Benni nach seinem Olympiasieg: "Man nimmt das Ganze gar nicht wirklich wahr"
- Gratulations- und Termin-Marathon für Blitz aus Pitz
- Raich nach seinem Sieg über Doping, Maier & Co.
·BILDER: So flitzte Benni zum RTL-Gold
Schwere Strecke forderte
Tribut: Viele Ausfälle
·Stimmen zu Raichs Goldmedaille im RTL!
Goldkind Benni: "Ich bin sprachlos, überglücklich"
·KLICKEN: Benni Raich Doppel-Olympiasieger
Erster ÖSV-Athlet nach Maier mit zwei 'Goldenen'
·PORTRÄT: Mit zwei Medaillen nach Hause
Hermann Maier aber nicht
so erfolgreich wie 1998
Den 20. Februar 2006 wird Benjamin Raich nie vergessen. Der Pitztaler krönte sich in Sestriere im Riesentorlauf erstmals zum Olympiasieger, mit der Zieldurchfahrt begann für den Tiroler der Gratulations- und Termin-Marathon. Unter anderem standen "Flower Ceremony", internationale Pressekonferenz, unzählige Interviews, die offizielle Siegerehrung in Turin, ein Besuch in der ARD-Olympia-Liveshow "Waldi und Harry" sowie die Party mit seinen Pitztaler Freunden auf dem Programm.
Am Tag danach plauderte der bald 28-Jährige - Raich hat am 28. Februar Geburtstag - in entspannter Atmosphäre im Österreich-Haus in Sestriere:
* ...über die Gefühle bei der Siegerehrung in Turin und die erste Nacht mit der Goldenen: "Mir ist alles und auch wieder nichts durch den Kopf gegangen. Man nimmt das Ganze rundherum gar nicht wirklich wahr. Ich dachte an den Ablauf des Tages und was ich alles für diese Goldene gegeben habe. Und an die Leute, die mich unterstützt haben: die Familie und die Betreuer, vom Landeskader bis jetzt. Man sollte gar nicht anfangen Namen aufzuzählen, weil man kann sowieso nicht alle nennen. Die Goldene war die ganze Nacht in meinem Anorak."
* ...über den Mythos Olympiasieg: "Olympiasieger - das hört sich gut an, das schaut auf der Visitenkarte schon ganz gut aus. Olympia ist eine Riesenherausforderung. Das ist das Rennen, auf das sich jeder speziell vorbereitet und jeder gewinnen will. Olympia-Gold war eines meiner ersten Ziele. Und wenn einem so etwas schon als Kind auffällt, dann muss es etwas besonderes sein. Als Zehnjähriger sah ich Hubsi Strolz bei Olympia 1988 in Calgary, da dachte ich mir: da will ich auch hin. Wenn man das dann schafft, ist das eine Riesengenugtuung."
* ...über die Tatsache, dass er als knapp 28-Jähriger finanziell ausgesorgt hat: "Mike Tyson oder Michael Jackson haben viel mehr als ich verdient und sind trotzdem pleite. Geld kann man schneller los werden als man glaubt. Ich bin mit dem bis jetzt verdienten Geld zufrieden, brauche aber nicht allzu viel Luxus. Früher oder später werde ich mir sicher ein eigenes Heim bauen. Dass ich in eine Großstadt ziehe, wird aber sicher nicht passieren."
* ...über die Doping-Gerüchte im ÖOC-Lager: "Das ist keine schöne Geschichte, aber ich weiß immer noch zu wenig Details. Ich bin für genaue Kontrollen. Von mir aus auch mitten in der Nacht, aber nicht vor einem Wettkampf."
* ...über seine eigenen Erfahrungen in Sachen Dopingkontrollen: "Ich habe schon einen ganzen Ordner voll mit Dopingprotokollen. Bei jedem Stockerplatz wird man kontrolliert, dazu kommen unangekündigte Kontrollen. Im Sommer 2004 waren sie auch zu Hause bei mir. Es gibt aber Grenzen, denn teilweise artet das in eine Hetzjagd aus. Die wollen von mir wissen, wo ich in drei Monaten am Nachmittag bin. Und wenn ich irgendwo hinfahre, muss ich gleich ein SMS schicken. Dass wir nicht irgendwann unangemeldet nach Afrika verschwinden dürfen, sehe ich ein. Aber es darf nicht sein, dass ich auf die Fahnder warten muss. Das muss schon noch umgekehrt sein. Ich kann nur sagen: ich bin clean."
* ...über seine Verwandlung am Start vom "braven Benni" zum "erfolgshungrigen Raubtier": "Ich bin ein Wettkampftyp, der im Training nicht alles geben kann. Dass ich alles, was ich drauf habe, abrufen kann, das geht nur im Wettkampf. Der "Mike Tyson der Skipisten" bin ich aber sicher nicht. Denn Ohren abbeißen ist beim Skifahren eher schwierig, weil alle einen Helm aufhaben. Watschn wie Mani Pranger brauche ich am Start auch nicht. Ich nehme mir Sachen vor, gehe den Lauf durch und schaue, dass ich psychisch und physisch da und bereit bin."
* ...über sein Verhältnis zu Hermann Maier: "Der Hermann ist ein Kollege, mit dem ich mich gut verstehe, mit dem ich kein Problem habe und mit dem ich jederzeit gut reden kann. Ich habe enorm viel Respekt vor ihm, man kann sehr viel lernen: er hat Disziplin, ist ein harter Kämpfer und gibt sich nie auf. Wirkliche Freunde habe ich eigentlich nur drei oder vier. Mit denen unternehme ich auch privat etwas, fahre z.B. auf Urlaub mit ihnen."
* ...über sein Superman-Shirt, das er 1999 bei seinem ersten Weltcup-Erfolg in Schladming unter dem Rennanzug trug: "Weggeschmissen habe ich es glaube ich nicht, aber allzu schön schaut es nicht mehr aus. Es war damals ein Zufall, dass ich dieses Leiberl anhatte. Ich könnte da jetzt eine Riesengeschichte dazu erfinden - aber das bin nicht ich."
(apa/red)
