Dienstag, 21. Februar 2006

"Das ist nicht mehr zu übertreffen!": Michi Dorfmeister tritt am Karrierehöhepunkt ab

  • Erst dritte österreichische Doppel-Olympiasiegerin
  • Niemand schaffte zuvor Gold in Abfahrt und Super G

"Das ist nicht mehr zu übertreffen!" Michaela Dorfmeister hat mit ihrem allerletzten Olympia-Rennen noch einmal für Superlativen gesorgt. Sie ist nach Trude Jochum-Beiser und Petra Kronberger Österreichs dritte alpine Doppel-Olympiasiegerin. Aber so schnell, nämlich innerhalb von fünf Tagen, hatte es nicht einmal Kronberger geschafft. Und sie ist die erste Dame überhaupt, die Olympiagold in Abfahrt und Super G gewonnen hat. "Aber jetzt", so Dorfmeister Montagabend in Sestriere, "will ich nur noch heim."

Sie kehrte Sestriere schon am Tag danach den Rücken. Schon am Mittwoch gibt es zu Hause in Neusiedl einen Empfang. Und - unglaublich aber wahr - bereits am Freitag, wenn ihre Teamkolleginnen in Sestriere um Olympia-Medaillen im Riesentorlauf kämpfen, trainiert Michi schon wieder auf der Reiteralm. Der Weltcup geht in Norwegen weiter, Abflug in einer Woche. "Erst dort werde ich wohl wieder so richtig zur Ruhe und zu mir kommen", so Dorfmeister.

Wetterbedingte Verschiebung nützte Dorfmeister
Vorerst musste die Niederösterreicherin den Wahnsinn Olympia verarbeiten. "Wären wir am Sonntag gefahren, hätte ich wegen des Neuschnees mit der Nummer 30 keine Chance gehabt", gestand sie freimütig ein. So aber passte alles perfekt, angefangen vom Vorbereitungstraining in Südtirol, wo man exakt jene Torabstände trainiert hatte, die Trainer Jürgen Graller dann auch in San Sicario gesetzt hatte.

Dorfmeister hatte den letzten Olympia-Tag ihrer langen Karriere von Beginn an in vollen Zügen genossen. Schon bei der Besichtigung Fotos geschossen, "es war ja mein letztes Olympiarennen!" Die Riesentorlauf-Entscheidung der Herren hatte sie im TV verfolgt, "und dann habe ich zur 'Meisi' gesagt, jetzt sind wir dran, auch zwei Medaillen zu machen."

Mit "speziellem" Ski zum Sieg
TV-Bild füllend hatte sie dann vor dem Start ein Mittel zu sich genommen. "Homöopathische Tropfen, damit ich ruhig bleibe, leichte Füße habe und die Konzentration stabil bleibt. Das mache ich schon den ganzen Winter." Gefahren war sie mit einem nagelneuen und "speziellen" Ski, der bis dahin nur auf der Teststrecke und beim Training in Südtirol im Einsatz gewesen war. "Ein Risiko, ich weiß. Aber es ist aufgegangen."

Im Ziel dann zunächst die große Ratlosigkeit, erst Kostelic löste mit ihrem "You did it!" alles auf. Nach dem Tränenmeer wegen Abfahrtsgold reagierte Dorfmeister diesmal aber gefasst. "Auf die eine Goldene hatte ich einfach so lange hingearbeitet. Im Super G ist dann nichts mehr losgebrochen, dafür habe ich es einfach mehr genossen", erklärte sie.

"Habe davon immer geträumt"
In den Schnee geworfen hatte sie sich dann aber doch. Und zwar in Erinnerung an Stephan Eberharter. "Ich habe mit ihm mitgeweint, als er es in Salt Lake City auch so gemacht hat. Wie er bin ich jetzt auch für alles belohnt worden. Schön, wenn man etwas erleben darf, wovon man immer geträumt hat", erzählte Dorfmeister. Trotzdem gelte: "Beide meine Goldmedaillen glänzen gleich!"

Aber selbst nach olympischem Doppelgold und dem vorzeitigen Gewinn der Abfahrtskugel hat Dorfmeister noch Ziele. "Es steht ja noch eine Super-G-Kugel am Spiel. Ich habe 50 Punkte Vorsprung und die 'Meisi' gibt sicher nicht freiwillig auf."

Noch ein paar Weltcup-Rennen und dann ist Schluss
Dorfmeister macht zwar im Weltcup weiter, nach der Saison ist aber definitiv Schluss mit Skifahren. Werbeangebote gebe es bereits, trotzdem lässt sie mit ihrem Rücktritt eine Menge Geld liegen. Sie habe so viel verdient, dass es für ein gutes Leben reiche und auch noch für die Generation danach, hatte Dorfmeister schon vor ihren zwei Goldenen einmal gesagt.

Dorfmeister jetzt: "Was in Italien passiert ist, könnte ich auch mit einer WM nicht mehr toppen. Das Leben wird sich sicher ändern. Aber ich will jetzt in erster Linie ein Zuhause haben und nicht mehr aus dem Koffer leben müssen."
(apa)

21.2.2006 11:29