Nicht ganz Medien-Italien in Silvios Hand:
'Corriere della Sera' ruft zu Wahl Prodis auf
- Tageszeitung offen gegen Premier Silvio Berlusconi
- Italienische Parlamentswahlen am 9. und 10. April
·Berlusconi vergleicht sich mit Jesus Christus
Italiens Regierungschef:
"Opfere mich für jeden!"
·Heißer Wahlkampf in Italien kann beginnen
Parlament aufgelöst: Ära Berlusconi damit zu Ende?

In Italien ist eine "Medienschlacht" ausgebrochen. Italiens prestigereichste Tageszeitung, die Mailänder "Corriere della Sera", stellt sich offen an die Seite der oppositionellen Mitte-Links-Allianz. "Wir wollen den Lesern erklären, warum sich diese Tageszeitung den Erfolg einer der beiden Gruppierungen im Wahlkampf, nämlich jenen der Mitte-Links-Allianz, wünscht", hieß es in einem Leitartikel des Chefredakteurs Paolo Mieli.
Mieli betonte, die Bilanz der fünfjährigen Amtszeit von Regierungschef Silvio Berlusconi sei enttäuschend. Die Mitte-Rechts-Allianz habe international den Eindruck geboten, sich mehr mit der Lösung der eigenen internen Angelegenheiten als mit den Problemen des Landes beschäftigt zu haben. Die persönlichen Interessen Berlusconis hätten gegenüber den konkreten Sorgen Italiens den Vorrang gehabt. "Die Koalition um Oppositionschef (Romano) Prodi gibt bessere Garantien, dem Land eine solide Regierung zu sichern", schrieb Mieli. Er hoffe, dass aus dem Urnengang ein klarer Wahlsieger hervortreten werde. Italien sei eine Lösung wie eine "Große Koalition" nicht zu wünschen.
Lega Nord siegt sich als Medien-Opfer
Mielis Worte sorgten für Empörung im Mitte-Rechts-Block. "Die Linke kontrolliert die italienischen Zeitungen, das wussten wir schon längst. Jetzt ist es noch offenkundiger geworden", kritisierte ein Europarlamentarier der Lega Nord, Enrico Speroni. Regierungschef Berlusconi hatte den italienischen Zeitungen schon bisher öfters vorgeworfen, von "Kommunisten" geführt zu sein, die gegen ihn voreingenommen sind.
Das Thema der Unabhängigkeit der Medien dominiert den Wahlkampf in Italien. Oppositionschef Prodi prangert seit jeher Berlusconis Medienmacht an. "Berlusconi hat einen enormen Vorteil im Wahlkampf, weil er Geld und Kontrolle über die Medien hat. Ich merke das an den Umfragen. Die Italiener, die weniger Fernsehen schauen, wählen mich. Diejenigen, die mehr Stunden vor dem Bildschirm sitzen, wählen Berlusconi. Der Premierminister kontrolliert das Fernsehen, daher müssen wir auf die Straßen gehen, um die Leute zu überzeugen, für uns zu stimmen" meinte Prodi. Berlusconi besitzt über seine Medienholding Mediaset die landesweiten privaten TV-Networks Italia 1, Rete 4 und Canale 5; als Regierungschef hat er Entscheidungsgewalt über die Spitzenpositionen in der öffentlich-rechtlichen RAI, die ihrerseits mit drei Sendern landesweit präsent ist.
Prodi verweigert TV-Duell
Oppositionschef Prodi weigert sich, an einem ursprünglich für Montag geplanten TV-Duell teilzunehmen, sollten die Regeln der Fernsehdebatte nicht geändert werden. Prodi hatte bereits mehrmals betont, dass er nicht die Bedingungen akzeptiere, die ein Aufsichtsausschuss der öffentlich-rechtlichen TV-Anstalt RAI für die TV-Diskussion festgelegt hatte. Der parlamentarische Ausschuss steht unter mehrheitlicher Kontrolle von Berlusconis Regierungskoalition.
"Mit Bitterkeit muss ich feststellen, dass die Bedingungen für ein faires TV-Duell nicht vorhanden sind", betonte Prodis Sprecher Silvio Sircana in einem Brief an RAI-Präsidenten Claudio Petruccioli. Dieser teilte dem parlamentarischen Ausschuss mit, dass die RAI nicht in der Lage sei, für eine faire Auseinandersetzung der beiden Spitzenpolitiker im Fernsehen zu sorgen. Daraufhin erwiderte Berlusconi, er werde auch ohne Prodi am Montag im Fernsehen auftreten.
Vergebens plädiert Staatschef Carlo Azeglio Ciampi für eine korrekte Berichterstattung während der Wahlkampagne für die Parlamentswahlen. "Journalisten haben eine sehr heikle Aufgabe, weil sie eine Hauptrolle bei der Bildung einer kritischen und bewussten Öffentlichkeit spielen", sagte Ciampi. An der unabhängigen Information dürfe nicht gerüttelt werden, mahnte Ciampi kürzlich.
(apa/red)
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