Mittwoch, 1. März 2006

Kopfzerbrechen bei Austria Tabak: 2005 schon jede fünfte Zigarette geschmuggelt!

  • AT-Chef Stefan Fitz warnt vor Zigaretten-"Preiskrieg"

Zigarettenschmuggel und der sich abzeichnende "Preiskrieg" bei Zigaretten in Österreich bereiten der zum britischen Gallaher-Konzern gehörenden Austria Tabak (AT) weiter Kopfzerbrechen. Schon jede fünfte Zigarette in Österreich wurde im Jahr 2005 nicht legal versteuert, erklärte Austria Tabak-Geschäftsführer Stefan Fitz. Die Tendenz ist weiter steigend.

Der zunehmende Schmuggel schlage sich auch auf das Steueraufkommen aus der Tabaksteuer nieder: Im Jahr 2005 nahm der Finanzminister aus diesem Posten 1.340 Mio. Euro ein und damit um 10 Mio. Euro weniger als budgetiert. Die Austria Tabak fordert trotz eines "Aufgriffsrekords" im Jahr 2005 noch stärkere Bemühungen. "Schmuggel ist kein Kavaliersdelikt", unterstreicht Fitz. Die Qualität von Schmugglerware sei fragwürdig, da die Herstellungsbedingungen unbekannt seien. Die Herkunft von Schmuggel-Zigaretten sei breit gestreut, die Ware stamme aus 36 Ländern.

Betont gelassen gibt sich Fitz heute in Sachen des seit Jahresbeginn erkennbaren "Preiskampfs" bei den Zigarettenpreisen: "Die Einführung eines Mindestpreises ist Sache der Politik", erklärte er.

Auf eine klare Befürwortung von gesetzlich festgelegten Mindestpreisen ließ er sich nicht festlegen. Die Austria Tabak könne "mit allem leben". Die Erfahrung in anderen Ländern zeige, dass es bei einem echten "Preiskrieg" vor allem Verlierer gebe, genannt wurden insbesondere der Jugendschutz und wegfallende Steuereinnahmen für den Finanzminister. Mit Preissenkung bei mittlerweile vier AT-Marken - Smart, Benson & Hedges Red, Ronson, St. George - habe die AT als österreichischer Marktführer den "hingeworfenen Fehdehandschuh aufgegriffen".

Eine stellenweise befürchtete "Verteuerung" der Tabakpreise durch Mindestpreise sieht Fitz nicht: Der Durchschnittspreis für eine Packung Zigaretten lag 2005 bei 3,50 Euro, die meistverkaufte Sorte kostete 3,40, "daher lag ein relativ kleiner Anteil unter 3,20 oder 3,30 Euro", argumentiert er.

Zu Jahresbeginn hatten internationale Hersteller wie British American Tobacco (BAT) oder Imperial Tobacco ihre Preise für Einzelprodukte in Österreich gesenkt und damit die Preise in Bewegung gebracht. Mittlerweile werden 24 Marken - und 44 Sorten - unter 3 Euro angeboten, zu Jahresende waren es erst 10 Sorten. Österreichweit werden 90 Marken und 213 Sorten vertrieben.

Die AT-Mutter, der weltweit tätige britische Gallaher-Konzern, hat im Geschäftsjahr 2005 das Betriebsergebnis (EBITA, vor Abschreibungen) um 3,2 Prozent auf 670 (648) Mio. Pfund (986 Mio. Euro) gesteigert, vor Abschreibungen und außerordentlichen Aufwändungen stieg das Ergebnis um knapp 7 Prozent auf 570 (534) Mio. Pfund. Der Umsatz erhöhte sich (ohne Steuern) um 2,2 Prozent auf 2,60 (2,55) Mrd. Pfund. Insgesamt wurden 173,8 Mrd. Stück Zigaretten abgesetzt, um 2 Prozent mehr als im Jahr zuvor.

In Österreich wurden im Vorjahr 36,4 Mrd. Stück Zigaretten hergestellt, davon gingen gut 80 Prozent in den Export. Die im Jahr 2000 von Gallaher erworbene Austria Tabak ist Teil der Europa-Division von Gallaher mit Sitz in Wien. In Österreich beschäftigt die AT 1.302 Mitarbeiter, in der Gesamtgruppe sind es rund 11.000. (apa)

1.3.2006 15:27