Rekord-Medaillenflut und Doping-Affäre: Österreichs Wellental bei Olympia in Turin
- ÖOC-Sportler trotz Doping-Chaos in der Erfolgsspur
- Historischer Slalom-Triple-Sieg krönte ÖOC-Bilanz
·Turin: Erfolgreichste
Winterspiele für ÖOC!
23 Medaillen: 9x Gold, 7x Silber und 7x Bronze
·BILDER: So jubelten Österreichs Athleten
Dorfmeister & Co.: Alle
ÖOC-Medaillengewinner!
·"Gottwald ist der große Held der Spiele"
OÖC-Präsident Wallner zieht positive Bilanz
·Olympia: ÖSV-Team stellt Alpin-Rekord auf
Viermal Gold, fünmal Silber und fünfmal Bronze
·Vier Goldmedaillen, zwei Silbermedaillen
Erfolgreichste Spiele für Kombinierer und Springer
·BILDER: So jubeln die Olympiasieger in Turin
KLICKEN: Alle Medaillen- Gewinner von Turin 2006
·Der Medaillenspiegel: Österreich auf Rang 3
Nur Deutschland und die USA waren erfolgreicher
Die XX. Olympischen Winterspiele in Turin waren für Österreichs Sportler und auch die Fans zu Hause eine Hochschaubahn der Gefühle. Begonnen hat alles mit Kombinations-Silber durch Felix Gottwald am ersten Wettkampftag. Und der 30-jährige Salzburger hat eine wahre Medaillen-Lawine für das ÖOC losgetreten. In der Folge mausern sich die Österreicher zu "Goldgräbern" und übertreffen fast alle Rekorde. Selbst als das gesamte Team wegen der Doping-Razzien von internationalen Medien in ein schlechtes Licht gestellt wird, beweisen die Sportler Moral.
Weit verstreute Wettkampfstätten, eine Host City, in der nur die Eis-Bewerbe und einige Siegerehrungen stattfinden und ein organisatorisches Chaos in Sachen Verkehr, Baustellen und des Englisch nicht mächtigen Freiwilligen. Das war schon vor Beginn der "Fiat-Winterspiele" im Piemont teilweise befürchtet worden, doch trotz aller Unbill hat sich Österreichs Olympia-Team stärker denn je präsentiert.
Positive Prophezeiung von ÖOC-Generalsekretär
ÖOC-Generalsekretär Heinz Jungwirth, der im Zuge der Spiele mit Aussagen rund um eine mögliche Sperre Österreichs durch das IOC für Aufregung sorgen sollte, hatte bei der Präsentation des Österreich-Hauses am Dreikönigstag in Bischofshofen fast schon "prophetische" Vorahnungen. Damals war für die bevorstehenden Spiele in Italien das große Chaos befürchtet worden. Jungwirths Antwort: "Das haben wir auch 1992 vor Albertville gesagt, damals war das Geschehen auf 13 Täler verteilt. Zurück gekommen sind wir mit 21 Medaillen, über alles andere wird heute nicht mehr gesprochen", hoffte er damals auf ähnlich erfolgreiche Spiele.
Sein Wunsch ist nur teilweise in Erfüllung gegangen. Aus sportlicher Sicht wurden die Rekord-Spiele sogar übertroffen, doch es bleibt ein Thema, über das noch länger gesprochen werden wird, und nicht nur in Österreich. Doping, unerlaubte Hilfsmittel oder gar ein organisierter "Ring" im Lager der Biathleten und Langläufer - ja oder nein?
Bereits nach der 1. Woche großartige Bilanz
Nach der ersten Woche und etwas mehr als der Hälfte der Bewerbe verzeichnete Österreich schon eine ausgezeichnete Zwischenbilanz: Mit 4 x Gold, 5 x Silber und 1 x Bronze liegt das ÖOC-Team an 4. Stelle. Michaela Dorfmeister (Abfahrt), die Brüder Andreas und Wolfgang Linger (Doppelsitzer), die Nordischen Kombinierer Felix Gottwald, Mario Stecher, Christoph Bieler und Michael Gruber und Thomas Morgenstern (Großschanze) sorgten dafür, dass bis dahin vier Mal die österreichische Hymne gespielt werden musste.
Doch Doping-Razzien in den Privatquartieren der ÖSV-Biathleten und Langläufer in der Nacht von Samstag auf Sonntag sorgten für Riesen-Unruhe im ÖOC-Team, Hintergrund ist das unerwünschte Erscheinen des für Olympia gesperrten Walter Mayer. Ab diesem Zeitpunkt hängen die Worte "Doping" und "Razzia" wie ein Damokles-Schwert über dem gesamten Team. Mayer, der in Kärnten einen Unfall im offenbar alkoholisierten Zustand verursacht, wird vom ÖSV gekündigt, die ohne Rücksprache heimgereisten Biathleten Wolfgang Rottmann und Wolfgang Perner sowie Langlauf-Cheftrainer Emil Hoch werden vom ÖOC-Team ausgeschlossen.
Österreich reagiert mit Erfolgen auf Doping-Affäre
Wie zum Trotz schlägt Österreichs Mannschaft, die sich im Zuge der Spiele zur Sport-Großmacht entwickelt, im Wettkampf erbarmungslos zurück. Dreimal Gold am Tag nach dem Skandal ist Labsal auf die Wunden der österreichischen Seele. Der anwesende Bundeskanzler Wolfgang Schüssel spricht aus, was viele denken: "Das war heute die richtige Antwort auf die Vorfälle in den vergangen Tagen: Sportlich, fair und sauber." Dorfmeister mit ihrem 2. Gold, Benjamin Raich und die ÖSV-Adler mit Morgenstern, Andreas Kofler, Andreas Widhölzl und Martin Koch sorgen dafür, dass die rot-weiß-rote Fahne neuerlich ganz oben hängt.
Auch der Rest dieser Spiele blieb ein Auf und Ab zwischen Doping-Spekulationen, hinter der Hand im IOC angedrohten Sperren gegen Österreich und unglaublichen Erfolgen des ÖOC-Teams. Als am Freitag vor Ende der Spiele die IOC-Information kommt, dass alle 10 Dopingproben aus dem Biathleten- und Langlauf-Lager der Österreicher negativ sind, geht ein großes Aufatmen durch die Reihen der Österreicher. Und sofort wird, als wäre es ohnehin klar gewesen, in die Gegenoffensive gegangen. Der für die beiden Bereiche zuständige Markus Gandler, der sich noch vor einigen Tagen beim IOC entschuldigt hatte, fordert Rehabilitierung und wünscht sich eine Neuaustragung.
Doping-Ermittlungen auch nach Olympia
Doch die Ermittlungen des IOC und einer eigens vom ÖOC eingesetzten Untersuchungs-Kommission gehen auch nach den Spielen weiter. IOC-Präsident Jacques Rogge hatte in Mayer "den Mann, der Doping organisiert" vermutet.
Der historische Slalom-Triple-Sieg am Samstagabend setzte dem sensationellen Abschneides des ÖOC-Teams die Krone auf, am Sonntag kam noch die Bronzemedaille von Michail Botwinow im 50-km-Langlauf dazu. Österreichs eigentlich unfassbare Bilanz: 9 x Gold, 7 x Silber, 7 x Bronze - 23 Medaillen.
Am Ende der Spiele, die glücklicherweise nur von wenigen Verschiebungen und Wetterkapriolen, aber auch wenigen Zuschauern geprägt waren, stand übrigens nur ein einziger Dopingfall. Und der kam nicht aus Österreich, aber doch aus dem Biathlon: Die "silberne" Russin Olga Pylewa musste ihr Edelmetall zurückgeben. Bis Sonntag hatten über 800 Urintests und 362 Blutproben nur diesen einen positiven Fall ergeben. Die XX. Spiele in Turin sind daher als sehr "sauber" zu bezeichnen, und vorerst sind Österreichs angegriffene Athleten rein gewaschen. (apa/red)
