2.3.2006 14:39

"Erste Bestandsaufnahme sehr nüchtern":
"Hicke" beschönigt Pleite vs. Kanada nicht

  • "Patient" Nationalteam benötigt viel Arbeit und Pflege
  • Teamchef: "Ich habe zu schwierige Aufgabe gestellt"

Seit Aschermittwoch weiß jeder in Österreich, dass Kanada nicht nur Eishockey, sondern auch Fußball spielen kann, und 828 Tage vor dem EURO-Beginn auf den EM-Gastgeber 2008 noch ein weiter, mit viel Arbeit und Pflege verbundener Weg wartet. Josef Hickersberger versuchte nach dem peinlichen 0:2-Auftritt im Wiener Happel-Stadion auch am Tag danach nicht um den schlechten Brei herumzureden: "Die erste Bestandsaufnahme war sehr ernüchternd."

Natürlich hätte er sich zum Start seiner zweiten Ära als ÖFB-Teamchef ein anderes Resultat, eine andere Leistung, und ein besseres Spiel erwartet. "Aber ich habe der Mannschaft für den jetzigen Zeitpunkt, wo erst zwei Runden in der Meisterschaft absolviert sind, eine zu schwierige Aufgabe gestellt. Sie hat sie nicht erfüllen können", resümierte der Niederösterreicher, der von seiner Truppe ein offensives Spiel mit viel Ballbesitz in der generischen Spielhälfte hatte sehen wollen.

Dass es gegen die ambitionierter, spielfreudiger, geistig beweglicher, körperlich und technisch stärker agierenden Nordamerikaner, die völlig verdient gewannen, nicht klappte, lag an mehreren Dingen und vor allen an Aufhauser, Hiden und Co. Zu den Mankos zählten die vielen Ballverluste im Aufbau, das zu langsame Umschalten von der Offensive auf die Defensive, balltechnische Fehler und nicht zuletzt daran, dass die Hausherren den Gästen - vor allem im Mittelfeld - viel zu viel Spielraum ließen.

Scharner und Pogatetz fitter als der Rest
"Außerdem hat vielen unserer Spieler die Praxis gefehlt, wodurch wiederum die Form litt. Dass Scharner und Pogatetz von der Fitness besser waren als die Heimischen, hat jeder gesehen", befand der Teamchef, für den an diesem Tag ein besseres Resultat nur bei einem anderen Spielverhalten möglich gewesen wäre. "Wir hätten etwas vorsichtiger agieren müssen, weniger angreifen sollen, dann hätten wir vielleicht weniger Probleme gehabt."

Der Teamchef betrachtet das erste Spiel noch als Bestandsaufnahme und nahm eine Anleihe aus der Medizin. Er sprach von einem "Patienten, dessen Röntgenbild eine Krankheit sehr gut gezeigt hat." In den nächsten Tagen würden Magnetresonanz-Untersuchungen durchgeführt, genaue Analysen erstellt und danach die Therapien vorgenommen. Besser werden müsse die Lauffreudigkeit, das aktive Freilaufen in der Offensive und das Zurück-Sprinten nach Ballverlust in die Positionen.

Acht Tage Vorbereitung vor Kroatien-Test
Vor dem nächsten Fitness-Test, am 23. Mai in Wien gegen WM-Starter Kroatien, hat "Doktor Hicke" eine achttägige Vorbereitung und damit mehr Zeit als diesmal, um seine Mannen taktisch besser einzustellen. Zwei kleine Ereignisse eines kalten Fußball-Abends nahm Hickersberger erfreut zur Kenntnis. Der verletzte Stammspieler Martin Stranzl reiste von Stuttgart an, um bei der taktischen Besprechung dabei zu sein und später auf der Tribüne Daumen zu halten.

"Das Interesse der Legionäre am Team ist sehr groß", kommentierte der Teamchef, der um 1.00 Uhr noch einen Anruf von seinem im Finish ausgewechselten Kapitän Andreas Ivanschitz erhielt. "Er wollte nach dem Spiel aufgetauchte Gerüchte, wonach er nicht mehr Kapitän sein wolle, aufräumen", erzählte der 57-Jährige. Der Salzburger "Jung-Bulle" kündigte für das Kroatien-Spiel an: "Wir müssen 90 Minuten kämpfen und Fußball spielen." (apa/red)

2.3.2006 14:39
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