Deutsche bis zum Schluss stark: Greis holt bei Biathlon-Massenstart dritte Goldmedaille
- Silber geht an Polen Sikora vor Norweger Björndalen
- Christoph Sumann nach Doping-Affäre guter Neunter
Der Deutsche Michael Greis hat die Nachfolge von Ole Einar Björndalen als "Biathlon-König" angetreten. Mit seiner dritten Goldmedaille bei den XX. Winterspielen bei der Olympia-Premiere im Massenstart-Bewerb kürte sich der 29-Jährige zum erfolgreichsten Athleten von Torino 2006. Greis, der zuvor zuvor über 20 km und mit der Staffel triumphiert hatte, setzte sich am Samstag in Cesana San Sicario mit nur einer Strafrunde vor dem Polen Tomasz Sikora (+6,3 Sekunden/1) sowie Björndalen (+12,3/3) durch. Christoph Sumann lieferte als Neunter (57,4/2) eine starke Vorstellung.
Greis löste Superstar Björndalen ab, der in Salt Lake City vier Goldmedaillen erobert hatte und vier Jahre später seine insgesamt sechste Goldene verpasste. Der 32-jährige Norweger mit Wohnsitz in Obertilliach in Osttirol hält nun bei neun Olympia-Medaillen (5-3-1). Greis holte die vierte Goldene der deutschen Biathlon-Herren im fünften Bewerb.
"Es war ein weiter Weg bis dahin. Ich war ganz schön müde", sagte der Athlet aus Nesselwang und widmete die Medaille seiner Freundin Katja, die so lange ohne ihn auskommen hatte müssen. Björndalen war hingegen sichtlich unzufrieden. "Ich bin super in Form, aber zwei Schießfehler stehend sind zu viel."
Zweiter Top-Ten-Platz für Sumann
Sumann schaffte nach Rang sieben in der Verfolgung seinen zweiten Top-Ten-Platz und sah das Rennen mit lachendem und weinendem Auge. Zufrieden war er mit dem Resultat angesichts der Vorgeschichte. Die Razzia und ihre Folgen hatte er in Gesprächstherapie mit seinen drei Staffel-Kollegen bewältigt.
"Wo nichts ist, kann nichts gefunden werden", sagte Sumann, der gleich nach dem Samstag-Rennen einer Blutkontrolle unterzogen wurde. "Das war abzusehen, aber sie können mich jederzeit kontrollieren", erklärte der 30-jährige Steirer. Die Nachricht von den negativen Dopingtests am Vorabend gab ihm zusätzliche Motivation. "Da war der Druck weg, es ist wichtig, dass wir rein gewaschen wurden."
Nicht zufrieden war der Weltcupsieger von Osrblie 2002 hingegen mit seiner Schießleistung. Ein Fehler in der liegenden Position warf ihn gleich zu Beginn auf Rang 23 zurück. "Der zweite Schuss liegend war ein Randfehler, der reingespritzt ist, aber die Scheibe fiel nicht. Das war Pech", erklärte Cheftrainer Alfred Eder.
Bei Station zwei und drei klappte anschließend am Schießstand alles perfekt, Sumann war Zehnter, knapp 20 Sekunden hinter dem Dritten. Alle wussten: Ein "Nuller" zum Abschluss und Sumann mischt um die Medaillen mit. Die ersten drei Scheiben fielen, doch der verflixte vierte und vorletzte Schuss traf nicht ins Ziel. "Genau da habe ich vorausgedacht, dass ich mit einem Nuller vorne dabei sein würde, und das sollte man nicht tun", ärgerte sich Sumann, der als einziger Österreicher für das 30-er-Feld qualifiziert war. Wolfgang Rottmann und Wolfgang Perner wären dabei gewesen, sind aber nach der Razzia in die Heimat gereist.
Groß entschuldigte sich bei österreichischen Biathleten
Der deutsche Staffel-Olympiasieger Ricco Groß hat sich bei den österreichischen Biathleten Wolfgang Perner und Wolfgang Rottmann entschuldigt, nachdem deren Dopingproben keinen Einsatz unerlaubter Mittel ergeben hatten. Groß hatte nach der Razzia gegen die Österreicher und dem Doping-Verdacht gesagt, Perner solle ihm die Bronzemedaille von Salt Lake City nach Ruhpolding bringen. Bei den Winterspielen vor vier Jahren war Perner mit zwei Zehntelsekunden vor Groß Dritter im Sprint geworden.
"Bei meiner Aussage über den Bronzemedaillen-Gewinn von 'Wolfi' Perner vor vier Jahren in Salt Lake City und die damit verbundene unbegründete Anschuldigung hat mich wohl der olympische Geist kurzfristig etwas im Stich gelassen. Das war nicht korrekt und ich entschuldige mich dafür", sagte der inzwischen wieder ins heimische Ruhpolding Zurückgekehrte.
| Ergebnis Massenstart: | |||
| 1. | Michael Greis | GER | 47:20,0 Minuten/1 Strafrunde |
| 2. | Tomasz Sikora | POL | +6,3 Sekunden/1 |
| 3. | Ole Einar Björndalen | NOR | +12,3/3 |
| 4. | Paavo Puurunen | FIN | +23,7/0 |
| 5. | Sergej Tschepikow | RUS | +39,1/0 |
| 6. | Emil Svendsen | NOR | +53,8/2 |
| 7. | Halvard Hanevold | NOR | +54,9/3 |
| 8. | Alexander Wolf | GER | +55,3/2 |
| 9. | Christoph Sumann | AUT | +57,4/2 |
| 10. | Michael Rösch | GER | +59,9/3 |
(apa/red)
