Montag, 20. November 2006

Alternativmedizin fällt bei VKI-Test durch:
Nur ein Arzt erkennt, dass Person gesund ist

  • Ergebnis: Verschiedene Diagnosen, wenig Beratung
  • Mitgebrachte Laborwerte oft gar nicht angesehen

Ein Drittel aller Gesundheitskosten zahlt der Patient selbst - dazu gehören laut Verein für Konsumenteninformation (VKI) neben Rezeptgebühr auch Ausgaben für Alternativmedizin, die von der Krankenkasse nicht getragen werden. Die Konsumentenschützer warnten nun vor "dubiosen Geschäften" von Medizinern mit Heilmethoden wie Bioresonanz, die immer stärker gefragt seien.

Das Testmagazin "Konsument" des VKI schickte eine gesunde 31-jährige Frau zu elf Wiener Ärzten, die eine solche Therapie anbieten und nach dem Zufallsprinzip ausgewählt wurden. Die Studentin gab an, chronisch müde zu sein und leicht zu schlafen - außerdem ersuchte sie ausdrücklich um eine Bioresonanz. Zu hören bekam die Frau unterschiedlichste Diagnosen: gestörter Energiehaushalt, virusbedingte Vergiftung, faule Gase im Darm, Übersäuerung. Lediglich eine Ärztin erkannte, dass die Testperson gesund ist. Der VKI wolle nicht die Methode der Bioresonanz an sich kritisieren, sondern den Umgang der Ärzte mit Erkrankten bei alternativen Heilmethoden, wurde betont.

Beratungsgespräche oft Verkaufsgespräche
Viele Mediziner hätten sich bei dem Test die mitgebrachten Laborwerte der Frau nicht angesehen, so der Verein. Oft seien Beratungsgespräche versteckte Verkaufsgespräche - der Studentin wurden unter anderem "Energiefläschchen" und Nahrungsergänzungsmittel angeboten. Die getesteten Mediziner hätten sich für die Patientin zwar Zeit genommen - die Aufklärungen über alternative Heilmethoden sei jedoch mangelhaft gewesen, kritisiert der VKI.

Sitzung kostet 50 bis 250 Euro
"Wir haben einen Bereich getestet, wo der Patient Konsument, also Selbstzahler, ist", erklärte Bärbel Klepp, Projektleiterin bei der Organsiation. Eine Sitzung koste dem Hilfesuchenden zwischen 50 und 250 Euro. "Wir wollen nicht, dass Patienten Geld für Methoden ausgeben, die nicht wissenschaftlich gesichert sind", sagte Klepp. "Die Alternativmedizin boomt - es gibt jedoch keine Richtlinien dafür", kritisierte Franz Floss, Geschäftsführer beim VKI. Er forderte mehr Kontrollen durch Ärztekammer und Hauptverband der Sozialversicherungsträger. Der Verein riet, sich nur bei Ärzten mit einem Diplom der Standesvertretung der Mediziner behandeln zu lassen. (APA/red)

20.11.2006 11:08