Dienstag, 28. Februar 2006

Bawag verkauft Klavierfabrik Bösendorfer: Konzern seit Jahren in schweren Finanznöten

  • Schätzung von Wert des Traditionsunternehmens

Die Bawag verkauft die traditionsreiche Wiener Klavierfabrik Bösendorfer. "Der Verkaufsprozess ist beschlossen, Interessenten werden demnächst eingeladen, ihre Anbote abzugeben", wird Bawag-Sprecher Thomas Heimhofer zitiert.

Derzeit sei man dabei, den Wert der Klavierfabrik, die die Bawag 2001 um 25 Mio. Dollar (21,1 Mio. Euro) gekauft hat, zu erheben. Das berichtet die Tageszeitung "Der Standard" in der Dienstag-Ausgabe. "Aus betriebswirtschaftlicher Sicht darf die Bawag einen Erlös von einem Euro erwarten", so ein Finanzexperte dazu. Das tat jedoch der Bawag-Sprecher als "Unsinn" ab, "allein der Markenname" sei einiges Wert.

Die jüngsten Bilanzen klingen freilich nach Katzenmusik: Schon 2004 schuldete Bösendorfer (Umsatz: 15,8 Mio. Euro) den Banken 5,7 Mio. Euro; insgesamt betrugen die Verbindlichkeiten 7,4 Mio. Euro (Forderungen: 1,8 Mio. Euro). Das Ergebnis der gewöhnlichen Geschäftstätigkeit lag 2004 mit 437.230 Euro im Minus. Der Verlust 2005: rund 1,5 bis zwei Mio. Euro, so die Zeitung.

Trotz dieser Missklänge hoffen die Banker auf einen baldigen Verkauf. Freilich wollen sie das 1828 in Wien gegründete Unternehmen nur in gute Hände legen. Heimhofer: "Wir verkaufen nur an einen Eigentümer, der das Werk weiterführt und die Bösendorfer-Kultur erhält."

Erst am Wochenende hatte die Tageszeitung "Kurier" von schweren Dissonanzen bei Bösendorfer berichtet. Dramatisch sinkende Verkaufszahlen, wachsende Verluste und Abgang von Spitzenmanagern prägten demnach das Jahr 2005.
(apa)

28.2.2006 07:37