Tumulte in christlicher Kirche in Nazareth: Familie zündete bei Gottesdienst Knallkörper
- Wütende Menge attackierte Mann, Ehefrau & Tochter
- Außenministerin nahm sofort Kontakt mit Vatikan auf
Eine Attacke auf die christliche Basilika von Nazareth hat am Freitag heftige Tumulte in der nordisraelischen Stadt ausgelöst. Dabei wurden sechs Menschen verletzt, unter ihnen mehrere Polizisten. Die israelische Außenministerin Livni versicherte am Freitagabend dem Vatikan, dass Israel alles tue, um die Heiligen Stätten der Christen zu schützen.
Ein Ehepaar und seine Tochter waren am Freitag in der Aufmachung christlicher Pilger in die Basilika der Verkündigung, eine der bedeutendsten christlichen Kirchen im Nahen Osten, gekommen. Sie zündeten mehrere Feuerwerkskörper und andere kleinere Sprengsätze, die sie in einem Kinderwagen mitgeführt hatten. Zu diesem Zeitpunkt war die Basilika voll mit Menschen, die sich zu Gebeten versammelten. Eine aufgebrachte Menschenmenge bedrängte die Täter mehrere Stunden lang.
Nach den Explosionen in der Kirche strömten tausende Bewohner auf die Straße. Es kam zu Zusammenstößen mit der Polizei. Die Beamten gingen mit Tränengas gegen die Menschenmenge vor. Auch ein Rettungswagen wurde angegriffen, sodass die Sanitäter nicht zu den Verletzten gelangen konnten. Schließlich brachten Beamte die drei Personen in Sicherheit. Die Täter wurden zur Beobachtung in eine psychiatrische Klinik gebracht. Sie waren nach Angaben der Behörden bereits früher in psychotherapeutischer Behandlung.
Israels Minister für innere Sicherheit, Gideon Ezra, sagte im israelischen Rundfunk, es gebe keinen terroristischen Hintergrund der Tat. Es habe auch nicht die gezielte Absicht gegeben, die Kirche zu beschädigen. Der Mann sei Jude, die Frau Christin. Zunächst müsse nun dafür gesorgt werden, die Lage zu beruhigen.
Nazareth ist überwiegend von Christen und islamischen Arabern bewohnt. In der Vergangenheit kam es mehrfach zu Spannungen zwischen den Religionsgruppen.
Nach Angaben der Polizei sind persönliche Schwierigkeiten des Ehepaares Hintergrund der Tat. Israelisch-arabische Politiker sprachen dagegen von jüdischen Extremisten und warfen der israelischen Regierung Tatenlosigkeit vor. Tausende Demonstranten hatten nach der Tat versucht, auf das Gelände der Basilika vorzudringen. Nach christlicher Überlieferung hat dort der Engel Gabriel Maria die Geburt Jesu verkündet.
Der Erzbischof der griechisch-katholischen Kirche in Galiläa, Elias Chacour, sagte am Samstag, Christen, Muslime, Drusen und Juden sollten gemeinsam Komitees zum Schutz heiliger Stätten gründen. Es habe eine Serie von Übergriffen gegen christliche und muslimische Stätten in Israel gegeben.
(apa/red)
