Mittwoch, 8. März 2006

Air Berlin fliegt jetzt auch die Börse an:
"Niki"-Partner will in Frankfurt landen

  • Eigentümer gaben Starterlaubnis für großen Schritt
  • 800 Mio. Euro: Einer der größten Börsegänge 2006

Die deutsche Billigfluggesellschaft Air Berlin, die mit 24 Prozent an Niki Laudas Low-Cost-Airline "Niki" beteiligt ist, will nun auch am Kapitalmarkt landen. Die Würfel seien gefallen, der Börsegang beschlossen, sagte der Vorstandsvorsitzende der zweitgrößten deutschen Fluggesellschaft Joachim Hunold. Mit dem Erlös will Air Berlin ihren starken Wachstumskurs weiter fortsetzen.

Angestrebt wird eine Notierung im Prime Standard-Segment der Frankfurter Börse. Der genaue Zeitpunkt soll noch mit den beratenden Banken abgestimmt werden, wobei auch die Verfassung der Märkte eine Rolle spielen soll. Auch die Höhe des angestrebten Erlöses ist noch offen.

Finanzkreise erwarten ein Emissionsvolumen zwischen 500 und 800 Mio. Euro, damit wäre es einer der größten Börsegänge in diesem Jahr. Die Transaktion könnte noch im ersten Halbjahr erfolgen, wird erwartet.

Es ist der erste Börsegang eines Billigfliegers in Deutschland. Andere Low-Cost-Carrier, darunter auch die europäischen Branchenpioniere Ryanair und EasyJet, notieren bereits seit Jahren an der Börse. Im vergangenen Herbst ließ sich auch die slowakische SkyEurope an den Börsen Wien und Warschau listen.

Anteile sollen sowohl an Privatanleger als auch an institutionelle Investoren abgegeben werden. Der Börsegang wurde auf der Hauptversammlung am Dienstag beschlossen. Dieser Schritt sei länger geplant worden, das Unternehmen sei entsprechend umstrukturiert worden, sagte Hunold. Bereits im Vorfeld hätten die Anteilseigner eine Kapitalerhöhung von 130 Mio. Euro vorgenommen.

Rasanter Anstieg bei Passagieren und im Umsatz
Hunold verwies auf das kontinuierliches Wachstum von Air Berlin in den vergangenen 15 Jahren. Um im harten europäischen Wettbewerb weiter zu wachsen, "müssen wir uns auf der Kapitalseite entsprechend aufstellen".

Air Berlin beförderte im vergangenen Jahr 13,5 Millionen Passagiere, das sind um 12,5 Prozent mehr als im Jahr davor. Der Umsatz legte um 17 Prozent auf 1,22 Mrd. Euro zu, ein Nettoergebnis wurde nicht genannt. Ausgewiesen wurde lediglich ein Ergebnis vor Steuern, Zinsen, Abschreibungen und Leasingkosten in Höhe von 153 Mio. Euro.

Für 2006 ist Hunold optimistisch. In den ersten beiden Monaten habe es mehr als zehn Prozent Passagierplus gegeben.

Derzeit fliegt Air Berlin mit 54 Flugzeugen aus Deutschland 55 Zielorte an. Im Jahresverlauf ist die Auslieferung von weiteren sechs Flugzeugen geplant. Air Berlin beschäftigt fast 2.700 Mitarbeiter, weitere Neuanstellungen sind laut Hunold geplant. Wien sei für Air Berlin bereits der zweitwichtigste Flughafen, das Wachstum habe dort im Vorjahr knapp 22 Prozent betragen.

Eine Aufstockung des 24-Prozent-Anteils an "Niki" ist laut Hunold nicht geplant. Der Air Berlin-Gründer bezeichnete die Zusammenarbeit mit dem dreifachen Formel 1-Weltmeister als "hervorragend".

Die derzeitigen Gesellschafter würden auch nach dem Börsegang an Bord bleiben, sagte Hunold. Er selbst besitzt noch fünf Prozent der Anteile, die er auch im Rahmen des Börsengangs behalten will. 26 Prozent an Air Berlin gehören der Ringerike GmbH, 25 Prozent Hans-Joachim Knieps, 15 Prozent Werner Huehn. je 12,5 Prozent halten Rudolf und Severin Schulte, 4 Prozent besitzt Johannes Zurnieden.

(apa/red)

8.3.2006 12:10