Freitag, 17. März 2006

Duell in Blau-Orange: Strache gegen Haider
im Kampf um Partei-Millionen und Wähler

  • NEWS: So ultra-brutal wird der rechte Endkampf '06
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Er werde es allen "schon noch zeigen", sagt der Mann mit dem gehetzten Blick und der rauchigen Stimme. Dass sein Anti-EU-Volksbegehren ein "Flop" gewesen sei, wie seine politischen Gegner - allen voran das BZÖ - nun süffisant kommentieren, sei "absurd". Spätestens bei der Nationalratswahl würden alle schon "noch staunen". Er habe immerhin einen "Masterplan", und der "andere" habe schlicht "nichts mehr". Und schließlich habe er bei seinem erstem "Volksbegehren mehr Stimmen erreicht als der andere 1987 bei seinem Anti-Privilegien-Volksbegehren."

Der eine, der so gern ein "Original" sein will und sich doch selbst immer wieder mit dem "anderen" vergleicht, ist Heinz-Christian Strache.

Jener FPÖ-Chef, der in seinem einstigen politischen Vorbild nur mehr einen "Verräter" sehen will, den es politisch zu beseitigen gelte. Um den "anderen" - Jörg Haider - zu besiegen, ist er zu vielem - zu fast allem - bereit. Dafür wird er in den nächsten Wochen weiter durch Österreich tingeln und gegen Ausländer und die EU polemisieren. Vor allem in Kärnten - wo Haider verzweifelt um ein Grundmandat kämpft - will er weiterhin omnipräsent sein.

Nicht, weil er glaubt, dass er dort reüssieren könnte - sein Anti-EU-Volksbegehren hat in Kärnten nur ein paar tausend Stimmen erhalten -, nein, nur um den "anderen" in den politischen "Ruhestand" schicken zu können. Denn gemeinsam ist den beiden ehemaligen blauen Freunden nur noch der erbitterte Kampf gegeneinander. Ab jetzt - zumindest darüber ist man sich bei Blau und Orange einig - gehe es um den politischen "Endkampf".

Das letzte Duell des Vaters mit dem Sohne
Und so fechten die zwei schlagenden Burschenschafter Haider und Strache ihr wohl härtestes und emotionalstes Duell um die Macht aus. Für den einen wie für den anderen geht es bei der Nationalratswahl im Herbst schließlich ums politische Überleben. Dass der Kampf in den nächsten Monaten "immer brutaler werden wird", bestätigen beide.

Sollte der Verfassungsgerichtshof - er wird Ende März, Anfang April darüber entscheiden - der FPÖ in ihrer Klage gegen Haiders "Freiheitliche in Kärnten" Recht geben, stünde Haider in seiner politischen Heimat vor dem politischen Ruin. Denn dann müsste Haider der FPÖ die Parteienförderung in Kärnten überlassen und stünde quasi über Nacht ohne monetäre Ressourcen da.

Kampf um jeden Cent
Haider wiederum, der Strache fast wehmütig den "verlorenen Sohn" nennt und der sich so verzweifelt an längst verlorene Zeiten klammert, als er noch der Gottseibeiuns, als er noch das "Enfant terrible" war, das die Emotionen hochkochen ließ, will Strache nicht kampflos das Terrain überlassen. Er will in den kommenden Wochen plötzlich wieder den Kampfanzug des Oppositionsführers überstreifen und erneut gegen Ausländer und die Regierung wettern, berichten Vertraute Haiders.

Selbst ein erneutes Anti-Ausländer-Volksbegehren will der BZÖ-Chef demnächst in den Raum stellen. Damit er Strache, dessen FPÖ in Meinungsumfragen zwischen sechs und acht Prozent liegt, doch noch Stimmen abluchsen kann. Denn sein BZÖ dümpelt derzeit nur bei einem einzigen Prozent herum. Um Strache zu kontern, hat Haider ihm noch drei Abgeordnete - Helene Partik-Pablé, Max Hofmann und Detlev Neudeck - abspenstig gemacht. Damit eben auch Straches FPÖ die Förderung für die FPÖ-Akademie in Millionenhöhe verliert. Es ist ein Kampf um jeden Cent und jeden Wähler.

Haider tritt hingegen fast nur mehr in Kärnten auf, verrückt dort Ortstafeln, um zumindest ein Grundmandat in Kärnten zu erreichen. Damit sein BZÖ wenigstens eine kleine Chance auf den Einzug in den Nationalrat hat. Das soll sich nun wieder ändern: Auch der 57-jährige Haider will wieder durch die Lande ziehen und um jede Stimme kämpfen.

Westenthaler macht sich für Haider stark
"In Kärnten hat Strache keine Chance. Das ist Haiders Land, dort wird ihn Haider immer besiegen", ätzt denn auch Ex-FP-Klubchef Peter Westenthaler stellvertretend für den BZÖ-Chef im NEWS-Interview. Westenthaler, Haiders einst glühendster Fan, ist heute ein kleiner politischer Strohhalm des BZÖ-Chefs.

Geht es nach Haider, soll Westenthaler bei der Nationalratswahl an seiner statt offiziell gegen Strache in den Ring steigen, neben ihm in Österreich um die "freiheitlichen Stimmen" buhlen.

In den kommenden Wochen und Monaten will der einstige Rabauke Haider Strache als "Rechtsaußen" und "schlecht für das Land" brandmarken, berichten BZÖ-Insider. Ab jetzt sollen die "Samthandschuhe ausgezogen" werden, "wir müssen jetzt direkt gegen Strache kämpfen", lautet die neue orange Losung.

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17.3.2006 09:27