Donnerstag, 2. März 2006

"Wir haben Geschichte geschrieben": USA
und Indien schließen Nuklearabkommen

  • Zivile Atomenergie soll vorangetrieben werden
  • PLUS: Anschlag auf US-Konsulat in Pakistan

Mit der Zusage einer engen atomaren Zusammenarbeit hat US-Präsident George W. Bush bei seinem ersten Indien-Besuch einen deutlichen Wechsel in den Beziehungen zu Neu-Delhi vollzogen. "Unsere Beziehungen ändern sich grundlegend", sagte Bush nach einem Gespräch mit Regierungschef Manmohan Singh in Neu-Delhi. Auch Singh sprach von einem "historischen Tag".

Der indische Premier sagte nach dem Treffen mit Bush: "Wir haben Geschichte geschrieben." Der US-Präsident betonte: "Unser Verhältnis ändert sich dramatisch." Indiens Erzrivale Pakistan kündigte an, sich bei dem Besuch Bushs ebenfalls um eine entsprechende Vereinbarung zu bemühen. Nach jahrzehntelang gespannten Beziehungen wollen die USA und Indien eine neue Ära beginnen. Kritikern zufolge will Washington so ein Gegengewicht zu dem wachsenden Einfluss von China schaffen.

"Wir haben heute eine historische Vereinbarung über die Atomkraft abgeschlossen", sagte Bush. Die Neuorientierung sei erforderlich und im Interesse "beider Völker". "Es ist in unserem Interesse, dass Indien Zugang zur Atomkraft hat, um den Druck auf die Energienachfrage zu vermindern", fügte Bush hinzu. Singh zeigte sich erfreut, dass eine Grundsatzvereinbarung über atomare Zusammenarbeit vom vergangenen Juli damit Gestalt annehme. Die Vereinbarungen zwischen Bush und Singh müssen vom US-Kongress und der Gruppe der wichtigsten Kernkraft-Lieferländer (Nuclear Suppliers' Group) genehmigt werden. Bush sagte zu, sich dafür einzusetzen.

Abhängigkeit vom Öl soll unterbunden werden
Bush sagte, mit der Nutzung ziviler Atomenergie durch Indien werde Druck von den Ölmärkten genommen, was auch amerikanischen Verbrauchern zugute komme. Das Abkommen mit Indien sei Teil der US-Bemühungen, die weltweite Abhängigkeit vom Öl zu beenden. In einer gemeinsamen Erklärung hieß es, Indien und die USA wollten ihr bilaterales Handelsvolumen in den kommenden drei Jahren auf 50 Milliarden Dollar (knapp 42 Milliarden Euro) verdoppeln. Die USA sind Indiens größter Handelspartner. Indien ist der am schnellsten wachsende Exportmarkt für die USA.

Die Wende in der US-Politik gegenüber Indien scheint bedeutend zu sein. Der US-Botschafter bei den Vereinten Nationen, John Bolton, hatte am Mittwoch sogar gesagt, Indien habe seine Atombomben wie sein Nachbar Pakistan "auf legitime Weise" erworben. "Sie haben nie vorgegeben, dass sie das Streben nach Nuklearwaffen aufgegeben hätten." Anders als der Iran, fuhr Bolton fort. Die Islamische Republik habe schließlich den Atomwaffensperrvertrag unterschrieben und wolle dennoch heimlich Atombomben bauen.

Sowohl Indien als auch Pakistan verfügen nach eigenen Angaben über Atomwaffen und weigern sich, den Atomwaffensperrvertrag zu unterzeichnen.

Anschlag auf US-Konsulat in Pakistan
Kurz vor dem Besuch von US-Präsident George W. Bush haben Extremisten am Donnerstag einen Autobombenanschlag in der Nähe eines US-Konsulats in Pakistan verübt. Dabei wurden mindestens fünf Menschen getötet, darunter ein Mitarbeiter des diplomatischen Dienstes der USA. Bush erklärte, er werde das Land trotzdem wie geplant besuchen. "Terroristen und Mörder werden mich nicht davon abhalten, nach Pakistan zu reisen", sagte er in Indien. Der Besuch gilt als Geste der Unterstützung für Präsident Pervez Musharraf, der im Kampf gegen den Terrorismus eng mit den USA zusammenarbeitet, zu Hause deswegen aber unter hohem Druck steht.

Die Bombe explodierte in der südlichen Hafenstadt Karachi etwa 30 Meter von dem US-Konsulat entfernt. Die Polizei vermutete nach ersten Ermittlungen einen Selbstmordanschlag. Die Attentäter hätten offenbar auf dem Parkplatz eines Hotels in der Nähe des Konsulats gewartet und seien dann mit ihrem Auto in ein Fahrzeug gefahren, das Mitarbeiter der US-Vertretung zur Arbeit brachte, sagte ein hochrangiger Ermittler. Unter den Toten befand sich ein pakistanischer Mitarbeiter des Konsulats. "Es war eine terroristische Tat", sagte der für die Stadt zuständige Polizeichef.

(apa/red)

2.3.2006 07:38