Samstag, 11. März 2006

Polizei stürmte besetzte Uni Sorbonne in Paris: 200 Studenten wurden überwältigt

  • Staatsgewalt setzte Schlagstöcke & Tränengas ein
  • Besetzung aus Protest gegen Arbeitsmarktreform

Bei Protesten gegen eine Lockerung des Kündigungsschutzes für Berufsanfänger ist es in Paris zu Ausschreitungen gekommen. Etwa 80 Bereitschaftspolizisten (CRS) stürmten in der Nacht auf Samstag die Universität Sorbonne, wo sich noch rund 200 Studenten aufhielten. Zuvor waren die Beamten von den Fenstern aus mit Sesseln, Feuerlöschern und anderen Gegenständen beworfen worden.

Die Präfektur teilte Samstag früh mit, es habe elf Festnahmen gegeben. Bei den Auseinandersetzungen seien ein Fotograf und ein Student verletzt worden, ebenso wie 31 Polizisten. Die Polizei sei vom Rektor der Akademie Paris angefordert worden, unterstrich die Präfektur. Die Sicherheitskräfte verschafften sich über einen Hintereingang Zugang zu dem Gebäude, wo die Studenten vergeblich versuchten, sich mit Sesseln und Tischen zu verbarrikadieren. Sie wurden auf den Boulevard Saint-Michel herausgedrängt. Einige Studenten traten die Scheiben eines nahen Fast-food-Restaurants ein.

Eine Studentin berichtete, die Bereitschaftspolizisten seien bei ihrem Eindringen von einigen Demonstranten mit Plastikflaschen beworfen worden. Die 20-Jährige sagte, die Polizei habe Tränengas und Schlagstöcke eingesetzt. Auch Medien berichteten, die Polizei habe Tränengas gegen Studenten eingesetzt. Die Auseinandersetzungen hatten am Freitagabend begonnen, als die CRS am Eingang der Sorbonne mit Sesseln, Leitern, Feuerlöschern und Flaschen beworfen wurde.

Die Studenten in der Sorbonne hatten eine Gruppe verstärkt, die am Mittwoch einen Sitzstreik in der Universität begonnen hatte. Gemeinsam mit Gewerkschaften machen Studenten derzeit Front gegen die konservative Regierung von Premierminister Dominique de Villepin, deren Gesetzesentwurf zum Kündigungsschutz in dieser Woche das Parlament passierte. Der Regelung zufolge können Arbeitnehmer bis 26 Jahre in den ersten 24 Monaten ihrer Anstellung ohne Angabe von Gründen entlassen werden.

Die Proteste werden voraussichtlich weitergehen. Gewerkschaften, Studenten- und Schülerorganisationen haben für den 18. März zu einem weiteren Protesttag gegen die Vorlage aufgerufen. Am Dienstag waren laut Polizei 400.000 Menschen gegen das Vorhaben auf die Straße gegangen; die Veranstalter sprachen sogar von einer Million Demonstranten. Am 16. März wollen Studenten und Schüler einen eigenen Protesttag abhalten. Für diesen Tag gibt es inzwischen auch mehrere Streikaufrufe von Gewerkschaften.

(apa/red)

11.3.2006 07:30