Umfrage in Großbritannien: Premier Blair verliert bei Bevölkerung weiter an Vertrauen
- Schon rund die Hälfte für umgehenden Amtsverzicht
- Auch Image der Labour-Partei deutlich verschlechtert
·George Bush in USA so unbeliebt wie nie
Umfragetief: Nur 36 % unterstützen Präsidenten
Die Zahlung von Krediten an die regierende britische Labour-Partei in Millionenhöhe hat Premierminister Tony Blair in der Öffentlichkeit einen starken Ansehensverlust eingebracht. Die Partei hat zugegeben, vor den Wahlen im vergangenen Jahr rund 14 Millionen Pfund (21 Millionen Euro) erhalten zu haben, bestreitet aber Berichte, wonach Blair den Sponsoren Adelstitel und einen Sitz im britischen Oberhaus verschafft hat. Daraufhin sank die Zustimmung für Tony Blair in einer Umfrage der "Sunday Times" auf 36 Prozent, das schlechteste Ergebnis, das er je in Umfragen erhalten habe.
Von den mehr als 1.800 Befragten waren 56 Prozent der Ansicht, der Regierungschef habe als Gegenleistung für die Kredite Mandate im Oberhaus vergeben. Nur 14 Prozent waren vom Gegenteil überzeugt. Laut "Sunday Times" fordern 46 Prozent Blairs Rücktritt noch in diesem Jahr. Eine Umfrage der Zeitung "Sunday Telegraph" zeigt, dass sieben von zehn Briten die Labour-Regierung für genauso bestechlich halten wie die vorige konservative Regierung von John Major, die 1997 von Blair abgelöst wurde.
Der Großteil der Kredite ist nach Angaben der Labour-Partei für die Wahlkampagne ausgegeben worden. Das verstoße nicht gegen die Spendenbestimmungen der Partei. Nach einer parteiinternen Regelung muss jede Spende über 5.000 Pfund (rund 8.000 Euro) gemeldet werden, nicht aber Kredite. Die Partei war im letzten Jahr stark verschuldet, unter anderem wegen der Kosten für Wahlkampagnen und zurückgehenden Spenden von Parteimitgliedern.
Tony Blair gerät mit der Offenlegung der Kredite nicht nur in der Öffentlichkeit, sondern auch in seiner Partei unter Druck. Der Schatzmeister der Labour-Partei, Jack Dromey, sagte am vergangenen Freitag, er habe von den Spenden nichts gewusst. Die Blair-Getreuen der Partei beschuldigten Dromey, er wolle einen "Bürgerkrieg" in der Partei auslösen. Der Schatzmeister gilt als Getreuer von Finanzminister Gordon Brown, dem politischen Rivalen von Tony Blair. Auch in den Medien wurde Blair heftig kritisiert.
Die Wochenzeitschrift "The Economist" forderte Blair auf, "lieber früher als später" von seinem Amt als Premierminister zurückzutreten. Die "Sunday Times" sprach von einem "Endspiel" für den britischen Premier. "Skandalgeschichten der letzten konservativen Regierung haben Tony Blair vor neun Jahren an die Macht gebracht, und Skandalgeschichten werden auch seine politische Karriere beenden - und das eher früher als später." Blair stecke "bis zum Hals" persönlich in Finanzskandalen.
Führende britische Politiker haben am Wochenende zu einer Neuregelung der Parteienfinanzierung aufgerufen. Verteidigungsminister John Reid räumte nach einem Bericht des britischen Senders BBC ein, dass die Regeln verbessert werden sollten. Der konservative Oppositionsführer, David Cameron, will in der kommenden Woche Vorschläge zu einer Neuregelung vorlegen.
Die Vorwürfe kommen zu einer Zeit, in der Blairs Autorität in den eigenen Reihen als zunehmend angeschlagen gilt. Bei einer Abstimmung am Mittwoch im Parlament über eine Schulreform entging er nur mit Hilfe der Opposition einer Niederlage. Das neue Schulgesetz, das als ein Prestigeobjekt der Blair-Regierung gilt und Schulen mehr Eigenständigkeit einräumen soll, konnte nur mit Hilfe von Stimmen der Opposition verabschiedet werden.
(apa)
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