Parteitag der steirischen ÖVP: Bewegende Verabschiedung von Waltraud Klasnic
- Alt-LH übergibt unter Tränen ihren Parteivorsitz
- Schützenhöfer mit 98,63 % zum Obmann gewählt

Hermann Schützenhöfer wurde in der Schwarzl-Halle in Unterpremstätten bei Graz beim außerordentlichen Parteitag der steirischen Volkspartei mit 98,63 Prozent der abgegeben Stimmen zum neuen Landesobmann und Nachfolger von Waltraud Klasnic gewählt. Zuvor hatte Klasnic in bewegten Worten Abschied von der Spitze ihrer Partei genommen, für die sie 1996 den ersten Landeschef in Österreich gestellt hatte - dabei floss unter den 625 Delegierten manche Träne. Parteitagsgast und Kanzler Wolfgang Schüssel mahnte Einigkeit ein - diese sei der Schlüssel zum Erfolg.
Von 625 Wahlberechtigten gaben 583 ihre Stimme ab, davon war eine ungültig. 574 Delegierte stimmten für Schützenhöfer. Er habe sich vor der Wahl gedacht: "Ein Neuner vorne wäre schön". Nun ist es so viel geworden", so ein sichtlich erleichterter und gerührter Schützenhöfer. Die VP habe ein hohes Potenzial. "Vielleicht packen wir's schneller als wir glauben, aber wir packen's nur gemeinsam", sagte der neue VP-Landesparteichef. Er wolle ein Parteiobmann sein, wie es Schüssel gesagt habe: "Einer, der das ganze im Auge behaltet."
Mit einer über weite Strecken stark programmatischen, tiefsinnigen Rede über Wesen und Veranwortung guter Politik versuchte der Klasnic-Nachfolger, die Delegierten auf die kommenden Jahre einzustimmen. In seinem Referat war sehr viel von sozialem Gewissen und der Bedeutung von Europa die Rede - wohl auch in Hinblick auf die Herbstwahl. Gewürzt war der Monolog mit einem kräftigen Schuss SPÖ-Kritik. Nichtsdestotrotz bekannte sich Schützenhöfer zur Zusammenarbeit mit den Sozialdemokraten: "Es gibt keine Alternative." Als Balsam für die Seelen der Delegierten wiederholte Schützenhöfer die Parole der vergangenen Wochen: "Die Wahl wurde nicht von der SPÖ gewonnen, wir haben sie verloren".
Alt-LH Klasnic verabschiedete sich mit einer bewegenden Rede, in der ihr immer wieder die Stimme leicht stockte, von der Spitze der steirischen Volkspartei und äußerte "eine Bitte: Wir haben Ziele, sind hier viele unter einem Dach. Wir haben Glauben, Zuversicht, wir werden es schaffen, dürfen uns durch nichts ablenken lassen auf dem Weg zurück zur Nummer eins." Und: "Ich bin nicht einfaches Mitglied, ich bin einfach da, wo ihr mich braucht". Den lang anhaltenden Applaus nahm Klasnic unter Tränen entgegen. Für den von ihr vorgeschlagenen Schützenhöfer gab es nur Lob: "Er ist ein handelnder und fordernder Geist. Sein Weg möge ihm gelingen". Eine Ära ging mit Würde zu Ende - möglichen Kalamitäten wegen des ihr angetragenen Ehrenparteivorsitzes - den Josef Krainer innehat - nahm sie mit einem Verzicht den Wind aus den Segeln.
Bundesparteiobmann Schüssel riet in seiner Rede u.a. zur Einigkeit: "Nehmt den heutigen Tag als Startpunkt für die neue steirische VP mit. Heuer noch, nicht erst 2010 will ich die Mehrheit für die steirische Volkspartei sehen."
(apa/red)
