Freitag, 24. Februar 2006

Kampf um jeden Cent: Laut druckfrischen Bilanzen rückt Spar dem Rivalen Rewe näher

  • Nach Expansionskurs und Filialerneuerungen 2% Plus
  • Wahre Sieger sind aber die Diskont-Supermärkte

Gerhard Drexels Lieblingsargument zielt auf den Patriotismus der Österreicher ab. "Wir sind kein Groß-konzern, der sich eine Österreich-Tochter hält und diese verkauft, wenn die Renditen nicht mehr stimmen", meint der Spar-Boss. "Wir haben 2005 in Österreich und dem benachbarten Ausland 3.000 Arbeitsplätze geschaffen."

Der Seitenhieb gegen den Spar-Hauptkonkurrenten, die deutsche Billa-Eigentümerin Rewe, ist unüberhörbar. Die provokante Tonart überrascht dabei, hatten Drexel und sein Vorarlberger Landsmann und einstiger Schulkollege, der frisch gekürte Rewe-Austria-Vorstandssprecher Martin Lenz, doch bei einem privaten Gipfeltreffen unmittelbar nach Lenz' Bestellung einen betont sachlichen Konkurrenzkampf vereinbart.

Doch die druckfrische Bilanz der Spar-Handelsgruppe, die mit Spar-, Eurospar-, Interspar-, Hyper-und Maxi-Märkten sowie der Auslandstochter Aspiag im vergangenen Jahr 7,3 Milliarden Euro umgesetzt und 140 Millionen Euro Gewinn erzielt hat, macht deutlich, dass in der Lebensmittelbranche jetzt härter denn je um Imagewerte, Standorte und jeden einzelnen Umsatz-Cent gekämpft wird.

Am Heimmarkt erzielte Spar inklusive der selbständigen Spar-Kaufleute 4,48 Milliarden Euro Umsatz, was trotz harten Expansionskurses und laufender Filialerneuerungen gerade einmal zwei Prozent Zuwachs bedeutete. Einerseits wertet Drexel das zu Recht als Erfolg: Spar ist schneller gewachsen als der Gesamtmarkt. Der legte, inklusive Diskonter, lediglich um 1,6 Prozent auf 14,9 Milliarden Euro zu.

Auch im direkten Duell mit der Rewe Austria, die noch kein Ergebnis präsentiert hat, dürfte Spar den Prognosen zufolge leicht vorn liegen. Doch einen Wermutstropfen hat das Ergebnis für Drexel: Den wahren Erdrutschsieg im Handelsmatch hat der Diskonter Hofer, expansives neues Schreckgespenst der Vollsortimenter, mit gleich 12 Prozent Wachstum errungen.

"Wachstum im Inland kaum noch möglich"
Peter Schnedlitz, Handelsprofessor an der Wirtschaftsuniversität Wien, verwundert das nicht: "Für Vollsortimenter wie Spar und Rewe ist Wachstum im Inland kaum noch möglich."

Wie spektakulär die Performance von Hofer auch ausfallen mag, gemessen wird die Spar-Gruppe immer an ihrem Hauptkonkurrenten Rewe Austria (Billa, Merkur, Mondo/Penny, Emma, Bipa). Experten erwarten, dass die Billa-Gruppe, die Drogeriekette Bipa nicht eingerechnet, vergangenes Jahr bloß um ein Prozent zulegen konnte. Spar wäre damit wie schon 2003 und 2004 abermals einen Hauch stärker gewachsen als der Branchenprimus.

Die Diskonter geben Gas
Die Spielregeln im Zweikampf werden weiterhin die Diskonter bestimmen. Hofer-Chef Armin Burger hat 2005 gezeigt, wie viel in einem gesättigten Markt noch drin ist. In absoluten Zahlen hat er seinen Inlandsumsatz um 300 Millionen auf 2,8 Milliarden Euro gesteigert. Spar legte nur um 88 Millionen Euro zu. Hofer will heuer wieder dreißig Läden aufsperren. Auch der zweitgrößte Diskonter, Lidl, gibt Gas.

Die Rewe Austria reagiert darauf und stärkt ihren Diskonter Penny, vormals Mondo. Während die Rewe-Bosse Mondo aus Angst vor Konkurrenz aus dem eigenen Haus in den vergangenen Jahren auf Sparflamme gehalten haben, soll Penny jetzt mit zwanzig bis dreißig Neueröffnungen Hofer attackieren. Branchenexperte Hanspeter Madlberger ("Key Account"): "Das Wachstum der Rewe Austria kommt jetzt vorwiegend aus dem Diskont."

Damit könnte Rewe Austria gegenüber der Spar-Gruppe wertvolles Terrain gutmachen. Allerdings: Auch der Hype am Diskontmarkt geht zu Ende. 2007 dürfte der Markt für Günstiglebensmittel gesättigt sein. Penny könnte zu spät wachgeküsst worden sein. Deshalb erteilt Spar-Chef Drexel dem Diskont schon eine klare Absage: "Das macht für uns keinen Sinn. Ein Lebensmittelhändler darf nicht auf so vielen Hochzeiten gleichzeitig tanzen. Hofer tritt ja auch nicht in einer zweiten Vertriebsschiene als Vollsortimenter auf" (siehe Interview).

Kein Wunder, dass sich Spar und Billa jetzt auch wieder mit Tricks und Listen bekämpfen. So haben die Spar-Werbestrategen die Billa-Werbeoffensive zur Eröffnung des tausendsten Billa-Ladens konterkariert, indem sie schon davor mit "1.400 Mal Spar in Österreich" zu werben begannen. Drexel ließ ausnahmsweise den ganzen Winter hindurch bauen, und zwar an spektakulären Großmärkten, um dem anstehenden Billa-Eröffnungsfest etwas entgegensetzen zu können.

23 neue Spar-Läden
In Österreich hat Spar am besten in der Disziplin Supermärkte abgeschnitten. 23 funkelnagelneue Läden dieses Formats hat Drexel 2005 aufgesperrt und vierzig weitere einem gründlichen Relaunch unterzogen. Um sich gegenüber der Konkurrenz zu profilieren, setzt er dabei auf neue Services wie Self-Checkout. Außerdem wird die Spar-Gourmet-Schiene laufend ausgebaut, um anspruchsvolle Kunden, die eine besondere Affinität zu Spar haben, noch besser zu binden.

Nahezu stagniert haben dafür ausgerechnet die Spar-Großflächen, die Interspar-, Hyper-und Maxi-Märkte, wo Spar Marktführer in Österreich ist. "Es gab mehrere vorübergehende Schließungen wegen Renovierungsarbeiten", begründet Drexel. Die gab es freilich auch schon im Vergleichszeitraum 2004. Zusetzen dürften Spar in diesem Bereich auch die modernisierten Merkur-Märkte.

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24.2.2006 11:00