Montag, 13. März 2006

Bush macht Iran für Anschläge im Irak verantwortlich: 'Mitschuld an US-Opfern'

  • US-Präsident: 'Werden unsere Nerven nicht verlieren'

US-Präsident George W. Bush hat den Iran direkt für die Anschläge gegen US-Soldaten im Irak mit verantwortlich gemacht. Der Iran helfe den schiitischen Milizen dabei, Sprengsätze zu fabrizieren und trage damit zumindest teilweise die Schuld an den Todesopfern unter den US-Truppen und ihren internationalen Verbündeten, sagte Bush in Washington.

Einige der explosivsten dieser Sprengsätze enthielten Komponenten, die aus dem Iran stammten. Mit derartigen Hilfen für Attentäter im Irak, seiner Unterstützung für sonstige Terrorgruppierungen sowie mit seinem Atomprogramm isoliere sich der Iran zunehmend vom Rest der Welt, warnte der US-Präsident.

Bush wandte sich angesichts sinkender Umfragewerte an die Öffentlichkeit, um seine Irak-Politik erneut zu verteidigen. "Wir werden unsere Nerven nicht verlieren", sagte er in der ersten von mehreren geplanten Reden, die seine Beliebtheit wieder verbessern sollen. Mit den Auftritten will er die US-Bürger davon überzeugen, dass er eine Strategie zur siegreichen Beendigung des vor knapp drei Jahren begonnenen Irak-Einsatzes verfolgt.

Der US-Präsident lobte die Bevölkerung im Irak angesichts der Gewalt im Land. Obwohl eine Welle der Gewalt nach dem Angriff auf die Goldene Moschee in Samarra vor drei Wochen Hunderte von Irakern das Leben kostete, erklärte Bush am Montag: "Mit ihrer Reaktion in den vergangenen zwei Wochen haben die Iraker der Welt gezeigt, dass sie eine Zukunft in Freiheit und Frieden wollen und dass sie sich einer gewalttätigen Minderheit entgegenstellen werden."

Der Präsident erklärte, mit dem Anschlag auf die den Schiiten heilige Moschee hätten die Täter einen Bürgerkrieg heraufbeschwören wollen, dies hätten aber die irakischen Sicherheitskräfte verhindert. "Die irakischen Sicherheitskräfte haben verstanden, dass ihr Land in Anarchie versinken würde, wenn sie nicht für die nationale Einheit einstünden. Also haben sie ihre Demokratie verteidigt."

Bushs Rede fügte sich in die Bemühungen der USA ein, im Streit um das iranische Atomprogramm den Druck auf die Führung in Teheran zu erhöhen. Der Sprecher des Weißen Hauses, Scott McClellan, kündigte an, dass sich der UNO-Sicherheitsrat noch in dieser Woche mit den iranischen Nuklearaktivitäten befassen werde. Die Internationale Atomenergie-Behörde (IAEO/IAEA) hatte den Dauerstreit in der vergangenen Woche an den Sicherheitsrat verwiesen, nachdem der Iran binnen einer einmonatigen Schonfrist nicht eingelenkt hatte.

Im Irak wurden unterdessen die Leichen von 21 Menschen gefunden, die durch Kugeln getötet worden waren. Wie aus dem Innenministerium in Bagdad verlautete, hatten manche der Leichen die Hände gefesselt und die Augen verbunden. Die meisten Leichen seien in Bagdad entdeckt worden, davon acht in dem Schiitenviertel Sadr City, hieß es.

Der ehemalige irakische Vizepräsident Taha Yassin Ramadan ist nach eigenen Angaben von US-Ermittlern bei Verhören gefoltert worden. Ramadan sagte am Montag vor dem Sondertribunal für die Verbrechen des Saddam-Regimes in Bagdad, die Amerikaner hätten ihn geschlagen, mit eiskaltem Wasser übergossen und gezwungen, stundenlang zu stehen. Sie hätten ihm damals immer immer wieder die gleiche Frage gestellt: "Wo ist (Ex-Präsident) Saddam (Hussein)?".

(apa/red)

13.3.2006 22:34