Das Erfolgsduo: Bennis Gold-Geheimnis

Benjamin Raich: Der Doppel-Olympiasieger greift jetzt nach dem Gesamtweltcup. Die Kraft dafür holt er sich daheim im Pitztal.
Der Trainer-Vater: Alois Raich hat seinen Sohn zum weltbesten Skifahrer gemacht. Und ist sein wichtigster Mentor. Gemeinsam sind Vater und Sohn Raich an die Spitze der alpinen Skiwelt gestürmt.
Manche Nächte sind dieser Tage ungewöhnlich lang für Alois Raich. Wie schon die Riesentorläufe in Yongpyong wird er auch die Slalom-Bewerbe in Shigakogen verfolgen live vor dem überdimensionalen Flachbild-Fernseher im heimischen Wohnzimmer in Leins. Was noch sehr viel ungewöhnlicher ist: Sonst bin ich ja immer dabei. Sonst, da besichtigt er Seite an Seite mit seinem Sohn die Piste und den Kurs, gibt letzte Tipps vor und erstes Feedback nach dem Rennen. Und ausgerechnet jetzt, in der spannendsten Phase des Weltcups, den Gesamtsieg des Sohnes vor Augen, bleibt ihm nur die Untätigkeit. Sicher, die Anspannung hält sich in Grenzen, immerhin führt Benni komfortabel vor den Speed-Spezialisten Michi Walchhofer und Hermann Maier mit 329 bzw. 410 Punkten. Die gefährlichen Allrounder, Bode Miller, der die Asien-Rennen auslässt, und Aksel Lund Svindal, liegen 412 und 422 Punkte zurück. Doch weil der Sieg ein theoretischer ist und erst beim Weltcupfinale in Åre (15. bis 19. März) wirklich Kugeln überreicht werden, wird im Hause Raich nicht spekuliert. Sowieso zählen in dieser Familie Taten mehr als viele Worte.
Vater als erster Trainer. Das merkte der kleine Benni spätestens mit drei, als er, die Ski vom Christkind an den Füßen, die Waldegger Piste bezwang, den Vater stets vor sich. Ich habe darauf geachtet, dass ich gscheit fahr. Die Kinder mussten immer hinter mir bleiben, erinnert sich Alois Raich. Bremsen stand nicht auf dem Programm. So kam es, dass der fünfjährige Benni bei ersten Rennen siegte und Alois seine Tätigkeiten als Vater, Bauer, Tischler und Chef des Ferienhofes um das Traineramt erweiterte. Der Benni, erzählt er, hatte irgendwann nur noch Skifahren und die Schule im Kopf.
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