Mehr Zeit für "neue" Rechtschreibreform:
3-jährige Übergangsfrist für Schüler geplant
- SPÖ will "österreichischen Sonderweg" diskutieren
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"Sicherheit in Ortografie-Fragen wiederhergestellt"
Bei der Rechtschreibreform gibt es wieder Änderungen. Österreich wird den von der deutschen Kultusministerkonferenz beschlossenen Empfehlungen des Rats für deutsche Rechtschreibung ebenfalls folgen und ab dem kommenden Schuljahr Neuerungen in den Bereichen Getrennt- und Zusammenschreibung, Groß- und Kleinschreibung, Zeichensetzung und Worttrennung einführen. In einer mehrjährigen Übergangsfrist - im Gespräch sind derzeit drei Jahre - sollen an den Schulen aber beide Schreibweisen zulässig sein. "Ernsthaft über einen österreichischen Sonderweg" diskutieren will die SPÖ.
Die Änderungen betreffen allerdings nicht die großen Brocken der Reform: Das scharfe ß kommt weiter grundsätzlich nur mehr nach einem langen Vokal (Maß, Fuß). Nach einem kurzen Selbstlaut heißt es weiterhin Kuss, muss oder Fass, "daß" wird generell nur mehr "dass" geschrieben. Das Stammprinzip wird außerdem nach wie vor verstärkt betont (Stängel statt Stengel, schnäuzen statt schneuzen usw.).
Änderungen bei Getrennt- und Großschreibung
Die Neuerungen betreffen vor allem Getrennt- und Zusammenschreibung bzw. Groß- und Kleinschreibung. Generell gilt: Es soll wieder mehr zusammengeschrieben werden - vor allem dann, wenn ein einheitlicher Wortakzent vorliegt wie "abwärtsfahren", "aufeinanderstapeln" oder "querlesen". Und: Bei feststehenden Begriffen wie "der Blaue Brief", "der Runde Tisch", "das Schwarze Brett" soll wieder "dem allgemeinen Schreibgebrauch" gefolgt und groß geschrieben werden. Die ursprüngliche Rechtschreibreform hatte dagegen nur noch wenige Ausnahmen vorgesehen ("Heiliger Vater").
Vielfach existieren nun Wahlmöglichkeiten. In manchen Fällen gibt es eine Rückkehr zur alten Rechtschreibung, in anderen dagegen sogar eine von der Reform eigentlich unberührt gelassene Änderung der alten Schreibregeln.
Keine Änderungen für Schüler
Für die Schüler ändert sich vorerst nichts: Schon bisher waren jene Bereiche, für die der Rat für deutsche Rechtschreibung die jetzt erfolgten Änderungen angekündigt hat, vom In-Kraft-Treten der Reform am 1. August 2005 ausgenommen. Laut einem Erlass des Bildungsministeriums vom vergangenen Sommer sollte für die Zeit der Diskussion im Rat in den Schulen "Toleranz geübt werden" und sowohl alte als auch neue Schreibweise zulässig sein. Eine solche Frist soll auch in den kommenden Schuljahren gelten. Im Gespräch ist derzeit eine mindestens dreijährige Übergangszeit, in der sowohl die vom Rat vorgeschlagenen Änderungen als auch die Reform-Schreibweisen zulässig sind. Grund dafür ist unter anderem, dass eine Umstellung der Schulbücher nicht von heute auf morgen erfolgen kann. Änderungen werden erst in die neuen Auflagen eingearbeitet.
SPÖ will "Sonderweg" diskutieren
"Ernsthaft über einen österreichischen Sonderweg" diskutieren will die SPÖ. "Wirklich sinnvolle Reformen" wie eine "Komplettabschaffung des 'ß' oder Schritte hin zur gemäßigten Kleinschreibung" seien gar nicht debattiert worden. Das Thema müsse "schleunigst auf die Tagesordnung des parlamentarischen Unterrichtsausschusses gesetzt werden". Das BZÖ will sich etwaige Änderungen ebenfalls noch einmal genau anschauen. Bei einer Einigung über eine Adaption solle diese aber nicht vor dem Jahr 2007 in Kraft treten sowie "auf jeden Fall einen Schlussstrich" darstellen. Die Grünen kritisieren, dass die Bildungsminister "mit ihrer Vorgangsweise nur Chaos gestiftet" hätten.
(apa/red)
