Donnerstag, 9. März 2006

Champions League sagt "Ciao Bundesliga":
Deutschlands Fußball liegt in Trümmern

  • Bayern Münchens Titelträume zerplatzten in Mailand
  • Favoritensterben: Auch Real Madrid und Liverpool out

Titelverteidiger FC Liverpool ist weg, Rekordsieger Real Madrid ist weg und der deutsche Double-Gewinner Bayern München ist auch weg. Während aber England und Spanien in der Champions League noch weiter präsent sind, spielt Deutschland in der "Königsklasse" des Fußballs keine Rolle mehr. Die letzte deutsche Hoffnung zerplatzte wie eine Seifenblase, die Münchner gingen in San Siro gegen den Vorjahresfinalisten AC Milan sang- und klanglos 1:4 unter.

Drei Monate vor dem WM-Anpfiff sparten die nationalen Zeitungen nicht mit Häme und Spott. "Ciao Bundesliga, Tschüs Deutschland - Desaster II", schrieb das Fachmagazin "kicker" nach der zweiten Ohrfeige des WM-Gastgebers gegen Azzurri, deren Nationalteam in Florenz ebenfalls 4:1 triumphiert hatte. Im Massenblatt "Bild" war zu lesen: "Milan zerlegt Bayern! Unser Fußball liegt in Trümmern - Fiasko, Grande Katastrophe".

Fakt ist, dass die Bayern ihren Fluch nicht loswurden und schon 17 Jahre auf einen Sieg in Italien warten. Nach dem 1:1 in München scheiterten sie zum vierten Mal nach 1968, 1990 und 2002 an den "Rossoneri". Dabei hatte Kapitän Oliver Kahn vor dem Achtelfinal-Rückspiel den Geist und die Kraft von 2001 beschworen, als die Bayern im Mailänder Fußball-Tempel San Siro durch ein 2:1 über Valencia die "Millionen"-Liga gewonnen hatten.

Foul, Abseits und Nervosität
Von einer solchen Leistung waren die Gäste meilenweit entfernt, in der Defensive fehlte die Sicherheit, im Abspiel die Präzision, im Mittelfeld ein Lenker, an den Seiten Flügel und im Abschluss ein Vollstrecker a la Filippo Inzaghi, der zwei Mal für Milan traf. "Wir haben schwach begonnen, sind nicht ins Spiel gekommen. Erst nach dem 0:2 haben wir kapiert, dass man kämpfen muss", resümierte Manager Uli Hoeneß. Außer einem kurzes Aufbäumen durch das Anschlusstor durch Ismael war nichts zu sehen.

Felix Magath sprach von anfänglicher Nervosität und davon, dass das 0:1 aus klarer Abseitsposition gefallen und außerdem ein Foul vorausgegangen wäre. "Letztlich haben wir auch durch recht unglückliche Entscheidungen verloren. Aber ein Spitzenteam muss auch ungerechtfertigte Entscheidungen verkraften. In der zweiten Spielhälfte wurden wir kalt erwischt", sagte der sehr enttäuschte Bayern-Trainer und erinnerte auch an die Elferentscheidung vom Hinspiel.

Sein Gegenüber strahlte nach dem 50. Sieg und dem Einzug ins Viertelfinale der Champions League mit den Tifosi um die Wette. "Wir sind hinten zentral gut gestanden, waren auf den Seiten offensiv, im Mittelfeld aggressiv und vorne effizient. Alle hatten Anteil am Erfolg, es war wirklich sehr nett, zuzusehen", befand Milan-Coach Carlo Ancelotti, der relativ gelassen der Auslosung des Viertelfinales (28./29. März bzw. 4./5. Mai) in Paris entgegenblickt.

Real als fairer Verlierer: "Arsenal hat fantastisch gespielt"
In eine "rosige Zukunft" blickt auch Arsenal nach der Eliminierung der "Königlichen" aus Madrid, die ohne erzieltes Tor in 180 Minuten ihre Siebensachen packen mussten. "Über die zwei Spiele gesehen, haben wir einen extrem guten Job gemacht, der Aufstieg gibt meiner jungen Elf mit einem Durchschnittsalter von 23 Jahren viel Selbstbewusstsein. Charakter und Solidarität sind wieder da, das sind zwei Werte, auf die der Klubs stets baut", meinte der französische "Gunners"-Coach Arsene Wenger.

Real-Feldherr Juan Ramon Lopez Caro mimte den fairen Verlierer. "Betrachtet man beide Partien, war der Ausgang gerecht. Arsenal hat fantastisch gespielt, speziell ihre Konterangriffe. Wir hatte zwar auch unsere Chancen, sie aber nicht genützt", befand der Trainer, dessen Tage gezählt sein dürften. Wie Arsenal erreichten auch Olympique Lyon nach dem 4:0-Heimsieg (Gesamtscore 5:0) gegen PSV Eindhoven und überraschend Benfica Lissabon die Runde der letzten Acht.

Liverpool scheitert an der Chancenauswertung
Die Portugiesen ließen mit einem 1:0-Hinspielsieg im Gepäck gegen Cupholder Liverpool an der Anfield Road nichts mehr anbrennen und gewannen dort sogar 2:0. "Das ist ein sehr wichtiges Resultat für uns, weil niemand uns das zugetraut hätte. Jetzt haben wir uns in Europa Respekt verschafft", meinte Benfica-Trainer Ronald Koeman. Nach der ersten CL-Heimniederlage der "Reds" seit 2002 kündigte Trainer Rafael Benitez an: "Wir müssen stärker werden, an die Zukunft denken. Es wird wichtig sein, neue Spieler zu kaufen."

Der letzte Viertelfinal-Startplatz wird erst am 14. März vergeben, wobei Inter und Ajax bei 2:2 beginnen. Die Azzurri könnten durch Milan, Juventus und Inter zur Nummer eins im Vergleich mit den Spaniern werden. Die Iberer sind mit Barcelona und Villarreal im Viertelfinale vertreten.

(apa/red)

9.3.2006 13:50