Schaden für Europa? EU-Kommissar fordert drastische Schutzzölle auf Schuhe aus Asien
- Verband warnt vor Preiserhöhungen um bis zu 20%
EU-Handelskommissar Peter Mandelson hat sich für fast 20-prozentige Schutzzölle auf Schuhimporte aus China und Vietnam ausgesprochen. Es gebe klare Beweise, dass diese asiatischen Länder durch staatliche Intervention ihre Billigwaren in industriellem Maßstab zu unfairen Bedingungen auf den europäischen Markt brächten, sagte Mandelson am Donnerstag in Brüssel. Dies füge der europäischen Industrie schweren Schaden zu.
Die Zölle für chinesische Schuhe sollen nach seinen Vorstellungen 19,4 Prozent betragen, für vietnamesische 16,8 Prozent, wobei eine schrittweise Einführung über sechs Monate hinweg vorgeschlagen wird. Der europäische Sportwarenverband FESI warnte vor Preiserhöhungen von bis zu 20 Prozent. "Hersteller und Handel werden gezwungen sein, über die erhöhten Zölle nachzudenken", sagte FESI-Präsident Horst Widmann. Es gebe keinen Zweifel, dass die Schuhpreise um bis zu 20 Prozent steigen würden, falls derart hohe Zölle eingeführt würden.
Mandelson wies diese Angaben als völlig überzogen zurück. Von den Zöllen seien höchstens neun Prozent der in Europa verkauften Schuhe betroffen, sagte er. Bei Zustimmung der EU-Mitgliedsländer könnte die erste Marge von vier Prozent bereits im April in Kraft treten. Kinderschuhe und Sportschuhe von hoher Qualität sollen laut Mandelson von den Anti-Dumping-Zöllen ausgenommen bleiben. Allerdings scheinen die Mitgliedstaaten sich derzeit noch nicht einig zu sein. So warnte der schwedische Industrie- und Handelsminister Thomas Ostros in der Zeitung "Dagens Nyheter" vor Protektionismus und steigenden Preisen für die Verbraucher.
Mit den Strafzöllen sollen in erster Linie die letzten verbliebenen europäischen Schuhhersteller in Italien, Spanien, Portugal und Polen geschützt werden. In Deutschland gibt es dagegen kaum noch Schuhproduzenten. So dürften hier zu Lande die Auswirkungen in erster Linie die Verbraucher zu spüren bekommen.
Deichmann warnt vor Schutzzöllen
Europas größter Schuhhändler Deichmann warnte bereits vor den Folgen der EU-Pläne. "Solche Schutzzölle würden zu höheren Preisen führen und zehntausende Arbeitsplätze im Handel und in anderen Bereichen wie zum Beispiel der Logistik gefährden", sagte Firmenchef Heinrich Deichmann unlängst.
Die von der EU-Kommission vorgeschlagenen Strafzölle auf Schuhimporte aus China und Vietnam stoßen auch beim europäischen Branchenverband auf scharfen Widerstand. Die Strafzölle von fast 20 Prozent sind "viel zu hoch und nicht akzeptabel", lautete am Donnerstag das Urteil der Footwear Association of Importers and Retailchains (FAIR).
Nach EU-Angaben sind die Einfuhren von Lederschuhen aus China seit März 2005 um 320 Prozent auf 950 Mio. Paare gestiegen. Vietnam exportierte demnach im selben Zeitraum 120 Mio. Paar Schuhe in die Europäische Union, was einer Wachstumsquote von sogar 700 Prozent entspricht.
(apa)

