Montag, 13. März 2006

Weiter Chaos in Frankreich: Studenten demonstrieren gegen Arbeitsvertrag neu

  • Villepin plant Lockerung des Kündigungsschutzes
  • Paris: Besetzung des Collège de France beendet

In Frankreich demonstrieren am Dienstag die Studenten gegen die Lockerung des Kündigungsschutzes für Berufseinsteiger. Es ist der erste von insgesamt drei Protesttagen in dieser Woche gegen das umstrittene Reformprojekt von Premierminister Villepin. Unterdessen wurde die Besetzung des Forschungs- und Bildungsinstituts Collège de France in Paris gewaltlos beendet.

Die Reform von Villepin soll die Erstanstellung von jungen Arbeitnehmern erleichtern; dazu erhalten Unternehmen per Gesetz die Möglichkeit, Entlassungen in den ersten beiden Jahren ohne Grund auszusprechen. Die Gesetzesänderung hatte schon vergangene Woche Hunderttausende auf die Straße gebracht und führten zu Blockaden von Hochschulgebäuden. Weitere Protesttage sind für Donnerstag und Samstag angekündigt.

Collège de France gewaltlos geräumt
Nach einer mehrstündigen Besetzung durch rund fünfzig Demonstranten hat die Polizei das Collège de France in Paris geräumt. Die Polizisten drangen in der Nacht auf Dienstag in das Gebäude nahe der Sorbonne-Universität ein und führten die Demonstranten hinaus, wie ein AFP-Reporter berichtete. Die Aktion verlief friedlich.

Vor dem Gebäude war es am Montagnachmittag noch zu gewalttätigen Zusammenstößen zwischen Polizei und Studenten gekommen, die dort gegen die geplante Lockerung des Kündigungsschutzes demonstriert hatten.

Das Collège de France gehört nicht zum französischen Universitätssystem und ist eine Mischung aus Forschungsinstitut und offener Bildungsanstalt. Es ist der Grundlagenforschung von der Mathematik über die Philosophie bis zur Frühgeschichte verpflichtet. Gleichzeitig sind seine Professoren angehalten, das erforschte Wissen in Kursen an die Bevölkerung weiterzugeben.

Studenten: "Starrköpfigkeit und Arroganz"
Verschiedene Studenten- und Schülerverbände forderten Staatspräsident Jacques Chirac am Montag in einem offenen Brief auf, die umstrittene Arbeitsmarktreform zu stoppen. Der so genannte "Vertrag für die Erstanstellung" (Contrat première embauche, CPE) stelle "eine Diskriminierung der Jungen" dar, heißt es in dem Schreiben der zum Kollektiv "Stopp CPE" zusammengeschlossenen Organisationen. Premierminister Dominique de Villepin wird darin "Starrköpfigkeit und Arroganz" vorgeworfen. (apa/red)

13.3.2006 18:57