Vogelgrippe-Virus kommt Menschen näher: Krankheit von Katze zu Katze übertragbar
- "Sicherheitsabstand" zum Menschen wird dünner
·Vogelgrippe-Katzen sind wieder virenfrei!
Veterinär: Tiere können mit Erreger umgehen
·VOTEN: Katzen zum
Abschuss freigeben?
IHRE MEINUNG: Damit Vogelgrippe verhindern?
·H5N1: Freilaufende Katzen umbringen?
D: Geflügelzüchter fordert
drastische Maßnahmen
·H5N1: EU-weite Hauspflicht für Katzen
In Vogelgrippe-Gebieten. Österreich ausgenommen
·Vogelgrippe unter Katzen übertragbar!
"Sicherheitsabstand" zum Menschen wird dünner
Eine tote deutsche Katze, die offenbar das "Mausen" - eigentlich das Fressen ihrer Vogel-Beute - nicht lassen konnte, macht noch keine Epidemie-Gefahr. Doch der Fall in Deutschland zeigt, dass der "Sicherheitsabstand" zwischen H5N1 und dem Menschen dünn ist. Experimentell wurde das Infektionsrisiko von Katzen durch das Geflügelpest-Virus erstmals bereits vor Jahren von dem in Fachkreisen weltbekannten Veterinär-Virologen Univ.-Prof. Dr. Albert Osterhaus (Erasmus Medical Center/Rotterdam) und seinem Team nachgewiesen.
"Wir gingen von Ereignissen in asiatischen Tiergärten aus. Dort wurden Tiger mit Hühner-Resten gefüttert. Die Wildkatzen starben an H5N1-Infektionen, auch noch, nachdem man die Hühner aus dem Futter verbannt hatte", berichtete Osterhaus vor kurzem bei einer Influenza-Pandemie-Tagung in London.
"Wir hätten ein echtes Problem"
In den Niederlanden infizierten daraufhin Wissenschafter aus dem Team des Experten einen Tag alte Küken mit H5N1. Einen Tag später wurden sie getötet und an Hauskatzen verfüttert. Osterhaus: "Alle Katzen wurden krank. Wir haben unter diese Katzen gesunde gesetzt - auch sie wurden krank. Würden wir das beim Menschen beobachten, hätten wir ein echtes Problem."
Doch dem ist eben nicht so. Trotzdem ist das Übertragungsrisiko von H5N1 auf die liebsten Haustiere des Menschen bemerkenswert. Allerdings nicht, weil eine größere Gefahr für Menschen durch die sporadische Infektion einer Katze entstehen würde - niemand isst Katzenfleisch, der Kontakt mit Exkrementen ist auch nicht gegeben -, sondern weil damit ein neues Glied in der Übertragungskette für die Vogelinfluenza-Viren bekannt ist.
Virus könnte in Katzen mutieren
So schrieb Osterhaus im Oktober 2004 in der US-Wissenschaftszeitschrift "Science": "Aus unseren Ergebnissen resultiert zunächst, dass bei H5N1-Ausbrüchen (unter Wildvögeln bzw. Geflügel, Anm.) Hauskatzen durch die Krankheit in Gefahr kommen und umkommen könnten: Entweder, indem sie infiziertes Geflügel oder Wildvögel fressen oder durch Kontakt mit infizierten Katzen. Zweitens sollte die Rolle von Katzen bei der Verbreitung von H5N1 zwischen Geflügelfarmen und von Geflügel auf den Menschen neu bestimmt werden. Und drittens könnten Katzen (so wie auch Schweine, Anm.) dem Vogelvirus eine Möglichkeit bieten, sich an Säugetiere zu adaptieren. Dadurch könnte sich die Gefahr einer Influenza-Pandemie erhöhen."
Kaum Gefahr für Katzen in Wien
Kaum Gefahr durch und für Haustiere in Wien sehen die Behörden. Sicherheitshalber sollten Tierbesitzer aber dafür sorgen, ihre Katzen in der Wiener Schutzzone, den Bezirken Floridsdorf und Donaustadt, nicht herumstreunen zu lassen, sagte eine Sprecherin von Tierschutz-Stadträtin Sonja Wehsely.
Die Situation in der Bundeshauptstadt sei keinesfalls mit jener in Rügen vergleichbar, denn die Infektionsdichte sei eine völlig andere. "Unsere Experten sagen, man braucht nichts zu tun", so die Sprecherin.
In Wien gibt es weiterhin nur einen einzigen Vogelgrippefall. Die endgültige Bestätigung aus dem EU-Referenzlabor in Weybridge, dass der in Floridsdorf gefundene tote Schwan tatsächlich am H5N1-Virus zu Grunde gegangen ist, steht allerdings noch immer aus.
Insgesamt wurden aus Wien bisher 73 tote Wasservögel an die Agentur für Gesundheit und Ernährungssicherheit (AGES) in Mödling geschickt. Bei 33 liegen derzeit die Befunde vor, sie waren - bis auf den einen Schwan - alle negativ.
(apa)
