Erste Untersuchungen zeigen: Keine Giftsubstanzen in Milosevic' Blut gefunden
- UNO-Tribunal wird aber weitere Analysen durchführen
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Internationale Zeitungen zum Tod Milosevics
·Macht & Machterhalt als Polit-Leitmotive
Jugoslawiens Ex-Präsident
Milosevic im Porträt
·Die letzten Monate im Milosevic-Prozess
Wollte im Dezember nach
Moskau zur Behandlung
·Porträt: Milosevic- Witwe Mira Markovic
"Lady Macbeth" des Balkans hatte viel Einfluss
·Clan beherrschte Jugoslawien 10 Jahre
Slobodan Milosevic traute
nur der eigenen Familie
·Mit Milosevics Tod ging Epoche zu Ende
Serbien im Erbe des Ex- Staatschefs verfangen
·Grafik: Leben von Slobodan Milosevic!
Chronologie: Wichtigste Stationen im Leben
·Milosevic leblos in Zelle aufgefunden
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des UNO-Tribunals
·Kriegsverbrecher- tribunal in Den Haag
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Blutuntersuchungen an der Leiche des im Gefängnis des UNO-Tribunals von Den Haag verstorbenen jugoslawischen Ex-Präsidenten Slobodan Milosevic haben keine Hinweise auf eine Vergiftung ergeben. Die Untersuchung werde aber fortgesetzt, sagte der Präsident des UNO-Kriegsverbrecher-Tribunals, Fausto Pocar, am Freitag in Den Haag. "Ich möchte betonen, dass dies vorläufige Ergebnisse sind."
Entdeckt wurden den Angaben zufolge nur Spuren derjenigen Medikamente, die Milosevic von seinen behandelnden Ärzten gegen hohen Blutdruck verschrieben worden waren - "aber nicht in einer toxischen (giftigen) Konzentration". Von dem Lepra- und Tuberkulosemittel Rifampicin, das bei einer früheren Untersuchung Milosevics in dessen Blut entdeckt worden war, fanden die Experten nun keine Spuren mehr. Da es schnell im Körper abgebaut wird, heiße dieser Befund nur, "dass es in den letzten wenigen Tagen vor dem Tod nicht eingenommen oder verabreicht wurde". Rifampicin kann die Medikamente gegen den Bluthochdruck außer Kraft setzen, die Milosevic nehmen musste.
Wie Milosevic früher an dieses Mittel gekommen ist, bleibt noch ungeklärt. Gerichtspräsident Pocar und der Verwaltungschef des Tribunals, Hans Holthuis, wandten sich gegen Vorwürfe mangelnder Wachsamkeit in dem UNO-Gefängnis. Die Haftanstalt erfülle höchste Anforderungen, und Milosevic sei die bestmögliche Behandlung zuteil geworden, betonte Pocar.
Holthuis wies darauf hin, dass Milosevic, der sich ohne Anwalt selbst verteidigte, im Gefängnis ein Büro eingerichtet worden war. Dort habe er mehr als 70 Zeugen empfangen, die weniger streng kontrolliert würden als Besucher. Ohne Einzelheiten zu nennen, versicherte Holthuis, dass Maßnahmen ergriffen worden seien, als vor längerer Zeit unerlaubte Medikamente und sogar Alkohol bei Milosevic gefunden worden waren.
Zu der Bemerkung russischer Spezialisten, eine Operation in Moskau hätte Milosevics Lebenszeit verlängern können, verwies Pocar auf die Entscheidung der zuständigen Strafkammer. Diese hatte eine vorübergehende Entlassung nach Moskau wegen Fluchtgefahr abgelehnt und die Möglichkeit einer Operation in den Niederlanden zur Sprache gebracht.
Spekulationen über Vergiftung
Milosevic litt an hohem Blutdruck und Herzproblemen. In Kreisen serbischer Nationalisten war spekuliert worden, dass der wegen Kriegsverbrechen angeklagte Ex-Staatschef vergiftet worden sein könnte. Auch die Familie hatte das UNO-Tribunal für den Tod Milosevics verantwortlich gemacht.
Nach Auffassung des Toxikologen Donald Uges könnte der 64-Jährige wissentlich falsche Medikamente genommen haben, um seinen Gesundheitszustand zu verschlechtern. Damit habe Milosevic die Behandlung seines Herzleidens in Russland herbeiführen wollen, wo seine Ehefrau, sein Sohn und sein Bruder leben.
In Belgrad standen unterdessen am Freitag weiter zahlreiche Anhänger Milosevics vor dem Revolutionsmuseum Schlange, wo der Sarg des Verstorbenen den zweiten Tag in Folge aufgebahrt war. Bereits am Donnerstag waren tausende Trauernde dort defiliert, um dem Toten die letzte Ehre zu erweisen.
(apa/red)
