Großer Telekom-Deal in USA: AT&T kauft Konkurrenten BellSouth für 67 Mrd. Dollar
- Abbau von bis zu 10.000 Jobs, Warnung vor Duopol
- AT&T wieder am Weg zu dominierender Stellung
Der ehemalige Telefon-Monopolist AT&T will mit einer neuen Großfusion seine führende Stellung in den USA weiter ausbauen. Für 67 Mrd. Dollar (55 Mrd. Euro) solle der Konkurrent BellSouth übernommen werden, teilte AT&T am Sonntagabend mit.
AT&T würde damit Ferngespräche und Internet-Dienste von Küste zu Küste und Regionalgespräche in 22 Bundesstaaten anbieten. Zudem würden mehr als die Hälfte der 1.000 umsatzstärksten US-Firmen zu seinen Kunden zählen. Mit der Fusion erhält AT&T auch die vollständige Kontrolle über Cingular Wireless, den größten US-Mobilfunkanbieter. Verbraucherschutz-Verbände kündigten Widerstand an. Experten gingen jedoch davon aus, dass der Zusammenschluss genehmigt werden wird.
AT&T erwartet durch die Übernahme Einsparungen in Milliardenhöhe. Dies ergebe sich durch den Abbau von bis zu 10.000 Arbeitsplätzen, geringere Werbungs- und günstigere Betriebskosten. Durch den Kauf von BellSouth würde AT&T mit dem vierten von sieben Regionalanbietern wiedervereint, die aus der Aufsplittung des US-Telefonmonopols 1984 entstanden waren. Damals behielt AT&T die weitgehende Kontrolle über Ferngespräche, während die "Baby Bells" für Ortsgespräche zuständig waren.
BellSouth war bisher der drittgrößte Anbieter von Ortsgesprächen und insbesondere in den Südstaaten wie Florida und Georgia stark vertreten. AT&T ist dagegen in 13 Bundesstaaten führend, von Kalifornien im Westen, Michigan im Norden bis Texas im Süden. AT&T hielt bisher 60 Prozent an Cingular Wireless, BellSouth 40 Prozent. Die Mobilfunkfirma musste zuletzt Marktanteile an Verizon Wireless abgeben, der zum zweitgrößten US-Telekom-Konzern Verizon Communications gehört.
"Damit wird im wesentlichen das alte AT&T wiederhergestellt", sagte Tim Ghriskey von Solaris Asset Management. "Aber in diesem Umfeld ist die Industrie durch so viele konkurrierende Technologien derart geschwächt worden, dass es jetzt eine ganz, ganz andere Welt ist." In den USA werden Gespräche und Internet-Dienste nicht nur über die traditionellen Telefonnetze und deren Weiterentwicklungen angeboten, sondern auch über die Netzwerke des Kabelfernsehens. Entsprechend breit versuchen die Konzerne ihre Angebote zu fächern. So bietet AT&T seit Jänner in Texas auch Fernseh-Dienste an.
Die Aktien von BellSouth legten am Montag um 10,52 Prozent auf 34,77 Dollar zu. Die AT&T-Aktien fielen um 2,07 Prozent auf 27,41 Dollar. Auch die Aktien anderer US-Telekomfirmen für die eventuell Kaufinteresse aufkommen könnte zogen teilweise kräftig an. Qwest Communications zogen um 3,33 Prozent auf 6,81 Dollar und die Aktien der Mobilfunkfirma Alltel um 4,92 Prozent auf 67,48 Dollar an. Das Mobilfunkunternehmen Sprint Nextel legte um 2,23 Prozent auf 24,74 Dollar zu. Der AT&T Hauptkonkurrent Verizon musste sich hingegen mit einem bescheidenen Kursanstieg von 0,39 Prozent auf 33,71 Dollar begnügen.
Verbraucherschützer forderten in ersten Reaktionen eine Garantie, dass der Zugang zum Internet für Privatleute und Firmen gewährt bleibe. Andere erklärten, durch die Fusion entstehe wieder eine Situation, in der Markt nicht mehr frei sei. "Die Telekommunikation ist jetzt von einem geregelten Monopol zu einem ungeregelten Duopol mit nur zwei großen Teilnehmern geworden", sagte Mark Cooper von der Consumer Federation of America. Gene Kimmelman von der Consumers Union sagte höhere Preise im ganzen Land für Orts-, Fern- und Handygespräche voraus. AT&T sollte zumindest gezwungen werden, die Mobilfunksparte zu verkaufen, sagte er.
Ein ehemaliger Mitarbeiter der Regulierungsbehörde FCC, Blair Levin von Stifel Nicolaus, sagte dagegen, die Fusion werde vermutlich genehmigt. Die Regierung habe bereits die Richtung für Zukäufe dieser Art vorgezeichnet und es sei mit eher wenigen Auflagen zu rechnen. AT&T erwartet, dass der Zusammenschluss bis zum Jahresende vollzogen werden kann.
AT&T sieht seine Wurzeln in der Bell Telephone Company, die 1877 von dem Erfinder des Telefons, Alexander Graham Bell, mitgegründet wurde. Das Justizministerium hatte ab 1949 geklagt, um das Monopol zu zerschlagen. Das heutige AT&T war eigentlich erst kürzlich entstanden, als SBC Communications die AT&T Corp für 16 Milliarden Dollar übernahm und sich in AT&T umbenannte.
(apa)
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