Dienstag, 28. Februar 2006

Symbolträchtiger Besuch Putins in Ungarn: Moralische Verantwortung übernommen

  • Für Niederschlagung des ungarischen Aufstands
  • Wichtige Wirtschaftsfragen in Budapest erörtert

Der russische Präsident Wladimir Putin hat eine moralische Verantwortung Russlands für die Niederschlagung des Ungarn-Aufstands 1956 durch die Rote Armee anerkannt. Bei einem Besuch in Budapest erinnerte er daran, dass bereits sein Vorgänger Boris Jelzin das Vorgehen der sowjetischen Streitkräfte in Ungarn verurteilt habe. "Natürlich ist das moderne Russland nicht die Sowjetunion, aber wir können dennoch eine gewisse moralische Verantwortung für diese Ereignisse empfinden", sagte Putin.

Die Aufgabe der heutigen Politiker sei es, "die Vergangenheit nicht zu vergessen und über die Zukunft nachzudenken", erklärte der russische Präsident nach einem Gespräch mit dem ungarischen Staatsoberhaupt Laszlo Solyom. Bei dem Besuch wollte Putin auch wertvolle Bücher an Ungarn zurückgeben, die die Rote Armee während des Zweiten Weltkriegs nach Russland geschafft hatte. Der ungarische Ministerpräsident Ferenc Gyurcsany bezeichnete die Rückgabe der Jahrhunderte alten Werke als endgültige Geste zur Normalisierung der Beziehungen zwischen beiden Staaten.

Putin erörterte mit Gyurcsany wichtige Wirtschaftsfragen. Der russische Präsident sagte, es gebe viele Möglichkeiten der Zusammenarbeit im Energiebereich, die die Energieversorgung Ungarns sicherer machen könnten. Gyurcsany betonte, in den bilateralen Beziehungen solle es "mehr Geschäfte und weniger Ideologie, mehr Taten und weniger Worte" geben.

Die Delegationen unterzeichneten Zusammenarbeitsabkommen in den Bereichen Informatik, Nanotechnologie und Unterricht. Sieben weitere geplante Abkommen sollen, anders als geplant, später unterzeichnet werden.

Ein zuvor von den ungarischen Medien als wahrscheinlich angekündigtes Abkommen im Zusammenhang mit dem Bau eines Erdgasspeichers durch Gasprom in Ungarn ist nicht darunter. Angesichts der Lieferschwierigkeiten bei Import-Erdgas aus Russland hatte Ungarns Regierung Tage zuvor betont, dass die Energieversorgung eines der wichtigsten bilateralen Probleme sei. Mehr als zwei Drittel des in Ungarn verbrauchten Erdgases kommt aus Russland. (apa)

28.2.2006 19:27