Gewalt eskaliert: Blutvergießen zwischen Schiiten und Sunniten im Irak dauert an
- Unruhen nach Moschee-Anschlag fordern 500 Tote
- 25 Fabrikarbeiter im Schlaf kaltblütig erschossen
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Im Irak dauern die Gewaltausbrüche an, die durch den Anschlag auf die Goldene Moschee von Samarra, eines der wichtigsten schiitischen Heiligtümer, ausgelöst wurden und bisher annähernd 500 Menschenleben gefordert haben. Extremisten haben am Freitag vor einem Kraftwerk in der irakischen Kleinstadt Nahrawan 25 Schiiten umgebracht. Ein Sprecher des Innenministeriums in Bagdad räumte gegenüber dem TV-Nachrichtensender Al-Arabiya ein, die Region Nahrawan im Osten der Hauptstadt sei nicht vollständig unter Kontrolle der Sicherheitskräfte.
Die Toten seien offenbar Opfer eines religiös motivierten Überfalls geworden, hieß es. Die Polizei bestätigte, dass in der Nacht auf Freitag etwa 50 mutmaßliche sunnitische Aufständische eine Fabrik in dem Ort gestürmt und ein Blutbad unter schlafenden schiitischen Arbeitern angerichtet hätten. Zehn aus dem Süden des Landes stammende Mitarbeiter einer Ziegelfabrik seien im Schlaf in ihrer Unterkunft erschossen worden.
Mit einem Fahrverbot versuchten die Behörden am Freitag, neue Gewalt in der Innenstadt von Bagdad und Zusammenstöße nach den wöchentlichen Freitagsgebeten zu unterbinden. Ministerpräsident Ibrahim al-Jaafari forderte die Geistlichen auf, in ihren Predigten zur Einheit aufzurufen. Er drohte "scharfe Maßnahmen" an, sollten sie Hass oder Gewalt schüren.
Polizisten und Soldaten überwachten die Einhaltung des Fahrverbots. Im Armenviertel Sadr City, einer schiitischen Hochburg, wurden sie von Milizionären der "Mahdi-Armee" des radikalen schiitischen Predigers Muktada al-Sadr unterstützt.
Bei Razzien im Umkreis der Rebellenhochburg Falluja wurden nach US-Angaben vom Freitag mehr als 60 mutmaßliche Aufständische festgenommen. Bei der Aktion der US-Streitkräfte zu Wochenbeginn seien auch große Mengen an Waffen und Munition entdeckt worden.
Die schiitisch-islamistische Fadhila-Partei in der südirakischen Hafenstadt Basra hat am Freitag gedroht, den Öl- und Warenverkehr aus dem Süden in die Zentralregion zu unterbrechen. Die Drohung werde wahr gemacht, wenn bei der Bildung der künftigen Regierung die Forderungen der Fadhila-Partei nicht berücksichtigt würden, sagte das Führungsmitglied der Partei, Scheich Sabah al-Saedi, in seiner Freitagspredigt. Die Fadhila gehört zu den kleineren Parteien des konservativ-religiösen Schiitenbündnisses "Vereinigte Irakische Allianz", das die stärkste Kraft in dem im Dezember gewählten irakischen Parlament ist.
Zu den Forderungen gehöre, dass der neuen Regierung keine "Überreste des alten Regimes" von Saddam Hussein angehören dürfen und dass das Innen- sowie das Verteidigungsressort in den Händen der Schiitenallianz bleiben müssten. Der Ex-Diktator, der die Schiiten verfolgt und unterdrückt hatte und gegen den derzeit vor einem irakischen Sondertribunal in Bagdad ein Prozess läuft, müsse "hingerichtet" werden, sagte der Kleriker.
Zwei Drittel des irakischen Erdöls befinden sich im Süden. Produktion und Transport des Öls aus den nördlichen Lagerstätten sind durch Sabotageakte der Aufständischen praktisch zum Erliegen gekommen. Basra liegt außerdem am einzigen Meereszugang, den der Irak hat. Die Kurdenallianz, die mit der schiitischen "Vereinigten Irakischen Allianz" die derzeitige Übergangsregierung bildet, bezeichnete Saedi als "Verräter". Kurdische und sunnitische Politiker hatten am Vortag die "Vereinigte Irakische Allianz" aufgefordert, die neuerliche Nominierung von Ibrahim al-Jaafari für das Amt des Ministerpräsidenten zurückzunehmen.
(apa/red)
