Freitag, 24. Februar 2006

Dreizehnstündige Verhandlungen: Ärzte und
WGKK einigen sich auf neuen Kassenvertrag

  • Tariferhöhung um 2,8 Prozent für die Jahre 2006 und 2007
  • Größten Teil davon bekommen Allgemeinmediziner

Nach einem dreizehnstündigen Verhandlungsmarathon haben die Wiener Ärztekammer und die Gebietskrankenkasse (WGKK) eine Einigung über einen neuen Kassenvertrag erzielt. Paktiert wurde eine zweijährige Laufzeit mit einer über alle Arztgruppen gerechneten Tariferhöhung von 2,8 Prozent für 2006 und 2007. Die Kasse gibt dafür 14 Mio. Euro zusätzlich aus.

Der größte Teil der Erhöhung kommt den Allgemeinmedizinern zu Gute. Für 2006 bekommen sie 5,4 Mio. Euro zusätzlich, die Fachärzte nur 3,7 Mio. Euro, so eine Sprecherin der Ärztekammer. Dies sei zu begrüßen, denn die praktischen Ärzte seien die Hauptleittragenden der vermutlich durch die E-Card-Einführung bedingten Frequenzrückgänge. Die Forderung nach einer zusätzlichen E-Card-Abgeltung haben die Ärzte im Gegenzug fallen gelassen.

Der neue Vertrag braucht noch die Zustimmung der Kammergremien und des Hauptverbandes der Sozialversicherungsträger. Zuvor wird es aber noch bis Mitte März dauern, bis er endgültig und in allen Details ausverhandelt ist, hieß es in der Ärztekammer. Vorerst wurde eine gemeinsame Punktation erstellt.

Bei der Gebietskrankenkasse gab man sich von der Einigung angetan. Erstmals in Österreich habe man bei den Allgemeinmedizinern die Drehscheibenfunktion des Hausarztes als neue Leistung verankert. Bei diesem so genannten Schnittstellenmanagement sollen die Patienten, und da vor allem chronisch kranke und alte Menschen, vom Spital bis in die Pflege begleitet werden.

Auch die Fachärzte bekommen mit plus 2,5 bzw 2,1 Prozent für 2006 und 2007 eine Tariferhöhung über der prognostizierten Inflationsrate von 2,3 bzw. 1,9 Prozent, hieß es seitens der WGKK. Der Anstieg bei den Allgemeinmedizinern sei nicht in Prozent auszudrücken, weil sie keine Tariferhöhung, sondern einen Fixbetrag als Hausärztezuschlag erhalten. Wieviel die Wiener Gebietskrankenkasse in den beiden Jahren insgesamt für Ärztehonorare ausgeben wird müssen, konnte deren Sprecher nicht beziffern.

Insgesamt herrschte nach den Verhandlungen, die seitens der Ärzte von Vizepräsident Johannes Steinhart und für die Kasse von Obmann Franz Bittner geführt wurden, Zufriedenheit. "Wir wollten eine Erhöhung aufbauend auf der Inflationsrate. Das haben wir geschafft", hieß es bei der Kammer: "Wir waren überrascht, dass sich die Kasse so sehr bewegt hat." Ein Kassensprecher lobte wiederum die "Offenheit und Abschlussbereitschaft der Ärzte".

Bei der Kasse hofft man nun, dass auch die beiden von den Ärzten eingebrachten Schiedsverfahren gegenstandslos sind, die Kammer gab sich in dieser Frage aber noch vorsichtig. Auch die angedrohten "Aktionstage" sind nicht völlig vom Tisch. Man will sich nun auf einen einzigen Tag mit einer Versammlung aller niedergelassenen Ärzte beschränken, bei dem gegen Missstände im Gesundheitssystem protestiert werden soll. (apa/red)

24.2.2006 07:28