Mittwoch, 8. März 2006

Mini-Staat Bahrain im Formel-1-Fieber: PS-Spektakel soll Tourismus weiter ankurbeln

  • Saison-Auftakt: Becker & Jamiroquai im Renneinsatz

"Yallah Bahrain" - auf geht's Bahrain: Das Königreich am Persischen Golf macht sich für den Auftakt des Formel-1-Jahres am kommenden Wochenende bereit. Den Highway von der Hauptstadt Manama bis zur Strecke in Sakhir zieren unzählige Flaggen, fleißige Helfer erledigen die letzten Arbeiten rund um den Kurs. Erstmals wird im Mini-Staat die Saison in der "Königsklasse" eröffnet. "Die Augen der ganzen Welt werden auf uns als Bühne für eines der größten Sportevents der Welt gerichtet sein", betonte Talal Al Zain, der Vorsitzende des Bahrain International Circuit.

Rund eine halbe Autostunde entfernt vom florierenden Zentrum Manama liegt die "in den Sand gesetzte" Strecke. Um das hügelige Areal, das dem 5,417 km langen Kurs seine einzigartige Charakteristik verleiht, gibt es lediglich Wüste und Gestein. Der permanente Wind sorgt bei Temperaturen von derzeit über 30 Grad für eine leichte Abkühlung, weht aber zugleich feinen Sand auf den Asphalt. Das macht das Rennen für die Fahrer, aber vor allem für die Mechaniker der High-Tech-Autos zu einer besonderen Herausforderung.

Um die Zuschauerzahl von rund 34.000 im vergangenen Jahr zu steigern, haben sich die Veranstalter etwas einfallen lassen. Am Samstag wird es nach der Qualifikation ein Rennen mit Prominenten geben. Unter anderem sollen in einem Chevrolet V8S der ehemalige Tennis-Profi Boris Becker, Ex-Leichtathletikstar Michael Johnson (USA) und die Stieftochter von Englands Kronprinz Charles, Emma Parker-Bowles, sowie Sänger Jamiroquai an den Start gehen.

Dass derzeit die Formel 1 den Alltag im Wüstenstaat bestimmt, wird überall deutlich. Am Flughafen hat sich der Duty-Free-Shop mit den Merchandising-Artikeln der Teams eingedeckt, überlebensgroße Plakate von Formel-1-Fahrern oder -Autos prägen derzeit das Erscheinungsbild Manamas. Auf einem der zahlreichen Hochhäuser, dem Nahost-Hauptsitz einer weltweit angesehenen Bank, prangen riesige Bilder der Rennwagen von Herausforderer Michael Schumacher (Ferrari) und Titelverteidiger Fernando Alonso (Renault). Dazwischen steht in riesigen Lettern: "Es ist Zeit sich zu entscheiden."

"Der Grand Prix hat bereits das weltweite Profil von Bahrain gesteigert", sagt der Chef des "Gulf Finance House", Esam Janahi. Insgesamt 355 Banken haben im zum Finanzzentrum des Mittleren Osten wachsenden Inselstaat ihren Sitz. Im Sommer wird das World-Trade-Center mit jeweils zwei 50 Stockwerke zählenden Türmen im Finanzdistrikt eröffnet. Hauptwirtschaftszweig im Land mit rund 670.000 Einwohnern ist die Rohöl-Verarbeitung. Mit Hilfe der Formel 1 soll der Tourismus weiter boomen. Das ist auch nötig: Bahrain wird das erste Land sein, dessen Öl-Quellen in den nächsten zehn Jahren versiegen.

Bis jetzt bereisen rund drei Millionen Menschen pro Jahr Bahrain, das 1971 und damit nach 110 Jahren unter britischem Protektorat seine Unabhängigkeit feierte. Zur konstitutionellen Monarchie wurde es 2002 erklärt. Zwei Jahre später machte die "Königsklasse" des Motorsports zum ersten Mal Station in dem aus insgesamt 33 Inseln bestehenden Wüstenreich.

(apa)

8.3.2006 13:58
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