaltschaft München geführt.

Schermann betonte, dass die Fehler sofort korrigiert worden seien und in der Hauptausgabe vom Freitag nicht mehr erschienen seien. "Dennoch bleibt: Ihre Namen fallen immer wieder", fügte er hinzu. Nun müsse man abwarten, was passiere. Die Informationen der Zeitung speisten sich aus verlässlichen und sehr guten Quellen. "Keine Gerüchte, kein Hörensagen, es sind Fakten."

Außerdem werde die Zeitung eine Gegendarstellung Schweinsteigers veröffentlichen, "und zwar spätestens in ihrer Ausgabe am 20. März", so die Bayern.

Zuvor hatten der Meisterklub und Schweinsteiger umfangreiche juristische Schritte gegen die Berichterstattung der "tz" angekündigt. Spieler und Klub würden "mit allen rechtlichen Mitteln" gegen die Darstellung vorgehen, hatte Manager Uli Hoeneß am Freitag bei einer Pressekonferenz gesagt. Er stellte einen Fünf-Punkte-Katalog vor, mit dem Verein und Spieler gegen die Berichterstattung vorgehen würden. Die Schritte umfassten die Aufforderung zu einer Unterlassungserklärung, einen Widerruf der "rechtswidrigen Behauptungen", eine Gegendarstellung sowie einen Strafantrag Schweinsteigers "wegen übler Nachrede" gegen die redaktionell Verantwortlichen. Außerdem wollten sich Spieler und Verein die Geltendmachung von Schadensersatzansprüchen vorbehalten. Zudem verhängte der Bayern-Vorstand zunächst "bis auf weiteres" ein Hausverbot gegen die "tz".

Unterstützung erhielt der 21 Jahre alte Schweinsteiger auch von Jürgen Klinsmann. Die Veröffentlichungen nannte er "unverantwortlich". "Wir alle wissen, dass die Berichterstattung keinen Hintergrund hat", sagte der Bundestrainer. Bastian werde "natürlich" im Aufgebot für das Länderspiel am Mittwoch gegen die USA bleiben.

Auch Zweitligist TSV 1860 prüft juristische Maßnahmen gegen die "tz". "Wir werden uns auf jeden Fall rechtliche Schritte vorbehalten", sagte "Löwen"-Manager Stefan Reuter. "So lange keine Fakten auf dem Tisch liegen, werden wir die Spieler schützen." Zuvor hatte die Staatsanwaltschaft München I erneut klargestellt, dass derzeit kein Spieler für eine Vernehmung vorgesehen sei. "Es gibt keine Ladung oder eine Einladung an Bastian Schweinsteiger, Quido Lanzaat, Paul Agostino oder irgendeinen anderen Spieler, um sie bei der Polizei oder der Staatsanwaltschaft zu vernehmen", sagte Oberstaatsanwalt Anton Winkler. Neben dem Bayern-Profi waren auch Lanzaat und Agostino vom Schachner-Klub 1860 München von der "tz" mit dem Wettskandal in Verbindung gebracht worden.

Der DFB fordert alle Spieler der 2. Bundesligen und der Regionalligen auf, ihnen eventuell übermittelte Angebote für Wettmanipulationen bis zum 29. März schriftlich beim Verband anzuzeigen. Entsprechende Briefe an die Klubs seien am Freitag verschickt worden, teilte der DFB mit. "Wir wollen wissen, wer wo durch wen angesprochen worden ist", sagte DFB-C Chefjustiziar Goetz Eilers. (apa/red)

17.3.2006 16:50