Donnerstag, 16. März 2006

Nicht ernst genommen: Innsbrucker Polizei nahm 17-Jährigern Kinderschänder nicht fest

  • Täter wollte sich stellen und wurde weggeschickt
  • Psychisch Kranker setzte Aktionen ungehindert fort

Monatelang hat im Vorjahr eine Kindesmissbrauchs-Serie Innsbruck in Atem gehalten. Nun wurde der mutmaßliche Täter vom Landesgericht Innsbruck - vorerst nicht rechtskräftig - zu zwei Jahren teilbedingter Haft verurteilt und in eine Anstalt für abnorme Rechtsbrecher eingewiesen. Der 17-Jährige wollte sich laut Medienberichten schon im Oktober bei der Polizei stellen. Er wurde von einem Beamten aber offenbar nicht ernst genommen.

Der Lehrling soll am helllichten Tag sechs Mädchen unter zehn Jahren von der Straße weggezogen und einige von ihnen missbraucht haben. Mitte Oktober konnte er gefasst werden. Zumindest zwei der insgesamt sechs Straftaten hätten angeblich leicht verhindert werden können. "Schon am 4. Oktober wollte sich der 17-jährige Lehrling bei der Polizei stellen. Er hatte erkannt, dass er krank war und seine Eltern um psychotherapeutische Hilfe ersucht", brachte sein Verteidiger vor einem Schöffengericht vor.

Recherchen der "Tiroler Tageszeitung" ergaben, dass der junge Mann sich tatsächlich in der Polizeiinspektion Innere Stadt gemeldet hatte: Er wolle ein Geständnis ablegen. Der Uniformierte war den Angaben zufolge nicht interessiert: Stattdessen schickte er den Burschen zur Kripo in die Kaiserjägerstraße. Auch den Weg quer durch die Innenstadt scheute der Jugendliche nicht. Erst bei der Eingangsschleuse der Polizeidirektion verließ ihn der Mut. Er drehte um und setzte die Taten fort. Zwei Wochen später wurde er festgenommen. Inzwischen hatte die Polizei 52 Verdächtige überprüft.

(apa/red)

16.3.2006 10:02