Dienstag, 21. Februar 2006

Vogelgrippe in Österreich: Positive H5N1-Verdachtsfälle in Grazer Tierheim bestätigt

  • Ein Schwan, drei Enten und zwei Hühner infiziert
  • Entwarnung bei zwölf in Wien gefundenen Kadavern

Sechs Vogelgrippe-Verdachtsfälle aus dem Grazer Tierheim "Arche Noah" sind bestätigt worden. Nach Informationen der Agentur für Gesundheit und Ernährungssicherheit (AGES) wurden ein Schwan, drei Enten und zwei Hühner auch im zweiten Testverfahren (Bruttest) positiv auf das H5N1-Virus befundet. Rund um das Tierheim wurde in Graz eine ab Mitternacht geltende Schutzzone sowie eine Überwachungszone eingerichtet. Entwarnung gab es unterdessen in Wien und Innsbruck. Die gefundenen Kadaver waren nicht mit dem Virus infiziert.

Nachdem am vergangenen Donnerstag ein aufgenommener Schwan im Tierheim verendet war, ist in der "Arche Noah" am Freitag der gesamte Bestand an Flügeltieren eingeschläfert worden. Die restlichen, ebenfalls untersuchten Tiere - rund 30 - waren nicht infiziert. Wie Landesveterinärdirektor Peter Wagner sagte, werden auch bei Katzen stichprobenartig Schleimhautproben genommen. Bisher seien zwar Infektionen an Hauskatzen nur im Laborversuch nachgewiesen, weil aber die Ansteckung von Vierbeinern Thema sei, habe man diese Tests sicherheitshalber angeordnet, sagte Wagner.

Der Veterinärdirektor kündigte eine Wiederöffnung des Heims, in das Tiere zuletzt weder hinaus noch hinein kommen, für Donnerstag oder Freitag an. Die Öffnung - bis auf Geflügel, für das eine dreiwöchige Sperrfrist gilt - werde nach einer Kommissionierung durch Amtstierärzte erfolgen. U.a. wird mit der Öffnung ein Seuchenschutzteppich im Eingangsbereich angebracht. Nach der Einschläferung des gesamten Federviehbestands waren umfangreiche Desinfektionsmaßnahmen ergriffen worden. So wurden auch die Holzstallungen verbrannt.

Insgesamt wurden bisher aus der Steiermark 130 tote Vögel ins Labor geschickt. Davon wurden 30 negativ und elf positiv befundet, zog Wagner eine Zwischenbilanz. Die beiden ersten in Mellach gefundenen Schwäne sind mittlerweile auch vom EU-Referenzlabor in Weybridge positiv befundet worden.

Unterschiedliche Standpunkte sind indessen bei der Handhabung der Stallpflicht aufgetaucht: Während Freiland-Großhendlbauer Toni Hubmann am Mittwoch in Knittelfeld mit einem Versuch begonnen hat, ein Freigehege mit Netzen - ähnlich den Hagelnetzen der Obst- und Weinbauern - zu sichern, vertritt man beim Gesundheitsministerium die Ansicht, dass damit die Verordnung nicht erfüllt werde. Diese sehe eindeutig eine Abdeckung vor. Als Alternative wird ein bei Freilandhaltung ohnedies vorgeschriebener "Außenscharr-Raum" mit Überdachung und seitlicher Gittersicherung empfohlen.

Entwarnung bei zwölf Wiener Kadavern
Das Wiener Veterinäramt gibt Vogelgrippe-Entwarnung bei zwölf in Wien tot aufgefundenen Tieren. Bei keiner der sechs Möwen, drei Schwäne, zwei Enten und einem Reiher konnte von der Agentur für Gesundheit und Ernährungssicherheit (AGES) in Mödling das H5N1-Virus festgestellt werden. Damit gibt es weiterhin nur einen einzigen Verdachtsfall in der Bundeshauptstadt.

Bei diesem einen Schwan, der im Wasserpark an der Alten Donau im Bezirk Floridsdorf gefunden wurde, steht noch das Ergebnis aus dem EU-Referenzlabor im britischen Weybridge aus. Es wird noch in dieser Woche erwartet.

Innsbruck: Toter Schwan nicht infiziert
Der am Innsbrucker Baggersee am Sonntag gefundene tote Schwan ist nicht an Vogelgrippe gestorben. Dieses Ergebnis der Untersuchungen in Mödling teilte der zuständige Landesrat Anton Steixner (V) am Mittwoch mit. Die Untersuchungsergebnisse weiterer toter Vögel aus Tirol standen zunächst noch aus.

Das Tier war von einem Spaziergänger entdeckt worden, der die Feuerwehr alarmierte. Wenn der Schwan an Vogelgrippe gestorben wäre, hätte im Umkreis von drei Kilometern von der Fundstelle eine Schutzzone errichtet werden müssen. Die Überwachungszone würde sich nach den Seuchenvorschriften auf zehn Kilometer erstrecken.

(apa/red)

21.2.2006 13:47