Milosevic-Leichnam in Belgrad aufgebahrt: Beisetzung Samstag in seinem Geburtsort
- Witwe Markovic wird nicht zu Begräbnis kommen
Beisetzung ohne Staatsehren. Grab unter einer Linde - PLUS: Porträt und internationale Pressestimmen
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Internationale Zeitungen zum Tod Milosevics
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Slobodan Milosevic traute
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Serbien im Erbe des Ex- Staatschefs verfangen
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des UNO-Tribunals
·Kriegsverbrecher- tribunal in Den Haag
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Der Leichnam des früheren serbischen und jugoslawischen Präsidenten Slobodan Milosevic ist am Donnerstag im Belgrader Revolutionsmuseum aufgebahrt worden. Zahlreiche Anhänger des einstigen Staatschefs, vor allem ältere Menschen, reihten sich in eine Warteschlange ein, um am geschlossenen Sarg vorbei zu defilieren.
Viele Trauernde hatten rote Rosen in der Hand - das Symbol von Milosevic' Sozialistischer Partei Serbiens (SPS). Die Sympathiebekundungen für den Ex-Präsidenten, der vor dem Haager UNO- Tribunal als Kriegsverbrecher angeklagt war, legten Beobachtern zufolge eine Spaltung der serbischen Gesellschaft offen, was den Umgang mit Milosevic betrifft.
Das Revolutionsmuseum befindet sich in nächster Nähe der einstigen Residenz von Milosevic, die während der NATO-Luftangriffe im Frühjahr 1999 zerstört wurde, sowie der Grabstätte des einstigen jugoslawischen Präsidenten Josip Broz Tito. Mit diesem hatte Milosevic' Ehefrau Mira Markovic ihren Mann immer gerne verglichen.
Der Leichnam von Milosevic ist am Mittwochnachmittag in Belgrad eingetroffen. Auf dem Rollfeld parkte das dunkle Fahrzeug eines privaten Bestattungsunternehmens, daneben standen Mitglieder von Milosevics Sozialistischer Partei mit einem Kranz aus roten Rosen, dem Parteisymbol. Sie hüllten den Sarg in die serbische Flagge ein und küssten ihn.
Beisetzung in Milosevic' Heimatstadt
Milosevic wird am Samstag im Garten des Familienhauses in seinem Geburtsort Pozarevac (Ostserbien) unter einer Linde beerdigt werden. Der Baum soll nach Angaben der städtischen Sozialistischen Partei (SPS) einen "besonderen symbolischen Wert" für das Ehepaar Milosevic haben. Sowohl Slobodan Milosevic wie auch seine Gattin Mira Markovic stammen aus der ostserbischen Stadt. Der Gemeinderat erklärte den Samstag, an dem Milosevic beerdigt wird, zum Trauertag der Gemeinde. Die Opposition in Pozarevac ließ bereits wissen, dass sie diesen nicht zu beachten gedenke.
Das Begräbnis Milosevic' wird ohne Staatsehren verlaufen. Der Sarg mit den sterblichen Resten war am Mittwochnachmittag auf dem Belgrader Flughafen von der Sozialistenführung übernommen worden und wurde zur Totenkammer eines Belgrader Krankenhauses transportiert.
Die ultranationalistische Serbische Radikale Partei appellierte an alle früheren Polizisten und Offiziere, in feierlichen Uniformen zur Beisetzung zu erscheinen, damit Milosevic wenigstens auf diese Weise der gebührende Respekt zuteil werde. Zuvor soll der Leichnam am Samstagmittag auch noch im Rathaus von Pozarevac aufgebahrt werden. Die 50 Kilometer südöstlich von Belgrad gelegene Industriestadt ist eine Hochburg der Milosevic-Anhänger. Am Mittwoch begann man dort bereits mit Verschönerungsarbeiten am Stadtbild. "Wir erwarten Gäste aus ganz Serbien", sagte der örtliche Sozialistenchef Miomir Ilic.
Witwe will nicht zu Begräbnis kommen
Milosevics Witwe Mirjana Markovic will nach Angaben eines russischen Abgeordneten nicht an der Beisetzung teilnehmen. Es sei ungeheuerlich, dass die Führung von Serbien-Montenegro ihr keine Sicherheitsgarantien gegeben habe, sagte der nationalistische Politiker Sergej Baburin im Fernsehen. Ein serbisches Gericht hatte am Dienstag zwar den Haftbefehl gegen die wegen Machtmissbrauchs gesuchte Markovic ausgesetzt, jedoch erklärt, bei der Einreise werde ihr Pass eingezogen. Milosevics Sohn Marko, der in Den Haag den Leichnam seines Vaters abgeholt hatte, flog zunächst nach Moskau, sollte aber später nach Belgrad kommen, hieß es. Er muss nach Darstellung des serbischen Innenministers Dragan Jocic anders als seine Mutter die Strafverfolgungsbehörden nicht fürchten.
Vorwürfe aus Russland an Den Haag
Das Unterhaus des russischen Parlaments, die Duma, machte in einer einstimmig verabschiedeten Erklärung den Haager Gerichtshof für den Tod Milosevics verantwortlich und fordert die baldige Abschaffung des Tribunals. Das Gericht habe dem am Samstag an einem Herzinfarkt gestorbenen 64-Jährigen keine angemessene medizinische Versorgung zukommen lassen. Dies sei eine schwere Menschenrechtsverletzung. Das UNO-Tribunal müsse die laufenden Verfahren rasch zu Ende bringen und sollte keine neuen Aktivitäten aufnehmen, hieß es weiter. Kommunisten in St. Petersburg stellten indes den Antrag, eine Straße nach Milosevic zu benennen.
Russische Ärzte kritisieren Behandlung
Russische Ärzte kritisierten "grobe Fehler" ihrer niederländischen Kollegen bei der Behandlung von Milosevic. Er hätte durch eine Operation gerettet werden können, sagte der russische Herzspezialist Leo Bokerija nach Angaben der Nachrichtenagentur Itar-Tass. Bokerija und mehrere russische Ärzte hatten sich am Vortag mit den Ergebnissen der Autopsie des an einem Herzinfarkt gestorbenen Gefangenen des Tribunals vertraut gemacht.
Das Tribunal erklärte am Mittwoch, es erwäge, Dokumente zum Fall Milosevic freizugeben, darunter auch Informationen zum Gesundheitszustand und der Behandlung des Ex-Präsidenten. Es gibt Spekulationen über ein Medikament, das Milosevic ohne ärztliche Anordnung eingenommen hatte. Dem früheren serbischen und jugoslawischen Präsidenten wurden insgesamt 66 Kriegsverbrechen in Kroatien, Bosnien-Herzegowina und im Kosovo in den 90er Jahren zur Last gelegt.
NATO-Truppen durchsuchten unterdessen im Norden Bosniens am Mittwoch das Haus und die Geschäftsräume eines Mannes, der unter Verdacht steht, dem bosnischen Serbenführer Radovan Karadzic bei der Flucht geholfen zu haben. UNO-Chefanklägerin Carla Del Ponte hatte nach dem Tod Milosevics erklärt, nun habe Ergreifung der mutmaßlichen Kriegsverbrecher Karadzic und Ratko Mladic höchste Priorität.
Serbien wird Mladic ausliefern
Der serbische Justizminister Zoran Stojkovic hat die Absicht Serbiens bekräftigt, den als Kriegsverbrecher gesuchten Ratko Mladic an das UN-Tribunal auszuliefern. "Wir werden unsere Verpflichtungen einhalten", sagte Stojkovic.
Der serbische Minister sagte weiter, er habe keine Information über ein Strafverfahren gegen den Sohn von Milosevic. Marko war laut Medienberichten in einen groß angelegten Schmuggel von Zigaretten unter anderem auch mit einem im Februar erschossenen bulgarischen Mafia-Boss verwickelt.
(apa/red)
