Dienstag, 21. Februar 2006

1 x Silber und 1 x Bronze: Maiers Bilanz - "Könnte auch ohne Medaille dastehen!"

  • "Bronze von der Farbe her sowieso am schönsten"
  • "Granatenwerfer": Start bei Spielen in Peking 2008?

Mit der zehnten Medaille bei einem Großereignis hat Hermann Maier am Montag das Kapitel "Olympia 2006" abgeschlossen. Der 33-Jährige war mit einer Grippe in die Spiele gestartet, vor allem bei der Abfahrt hatten ihm schwere Atemprobleme zu schaffen gemacht. Trotz des noch hinzukommenden Maierschen Hundertstel-Pechs - in der Abfahrt (Platz sechs) fehlten 0,18 Sekunden auf Bronze, im Super G (Silber) 0,13 auf Gold und im RTL (Bronze) 0,16 auf Gold - hatte der Salzburger am Montagabend im Ö-Haus eine echte Freude mit seiner italienischen Medaillensammlung.

"Im Endeffekt könnte ich jetzt auf Grund der Krankheit auch ohne Medaille da stehen, deshalb bin ich über meine zwei gescheffelten Medaillen glücklich und zufrieden. Außerdem ist Bronze von der Farbe her sowieso am schönsten." Einen kleinen wehmütigen Nachsatz gab es aber schon: "Schade, dass Olympia für mich vorbei ist. Denn mittlerweile geht es mir körperlich wieder halbwegs gut. Jetzt die Abfahrt, das würde mich schon jucken."

Für Goldgewinner Benni Raich, der quasi zeitgleich mit Maier Mitte der 90er-Jahre in den Weltcup eingestiegen war, gab es von Maier Lob in höchsten Tönen. "Benni ist jetzt schon einige Jahre konstant an der Spitze. Und er hat noch einiges vor sich. Vielleicht kann ich noch den einen oder anderen Erfolg nachlegen. Aber der Benni fährt alle Disziplinen, irgendwann wird er mich schon schnappen", so der Sieger von u.a. vier Olympia- und sechs WM-Medaillen, 53 Weltcup-Bewerben und vier Gesamt-Weltcup-Kugeln.

Letzte Spiele für Maier?
Einmal mehr ließ Maier offen, ob Turin seine letzten Winterspiele waren. "Vielleicht Vancouver 2010 oder Salzburg 2014. Und 2008 finden ja in Peking die Sommerspiele statt." Sommer-Olympia mit dem Skihelden? In diesem Zusammenhang berichtete Maier, dass er während seiner Zeit als "ganz normaler" Soldat des österreichischen Bundesheers ein ausgezeichneter Granatenwerfer gewesen sei.

Der Riesentorlauf bei Super-Stimmung und blauem Himmel in Sestriere Colle ließ selbst das Skiherz eines abgebrühten Hermann Maier höher schlagen. "Das war das erste wirklich gute Rennen hier. Und die Bedingungen waren absolut perfekt und fair." Dass Maier nach seinem Comeback im RTL am weitesten von der Weltspitze entfernt war und nun Weltmeister 2005 und Olympia-Bronze-Gewinner 2006 ist, bereitet natürlich Genugtuung. "Ganz klar, im Riesentorlauf war die Rückkehr am schwierigsten. Ich bin mit meiner Entwicklung in der Disziplin mit den vielen bunten Toren zufrieden."

Dass Österreich nach dem "schwarzen Sonntag" mit der Razzia im ÖSV-Lager einen sporthistorischen "goldenen Montag" feiern durfte, nahm auch der während Olympia zweimal zur Dopingprobe gebetene Maier mit Freude zur Kenntnis. "Das war die einzig richtige Antwort auf diesen Wahnsinn." Den Snowboard-Auftritt seines jüngeren Bruders Alex am Mittwoch wird Hermann aller Voraussicht nach nicht mehr vor Ort in Bardonecchia, sondern bereits zu Hause in der Flachau erleben. "Wenn ich ihm zuschaue, bin ich viel nervöser als bei einem Rennen von mir."

(apa)

21.2.2006 11:14