Dienstag, 28. Februar 2006

tele.ring doch nicht an T-Mobile verkauft?
Alltel: Auch andere sind an Kauf interessiert

  • Telekomkonzern hofft aber noch immer auf Abschluss
  • EU-Wettbewerbsverfahren hat den Deal verzögert

Der US-Telekomkonzern Alltel wird den viertgrößten österreichischen Mobilfunkanbieter tele.ring nach den Bedenken der EU-Wettbewerbsbehörden möglicherweise doch nicht an den Konkurrenten T-Mobile verkaufen. Zwar hat Alltel seinen Willen zum Verkauf an die Mobilfunktochter der Deutschen Telekom bekräftigt. Allerdings hätten auch "andere Parteien ihr Interesse am Kauf von tele.ring bekundet", erklärte der US-Konzern in einer Pressemitteilung.

Nach dem im August des Vorjahres geschlossenen Verkaufsvertrag hätte tele.ring bis Dienstag, den 28. Februar, an T-Mobile Austria verkauft werden sollen. Ein Wettbewerbsverfahren in Brüssel hat den Deal zuletzt verzögert. Nach schweren Wettbewerbsbedenken in einem Zwischenbericht will die EU-Kommission nun erst bis 28. April entscheiden. Ein Verkaufsabschluss vor der Zustimmung durch die EU-Behörden ist nicht möglich.

Verlängerung der Verträge mit T-Mobile?
Derzeit verhandle man mit T-Mobile über eine Verlängerung der Verträge, betonte Alltel. Der Konzern glaubt nach wie vor an eine Einigung mit T-Mobile und einen erfolgreichen Abschluss nach dem grünen Licht durch die EU-Behörden. Sollte es aber zu keiner Verlängerung der Verträge mit T-Mobile kommen, werde Alltel seine Optionen mit anderen Kaufinteressenten auslosten. In jedem Fall rechne das Unternehmen mit einem Abschluss des tele.ring-Verkaufs bis Mitte 2006, heißt es in der Aussendung.

Konkurrenzangebot von Permira?
Die US-Fondsgesellschaft Permira hat dem US-Konzern Alltel offenbar bereits ein neues Konkurrenzangebot zu jenem des deutschen T-Mobile-Konzerns gelegt. Der US-Fonds-Konzern, der von T-Mobile Mitte 2005 im Bieterkampf noch um 70 Mio. Euro überboten worden war, soll mittlerweile sein Angebot kräftig nachgebessert haben, hieß es aus Branchenkreisen. T-Mobile Austria würde nach den im August 2005 geschlossenen Verträgen rund 1,3 Mrd. Euro für tele.ring zahlen. Nach den Branchenkreisen soll Permira jetzt annähernd gleich viel bieten.

US-Betrieb bietet rasche Abwicklung
Neben dem Kaufpreis will der US-Fonds den tele.ring-Verkäufer Alltel demnach vor allem mit einer raschen Abwicklung des Deals locken. Weil das Unternehmen die Bücher von tele.ring im Vorjahr bereits eingehend geprüft habe, lasse sich die notwendige Unternehmensprüfung voraussichtlich binnen einer Woche abschließen. Der US-Fonds selbst wollte die Gerüchte vorerst nicht bestätigen. "No Comment", sagte ein Sprecher.

One meldet wieder Interesse an
Neben dem US-Fondskonzern Permira hat zuletzt auch bereits der österreichische Mobilfunkanbieter One ein neues Angebot für den Konkurrenten tele.ring nicht ausgeschlossen. Ein Sprecher des niederländischen Telekom-Konzerns KPN, der sich im Vorjahr ebenfalls für tele.ring interessiert hatte, wollte sich nicht endgültig festlegen. Eine Nachbesserung des damaligen Angebots schloss er aber aus.

One will, sollte tele.ring neuerlich zum Verkauf stehen, "die neue Situation mit den Gesellschaftern diskutieren". "Wenn die EU nein zu tele.ring/T-Mobile sagt, werden wir neue Möglichkeiten überlegen", sagte One-Chef Jorgen Bang-Jensen in der Vorwoche vor Journalisten.

Bei KPN geht man dagegen nach wie vor davon aus, dass der Verkauf von tele.ring an T-Mobile zu Stande kommen wird - trotz der Wettbewerbsbedenken der EU-Kommission und der damit verbundenen Verzögerungen. Man sehe keinen Grund, dass sich an der Situation etwas ändern könnte. Daher könne KPN Fragen über ein mögliches neues Angebot auch nicht kommentieren, erklärte ein Sprecher am Dienstagnachmittag auf APA-Anfrage.

KPN sei immer an Möglichkeiten interessiert, die die Werthaltigkeit des Unternehmens im Sinne seiner Aktionäre steigern. tele.ring habe man Mitte 2005 bewertet und sei damals zu dem Schluss gekommen, dass der Preis nicht angemessen war. Wenn das Unternehmen jetzt nicht billiger werde, werde es daher auch nicht interessanter werden, erklärte der Sprecher.

In dieser Situation hoffe KPN auf einen raschen Abschluss des tele.ring-Verkaufs an T-Mobile. Der niederländische Konzern hat nämlich bereits einen Vertrag mit tele.ring-Chef Michael Krammer (45) unterzeichnet, wonach Krammer nach erfolgtem Verkauf als Chef zur deutschen KPN-Mobilfunktochter E-Plus wechseln soll. Kommt der Verkauf nicht zu Stande, bleibt Krammer jedoch vertraglich an tele.ring gebunden. (APA/red)

28.2.2006 16:53