Samstag, 25. Februar 2006

Schock in der Europäischen Union: H5N1- Virus erstmals in Zuchtbetrieb nachgewiesen

  • Frankreich: Mitarbeiter in medizinischer Behandlung
    Insgesamt 400 der 11.000 Tiere des Betrieb verendet
  • H5N1 bald von Mensch zu Mensch übertragbar?
    Vogelgrippe breitet sich in ganz Europa weiter aus

Die aktuelle Vogelgrippe hat erstmals einen Zuchtbetrieb in der Europäischen Union erreicht. In einem Betrieb in Ostfrankreich sei das auch für Menschen gefährliche Virus H5N1 bei verendeten Tieren nachgewiesen worden, teilte das Landwirtschaftsministerium mit. In dem Putenzuchtbetrieb in Versailleux im Département Ain waren mehr als 400 der 11.000 Tiere an der Krankheit verendet. Fünf Mitarbeiter des betroffenen Betriebes werden präventiv medizinisch behandelt.

Das Landwirtschaftsministerium teilte weiter mit, dass alle Puten getötet worden seien. Helfer seien dabei, die betroffenen Gebäude zu desinfizieren. Bereits vor der Bestätigung des H5N1-Virus sei die Beobachtungszone auf 160 Gemeinden ausgeweitet worden. Damit sei den von der EU vorgesehenen Notfallmaßnahmen entsprochenen worden.

Eine Untersuchung zur Bestimmung des Infektionsweges mit dem Virus sei im Gange. Die Puten seien nicht unter freiem Himmel, sondern in Gebäuden gehalten worden. Die ersten beiden Infektionen mit dem Virus H5N1 in Frankreich waren ebenfalls im Département Ain bei Wildenten festgestellt worden. Ein Drittel des Départements sei am Freitag nach der Feststellung von fünf neuen Verdachtsfällen der Vogelgrippe zur Überwachungszone erklärt worden.

Unter diesen möglicherweise infizierten Vögel befänden sich auch Schwäne, die in der Nähe des Standorts des Putenzuchtbetriebes entdeckt worden seien.

H5N1 bald von Mensch zu Mensch übertragbar?
Experten befürchten, dass sich der Erreger H5N1 sich so verändern könnte, dass er sich auch von Mensch zu Menschen überträgt und so eine weltweite Epidemie mit Millionen Toten auslösen könnte. Das Virus hatte sich in den letzten Wochen von Asien aus weltweit ausgebreitet. In Europa sind neben Deutschland, Frankreich und Italien auch zahlreiche kleinere Staaten betroffen. Seit Ende 2003 sind rund 170 Infektionen beim Menschen bekannt geworden, 92 davon starben. In Europa ist bisher aber kein Krankheitsfall beim Menschen bekannt.

Informationskampagne der EU
Die EU kündigte eine Informationskampagne an, um eine Panik in der Bevölkerung zu verhindern. Bei einem informellen Treffen am Freitag in der Wiener Hofburg beschlossen die Gesundheitsminister der 25 EU-Mitgliedstaaten sowie Vertreter von Gesundheitsorganisationen, in Hinkunft "mit einer Stimme" zu sprechen. "Es besteht kein Grund zur Panik - aber wir müssen alle denkbaren Vorkehrungen treffen, damit sich die Geflügelpest nicht ausbreitet", brachte es EU-Kommissar Marcos Kyprianou auf den Punkt.

H5N1 am Bodensee bestätigt
Die tote Bodensee-Ente starb ebenso wie die Vögel auf der deutschen Ostsee-Insel Rügen an der hochgefährlichen Variante der Vogelgrippe H5N1. Dies ergaben Untersuchungen des Friedrich-Löffler-Instituts, teilte das baden-württembergische Landwirtschaftsministerium am Samstag in Stuttgart mit.

Auf Anordnung des Innenministeriums des Landes suchen nun Polizeihubschrauber das Bodenseeufer nach weiteren toten Vögeln ab. "Wir werden die Maßnahmen weiter intensivieren, um mit allen Mitteln die Infektionskette zu unterbrechen", erklärte Landwirtschaftsminister Peter Hauk (CDU).

Um den Fundort der toten Wildente an der Uferpromenade von Überlingen wurde bereits am Freitag ein Schutzzone mit einem Radius von drei Kilometern eingerichtet. Als zusätzliche Sicherheitsmaßnahme wurde nun ein Beobachtungsgebiet entlang des baden-württembergischen Seeufers mit einer Breite von zehn Kilometern ausgewiesen.

Indonesien meldet 20. Vogelgrippe-Opfer
In Indonesien ist ein weiterer Mensch an der Vogelgrippe gestorben. In den USA durchgeführte Test hätten gezeigt, dass eine 27-jährige Frau mit dem Virus infiziert gewesen sei, teilte ein Vertreter des indonesischen Gesundheitsministeriums am Samstag mit. Sie ist damit das 20. bestätigte Opfer der Krankheit in dem Land.

"Wir haben die Testergebnisse vom Zentrum für Krankheiten-Kontrolle und Vorbeugung in Atlanta erhalten. Das Opfer wurde positiv getestet", sagte Hariadi Wibisono, Generaldirektor für von Tieren übertragene Krankheiten im Gesundheitsministerium. Die Tests des Labors in Atlanta werden auch von der Weltgesundheitsorganisation WHO anerkannt.

Die Frau war am Montag in einem Krankenhaus in der Hauptstadt Jakarta gestorben. Einem Sprecher der Klinik zufolge war die Frau in ihrer Nachbarschaft mit Hühner-Kadavern in Berührung gekommen.
(apa/red)

25.2.2006 07:10