Dienstag, 28. Februar 2006

Gaby Schaunig im Porträt: Deklarierte Haider-Gegnerin lässt die Koalition platzen

  • SP-Chefin zunehmend auf Konfrontationskurs mit BZÖ
  • Seit Herbst steht sie an der Spitze der Kärntner SPÖ

Gaby Schaunig galt bereits vor ihrer Wahl zur Vorsitzenden der Kärntner SPÖ als deklarierte Gegnerin von Landeshauptmann Jörg Haider. Die promovierte Juristin ging in den vergangenen Wochen zunehmend auf Konfrontationskurs mit den Kärntner BZÖ-Freiheitlichen. Die Spannungen gipfelten schließlich im Exodus der SPÖ-Fraktion aus der Regierung und dem Platzen der Koalition.

Schaunig hatte die Vereinbarung mit Haider nach der Landtagswahl im März 2004 zwar unterschrieben, am anschließenden Umtrunk mit Chianti nahm sie jedoch nicht mehr teil und stimmte in den SPÖ-Gremien auch nicht für das Arbeitsübereinkommen. Innerhalb der Koalition sorgte sie für Aufsehen, als sie im Dezember 2004 mit der ÖVP gegen die Regierungskoalition stimmte. Damals ging es um die Mitfinanzierung des Koralmtunnels durch das Land Kärnten.

Gabriele Schaunig-Kandut - das kürzere "Gaby Schaunig" hatte sich die Klagenfurterin erst im vergangenen Jahr zugelegt - war 1999 als Nachfolgerin von Karin Achatz Sozialreferentin geworden. Zuvor war sie - nach zweijähriger Tätigkeit als Vertragsassistentin an der Universität Graz - ab 1990 in der Kärntner Arbeiterkammer tätig gewesen, vor ihrem Wechsel in die Politik war sie Direktionsassistentin für die Bereiche Miet- und Wohnrecht.

Scharfe Kritikerin Haiders
Seit ihrem Einstieg in die Politik hat sich Schaunig als scharfe Kritikerin Haiders und seiner Partei einen Namen gemacht. Im Jahre 2000 war es in einer Regierungssitzung zu einem Eklat gekommen, als die Freiheitlichen mit Unterstützung der ÖVP auf Antrag Haiders der SPÖ-Landesrätin einer Reihe ihrer Zuständigkeiten entzogen.

Am 29. Oktober 2005 wurde Schaunig in einer Stichwahl gegen Umweltlandesrat Reinhart Rohr mit knapp 62 Prozent der Delegiertenstimmen zur neuen Parteivorsitzenden gewählt. Sie löste Peter Ambrozy ab, der aus der Politik ausgeschieden ist. Seither verstand es die neue Parteichefin offenbar, ihre Konkurrenten um den Vorsitz - insgesamt hatte es fünf Bewerber gegeben - in die Parteiarbeit mit einzubinden. Öffentliche Kritik an der Vorsitzenden - eine langjährige Spezialität der Kärntner SPÖ - ist bis dato jedenfalls ausgeblieben.

Schaunig ist mit dem ehemaligen KAC-Eishockeytormann Hans Schaunig verheiratet und hat mit ihm eine elfjährige Tochter namens Lisa. SPÖ-Mitglied ist sie seit 1989. (apa/red)

28.2.2006 15:08