Mittwoch, 1. März 2006

Working Poor: Arm trotz Arbeit

Working Poor: 277.000 Österreicher haben trotz fixen Jobs zu wenig Geld zum Leben. NEWS recherchierte die Schicksale von Betroffenen. POLIT-TALK. NEWS bat erstmals Politiker, Betroffene und Fachleute zum Gipfel-Gespräch über die neue Zwei-Klassen-Gesellschaft am Arbeitsmarkt.

Ich hätte niemals gedacht, mich noch jemals in dieser Situation wiederzufinden“, erzählt Christian Rauch voller Wehmut. Es ist noch nicht so lange her, da fehlte es Herrn Rauch an nichts – zumindest finanziell. Der 55-jährige Salzburger war viele Jahre im Großhandel tätig, als ihm der Konkurs der Firma auch seine Existenzgrundlage raubte. Einen neuen Fulltimejob hat der distinguierte Mittfünziger bis dato nicht gefunden. Die Absagen waren oft verletzend: zu alt, zu qualifiziert. Was also tun? Rauch: „Man bildet unfreiwillig die so genannte Ich-AG und schaut selbst, wo man bleibt.“ Heute bietet Christian Rauch seine Erfahrung und sein Wissen als Betriebsberater an. Zum Leben reicht das allerdings nicht. Denn geht man nach den Angaben der Statistik Austria, dann hat Herr Rauch mit 785 Euro Einkommen im Monat längst die Armutsgrenze erreicht.

Wohlfahrtsstaat Österreich. „Was man früher nur von sozialen Randgruppen kannte, beginnt in Österreich nach und nach die gesellschaftliche Mitte zu erreichen“, formuliert es Martin Schenk von der Armutskonferenz treffend. Gemeint ist die Armut. Auch ein Job schützt zusehends weniger vor dieser dramatischen Entwicklung. Während die Statistik Austria im Jahre 1999 184.000 so genannter Working Poor verzeichnete, waren es im Jahr 2003 bereits 277.000 der Erwerbsfähigen, die arbeiten und trotzdem nicht genug zum Leben haben.

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1.3.2006 17:14