Donnerstag, 2. März 2006

Wegen Unzucht mit Minderjährigen: Garry
Glitter in Vietnam schuldig gesprochen

  • Muss für "obszöne Akte" mit Kindern 3 Jahre in Haft
  • Ex-Rockstar soll danach abgeschoben werden

Der britische Altrocker Gary Glitter ist am Freitag von einem vietnamesischen Gericht in Ba Ria zu drei Jahren Haft wegen Kindesmissbrauchs verurteilt worden. Der 61-Jährige kam mit der Mindeststrafe davon.

Der Richter Hoang Thanh Tung begründete dies mit Kompensationszahlungen an die Opfer. Glitter hatte vor dem zweitägigen Prozess, der unter Ausschluss der Öffentlichkeit stattfand, den Familien der beiden betroffenen Mädchen jeweils 2.000 Dollar (1.675 Euro) gezahlt.

Laut vietnamesischen Gesetzen könnte das Urteil nach eineinhalb Jahren Haft sogar auf Bewährung ausgesetzt werden. Der Verurteilte soll nach der Entlassung aus dem Gefängnis aus Vietnam abgeschoben werden. Glitter, mit bürgerlichem Namen Paul Francis Gadd, war angeklagt, zwei elfjährige Mädchen in seinem Haus in dem südlichen Badeort Vung Tau sexuell belästigt zu haben.

Vor dem Gericht in Ba Ria hatte er seine Unschuld beteuert und erklärt, er habe den beiden Mädchen nur Englisch beibringen wollen. Von dem Urteil schien er sichtlich überrascht. Er rief: "Ich bin unschuldig!" Er bezeichnete das Verfahren als eine Verschwörung. Es habe keinen fairen Prozess gegen ihn gegeben, rief er, als er von der Polizei abgeführt wurde.

Glitter wurde in den siebziger Jahren als Glamrock-Musiker bekannt. Sein Fall begann 1999, als er in Großbritannien wegen Besitzes von Kinderpornografie zu vier Monaten Haft verurteilt wurde. Nach Verbüßung der Hälfte der Strafe kam er frei. Später lebte er in Kambodscha, wo er 2002 ausgewiesen wurde. Ein Grund dafür ist nicht bekannt.

Im November 2005 wurde der Exrocker am Flughafen von Ho-Chi-Min-Stadt festgenommen, von wo er nach Bangkok fliegen wollte. Auf seinem Notebook fanden die Ermittler hunderte pornografische Bilder. Seit der Festnahme sitzt Glitter in Untersuchungshaft.

Im Dezember baten die Familien der beiden betroffenen Mädchen das Gericht, das Verfahren einzustellen, nachdem sie jeweils 2.000 Dollar (1.670 Euro) erhalten hätten. Die Justiz lehnte dies ab, die Zahlungen gelten aber als strafmindernde Wiedergutmachung. Glitter gab den Kindern nach eigenen Angaben lediglich Englischunterricht und betrachtete sie "wie meine Enkelkinder". (apa/red)

2.3.2006 11:57

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