Donnerstag, 2. März 2006

Welche Rolle spielte deutscher BND im Irak- krieg? Weitere Vorwürfe sind aufgetaucht

  • "New York Times": Offizier des BND half US-Armee
  • Mann soll insgesamt 25 Berichte übergeben haben

Die Zusammenarbeit zwischen dem deutschen Bundesnachrichtendienst (BND) und der US-Armee während des Irak-Krieges soll nach einem neuen Bericht der "New York Times" noch enger gewesen sein als bisher angenommen. Demnach soll sogar ein deutscher Verbindungsoffizier direkt beim Büro des damaligen US-Kommandanten Tommy Franks angesiedelt gewesen sein und Informationen von zwei BND-Mitarbeitern in Bagdad weitergeleitet haben. Das berichtet die "New York Times" in ihrer Internet-Ausgabe unter Berufung auf einen geheimen deutschen Bericht.

Demnach soll der deutsche Verbindungsoffizier der US-Seite insgesamt 25 Berichte übergeben und dabei 18 von 33 Fragen der US-Armee beantwortet haben. In acht Fällen soll der deutsche Offizier Informationen über irakische Polizei- und Armee-Einheiten in Bagdad geliefert haben. Insgesamt soll es sich in den ersten Monaten des Irak-Krieges um einen anhaltenden und systematischen Austausch zwischen Geheimdienstmitarbeitern der USA und Deutschlands gehandelt haben, schreibt das Blatt.

Schröder soll Auftrag gegeben haben
Die Entscheidung, einen Verbindungsoffizier einzusetzen, soll vom damaligen deutschen Bundeskanzler Gerherd Schröder, seinem Kanzleramtsminister, dem heutigen Außenminister Frank-Walter Steinmeier, und dem damaligen Außenminister Joschka Fischer vorbereitet und genehmigt worden sein, heißt es weiter.

Die Kopie des Geheimberichtes soll ein nicht näher genannter Journalist in Deutschland einem Reporter der "New York Times" gezeigt haben, der den Text dann in sein Aufnahmegerät diktierte. Auf dem Deckblatt der Kopie sei ein Siegel des Deutschen Bundestages gewesen, heißt es weiter.

Eine Stellungnahme der deutschen Regierung zu den neuen Vorwürfen der "New York Times" liegt bis dato nicht vor. Das Blatt hatte bereits am Montag berichtet, dass der BND irakische Verteidigungspläne an US-Geheimdienste weitergegeben haben soll.

Deutschland und USA dementieren
Wie die deutsche Regierung hatte auch das US-Verteidigungsministerium nach eigenen Angaben keine Anhaltspunkte dafür, dass dieser Bericht zutrifft. Die Regierung in Berlin sagte jedoch eine rasche und umfassende Aufklärung zu. Das Parlamentarische Kontrollgremium des Bundestags soll am kommenden Montag in einer Sondersitzung davon überzeugt werden, dass die jüngsten Anschuldigungen haltlos sind.
(apa/red)

2.3.2006 08:00