Wer soll sich da noch auskennen? Recht- schreibreform wird neuerlich reformiert
- Beschluss in Deutschland, Österreich zieht wohl mit
Getrennt-, Zusammenschreibung besonders betroffen - UMFRAGE: Was halten Sie von Reform der Reform?

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Die Rechtschreibreform soll in strittigen Bereichen geändert werden. Die deutsche Kultusministerkonferenz (KMK) stimmte am Donnerstag in Berlin den Änderungsvorschlägen des Rats für deutsche Rechtschreibung zu. Damit soll zugleich ein Schlussstrich unter die seit mehr als zehn Jahren erbittert geführten Auseinandersetzungen gezogen werden. Österreich schließt sich den Änderungen wohl an.
Die Änderungen betreffen besonders strittige Teile der Getrennt- und Zusammenschreibung, der Groß- und Kleinschreibung, Zeichensetzung und Silbentrennung. So soll wieder mehr zusammengeschrieben werden - vor allem dann, wenn ein einheitlicher Wortakzent vorliegt wie "abwärtsfahren", "aufeinanderstapeln" oder "querlesen".
Bei feststehenden Begriffen wie "der Blaue Brief", "der Runde Tisch", "das Schwarze Brett" soll wieder "dem allgemeinen Schreibgebrauch" gefolgt und groß geschrieben werden. Die verabschiedete Rechtschreibreform sah hierbei nur noch wenige Ausnahmen vor ("Heiliger Vater"). Verbindlichere Komma-Regeln sollen wieder für ein besseres Leseverständnis sorgen. Die Anrede "Du" in Briefen kann auch wieder groß geschrieben werden.
Die deutschen Minister bezeichneten die Änderungen als gute und tragfähige Grundlage für die Fortentwicklung der Rechtschreibung. Die abschließende Entscheidung treffen in Deutschland die Ministerpräsidenten am 30. März. Die Schweiz will die Korrekturen noch nicht übernehmen und zunächst bei der ursprünglichen Reform bleiben. Die Schweizer Erziehungsdirektoren prüfen die Frage voraussichtlich entweder am 9. März oder am 22. Juni.
Österreich schließt sich Änderungen wohl an
Österreich wird sich den Änderung der Rechtschreibreform voraussichtlich anschließen. Die korrigierten Regeln gelten wahrscheinlich ab dem kommenden Schuljahr an den österreichischen Schulen, hieß es aus dem Bildungsministerium. Es werde jedoch eine Übergangsfrist von einem Jahr geben, was die Anrechnung von Fehlern betrifft. Zunächst werde versucht, einen politischen Konsens darüber herzustellen.
Die Rechtschreibreform war nach siebenjähriger Übergangsfrist im August 2005 in Österreich, der Schweiz und den meisten deutschen Bundesländern endgültig verbindlich in Kraft getreten. Lediglich für die nach Ansicht der KMK strittigen Regelungen wie die Getrennt- und Zusammenschreibung, für die jetzt Änderungen beschlossen wurden, war die Übergangsfrist ausgeweitet worden.
Bayern und Nordrhein-Westfalen auch dabei
Auch Bayern und Nordrhein-Westfalen, die vor einem Jahr - ebenso wie der Kanton Bern - die Umsetzung der Rechtschreibreform an den Schulen ausgesetzt hatten, wollen nun wieder mitmachen. Damit können ab August dieses Jahres in Deutschland wieder bundesweit an allen Schulen die gleichen Rechtschreibregeln gelten. Bis Ende Juli 2007 sollen Abwichungen allerdings nicht als Fehler gewertet werden.
Von den 38 ehrenamtlichen Mitgliedern des Rates für deutsche Rechtschreibung kommen je neun aus Österreich und der Schweiz sowie je einer aus Liechtenstein und der Autonomen Provinz Bozen-Südtirol. Das Expertengremium war als Konsequenz aus der anhaltenden Kritik an der Reform eingesetzt worden und hatte seine Arbeit im Dezember 2004 aufgenommen.
In ihrem Beschluss appelliert die KMK zugleich an alle Verlage und Medien, "sich im Interesse der Einheitlichkeit der deutschen Rechtschreibung" der nunmehr abgeänderten Reform anzuschließen. Die Zeitungen des Springer-Verlags wie "Bild" und "Welt" waren wie zuvor schon die "Frankfurter Allgemeine Zeitung" zur alten Schreibung zurückgekehrt. Der Springer-Verlag hatte die Vorschläge des Rates aber bereits vergangene Woche begrüßt. Die deutschsprachigen Nachrichtenagenturen werden in der kommenden Woche über einen gemeinsamen Vorschlag zur Umsetzung der Empfehlungen beraten.
(apa)
