Dienstag, 28. Februar 2006

Anschlag bei schiitischer Moschee im Irak: Mindestens 21 Tote & 43 Verletzte in Bagdad

  • Stunden zuvor schon drei Autobomben explodiert
  • 380 Iraker in nur einer Woche bei Anschlägen getötet

Die irakische Hauptstadt Bagdad ist am Dienstag von einer der schwersten Anschlagsserien dieses Jahres erschüttert worden. Am zweiten Tag nach Ende der erweiterten Ausgangssperre starben bei mehreren Bombenattentaten rund 50 Menschen. Mehr als 150 wurden verletzt. Bei einem Autobombenanschlag in der Nähe einer schiitischen Moschee im nordwestlichen Viertel Hurriyah ("Freiheit") zwischen 16 und 21 Menschen getötet und an die 40 weitere verletzt.

Auch in anderen Städten des Landes zündeten Extremisten Sprengsätze und rissen Zivilisten und Soldaten in den Tod. Im Nord-Irak wurde zudem die Grabstätte des Vaters von Saddam Hussein bei einem Anschlag schwer beschädigt. Der irakische Ex-Machthaber erschien am Morgen wieder vor einem Sondertribunal in Bagdad, wo ihm wegen Verbrechen gegen die Menschlichkeit während seiner langjährigen Herrschaft der Prozess gemacht wird. Bei einer Verurteilung droht ihm der Tod durch den Strang.

US-Präsident George W. Bush warnte alle Iraker: "Zur Wahl stehen Chaos oder Einheit." Der Nationale Sicherheitsberater des Irak, Mowaffak al-Rubaie, signalisierte, dass sich die Bildung einer neuen Regierung aus Schiiten und Sunniten wegen der jüngsten Gewalteskalation verzögern dürfte und noch mindestens zwei Monate dauern könnte.

Nach dem Anschlag auf eine den Schiiten heilige Stätte in Samarra am vergangenen Mittwoch sind der Regierung zufolge bei Racheakten und Vergeltungsschlägen 379 Menschen getötet und 458 weitere verletzt worden. Der US-Botschafter im Irak, Zalmay Khalilzad, warnte, der Golfstaat stehe unverändert am Rande eines Bürgerkriegs.

Nach den Worten von Ministerpräsident Ibrahim al-Jaafari wird die Gewalt im Irak die Bemühungen um eine Regierung der nationalen Einheit nicht torpedieren. Anschläge und terroristische Aktivitäten würden den politischen Prozess nicht aufhalten können, versicherte Jaafari am Dienstag nach einem Treffen mit dem türkischen Regierungschef Recep Tayyip Erdogan in Ankara.

Nach den jüngsten Angriffen auf Moscheen haben die Iraker nach Einschätzung Jaafaris erkannt, dass es sich um "eine Verschwörung und eine Provokation zur Spaltung des Volkes" gehandelt habe. Die Anschläge hätten das Volk zu stärkerem Zusammenhalt bewegt, sagte der irakische Ministerpräsident. (apa)

28.2.2006 15:53