Red Bull New York wollte Ivanschitz holen: Fußball-Aufbruchstimmung im Big Apple
- Trotz Fehlstarts viel Euphorie zum Liga-Beginn
- Youri Djorkaeff und Goalie Meola als Leithammel
Ein Jahr nach dem Knalleffekt in der heimischen Bundesliga sorgen Dietrich Mateschitz und sein Getränkekonzern Red Bull auch im "Big Apple" für Soccer-Aufbruchstimmung. Parallelen mit dem österreichischen Schwestern-Team gibt es bei Red Bull New York zur Genüge. So wie die ehemalige Salzburger Austria im Herbst 2005 starteten auch die Ex-MetroStars im Frühjahr 2006 mehr schlecht als recht in die neue Saison.
Wie in der Mozartstadt war der spektakuläre Einstieg des neuen Hauptsponsors und Namensgebers auch in der Ostküsten-Metropole mit einer Rundumerneuerung verbunden, wie in Österreich stieg auch das Interesse der US-Medien am Klub sprunghaft an und wie mit der Mannschaft von Kurt Jara will Mateschitz auch mit den New Yorkern über kurz oder lang zumindest die nationale Vormachtstellung erobern.
Während sich die Salzburger mittlerweile mit Austria Wien um den Titel duellieren, stehen in der Red-Bull-Übersee-Dependance nach vier Runden magere drei Remis und eine Niederlage zu Buche. General Manager Alexi Lalas wechselte völlig überraschend zum ehemaligen Herzog-Klub Los Angeles Galaxy und der schottische Coach Mo Johnston stand knapp vor der Entlassung. Doch von Enttäuschung oder gar Resignation findet man bei den 50 in New Jersey stationierten Mitarbeitern der US-Red-Bulls keine Spur.
"Die Kombination New York, Red Bull und Fußball ist wie ein schlafender Riese. Didi Mateschitz muss hier keine Öffentlichkeitsarbeit oder Werbung machen, das kommt von alleine", meinte der zuletzt schwer unter Druck geratene aber vorläufig doch in seinem Amt bestätigte Johnston vor dem richtungweisenden Auswärtsspiel gegen Chivas USA am Samstag in Los Angeles. Der 42-Jährige, der 1989 als erster Ex-Celtic-Spieler und Katholik einen Vertrag bei den Glasgow Rangers unterschrieb, muss zumindest das Minimalziel Playoff-Viertelfinale erreichen.
Im Vorjahr war er als Assistenztrainer von Bob Bradley mit den damaligen MetroStars in eben dieser Runde gescheitert, heuer sollen nicht weniger als 17 neue Spieler den Erfolg bringen. "Wir brauchen aber noch einen erfahrenen Verteidiger und einen starken Mittelfeldspieler", berichtete der 38fache Nationalspieler, der diesbezüglich erste Kontakte mit den Salzburgern aufnahm. "Ich habe wegen Andreas Ivanschitz angefragt. Die haben mich gefragt, ob ich verrückt bin", berichtete Johnston von der Reaktion.
Mit dem französischen Weltmeister von 1998, Youri Djorkaeff (38), und dem 37-jährigen Torhüter Tony Meola verfügt Johnston aber immerhin über zwei echte Leithammel in seiner mit einem Durchschnittsalter von 25 Jahren doch eher jungen Truppe. Sowohl der ehemalige Weltklassestürmer als auch der dreifache WM-Torhüter des US-Teams zeigten sich über das Engagement des Salzburger Unternehmens erfreut.
"Das Medieninteresse ist unglaublich groß. Jetzt brauchen wir unbedingt Siege", meinte Meola und fügte auf die Frage nach seinen persönlichen Erfahrungen mit Red Bull pflichtgemäß hinzu: "Vorher kannte ich Red Bull nur als Partygetränk und habe die Finger davon gelassen. Aber nun haben sie uns auch vermittelt, wie man es als Energydrink gebraucht." Der nach dem Dienstagvormittags-Training äußerst schlecht gelaunte und leicht angeschlagene Djorkaeff meinte nur: "Der Saisonstart war nicht gut, aber es ist noch nichts verloren."
In der Marketing- und Public Relations-Abteilung dachte man indes bereits an künftige Freundschaftsspiele zwischen den Red-Bull-Teams aus Österreich und New York. "Noch ist nichts fixiert, aber das wäre für die Fans beider Mannschaften eine große Sache", sagte PR-Direktor Matthew Chmura. Auch Coach Johnston hat weitergehende Kooperationen im Auge: "Nach zehn Jahren in Amerika kenne ich hier alle Spieler. Ich könnte Salzburg damit sicher helfen." Die "Einkaufstour" der Salzburger in den vergangenen Monaten lässt den rothaarigen Schotten vor Neid erblassen: "Solche Qualität will ich hier auch, dann werden wir sicher Meister."
(apa/red)
